News
 

Porträt: Das Enfant terrible der Kulturszene

Schlingensief ist totGroßansicht

Berlin (dpa) - Ein Künstlerleben lang ist Christoph Schlingensief dem Rat seines Jugendfreundes Helge Schneider gefolgt, «tief in deiner Seele nach deinen Ängsten zu suchen». Das führte den Theater- und Filmregisseur sogar auf den legendären Grünen Hügel in Bayreuth.

Dort gab das Enfant terrible der deutschen Kulturszene 2004 sein Operndebüt mit «Parsifal», Richard Wagners «Weltabschiedswerk».

Anfang 2008 war bei dem Nichtraucher Lungenkrebs entdeckt worden. Im Mai 2010 meinte Schlingensief in einem Interview, er wisse seit einigen Monaten, dass er neue Metastasen habe. Durch den Krebs sei «alles in den Boden gerissen worden».

Dabei war er voller Pläne. Ihm war die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale in Venedig 2011 übertragen worden. Eine Produktion für die Ruhrtriennale («S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken») musste Schlingensief im Sommer 2010 absagen.

Bei seiner eigenen Sinnsuche als Künstler blieb Schlingensief ein naives Kind und daher unbefangen und sehend, wurde aber auch von Freunden wie Klaus Staeck vor einer «permanenten Pubertät» gewarnt: Er müsse aufpassen, nicht abzurutschen. Schlingensief, selten frei von Selbstzweifeln, war nach eigenen Worten klar, dass sich «der große Junge innerlich noch immer fremd» geblieben war und auch immer «extrem um Anerkennung gekämpft» habe.

Der am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geborene Christoph Schlingensief hat die deutschsprachige Film- und Theaterwelt erregt und beflügelt. Der einstige Messdiener versuchte sich schon früh als Filmemacher und sorgte mit Underground-Streifen wie «Menu total» (1985/86) für Aufmerksamkeit. Im Fernsehen tauchte er ab 1997 auch als unberechenbarer Talkmaster auf.

Seinen Durchbruch als Theaterregisseur hatte er in den 1990er Jahren an Frank Castorfs Berliner Volksbühne mit Inszenierungen wie «100 Jahre CDU» oder «Rocky Dutschke, 68», wobei auch Laien und Behinderte mitspielten.

Im Sommer 2009 heiratete der krebskranke Schlingensief im brandenburgischen Hoppenrade seine langjährige künstlerische Mitarbeiterin Aino Laberenz.

Theater / Film
22.08.2010 · 09:22 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
23.03.2017(Heute)
22.03.2017(Gestern)
21.03.2017(Di)
20.03.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen