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Porträt: Berlusconi - Der ewige Sieger

Hat es wieder geschafft: Italiens Ministerpräsident Berlusconi.Großansicht

Rom (dpa) - «Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt», meinte Berlusconi einmal über sich selbst. Und tatsächlich kann man ihm das wohl kaum streitig machen.

Der 74-jährige Multimilliardär, der sein Arbeitsleben einst als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen begann, hat es wieder einmal geschafft. Gegen alle Prognosen überstand er am Dienstag mit nur drei Stimmen Vorsprung ein von der Opposition beantragtes Misstrauensvotum. Während Beobachter im Ausland den Kopf schütteln, dürfte das in Italien viel weniger Verwunderung erregen.     

Denn das Durchhaltevermögen Berlusconis ist legendär. So führte er immerhin von 2001 bis 2005 die am längsten amtierende italienische Nachkriegsregierung. Dabei wird der Norditaliener in jüngst von Wikileaks veröffentlichten US-Depeschen als eitler und inkompetenter Partylöwe beschrieben.

Mit der Gründung immer neuer Parteien und Formationen gelang es ihm jahrelang, nahezu unangefochtener Frontmann des rechten Lagers zu bleiben. Obwohl stets höchst umstritten, schaffte er es immer wieder, die Menschen für sich zu gewinnen. Allen Skandalen und ausländischer Skepsis zum Trotz löste Berlusconi, der sich selbstbewusst schon mit Gott, Napoleon und Superman verglich, im Frühjahr 2008 Ministerpräsident Romani Prodi ab.

Wie wohl kein anderer Politiker seit dem faschistischen Diktator Benito Mussolini beeinflusste der «Cavaliere» in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich die Politik Italiens - seit 1994 war er mehrfach Regierungschef. Kritiker lasten ihm einen totalen kulturellen Verfall des Landes an. Und als Herr der drei größten TV- Privatsender Italiens steht er auch für einen politischen Interessenkonflikt sondergleichen.

Dabei geriet Berlusconi zunehmend unter Beschuss wegen ständiger Sex- und Justizaffären. So stehen dem Medienmogul und Besitzer des Erfolg gewöhnten AC Mailand etwa noch zwei Prozesse ins Haus, denen er bisher durch «maßgeschneiderte» Gesetze entkommen konnte. Und sein größter Herausforderer, der Präsident des Abgeordnetenhauses Gianfranco Fini, ist bei weitem nicht der einzige, der ihm unterstellt, nur an der Macht bleiben zu wollen, um nicht auf der Anklagebank vor Gericht zu landen.

Seine Schwäche für schöne, junge Frauen ist eine weitere Achillesferse des unverwüstlichen Premiers: 2009 sorgten die Affäre um die minderjährige Schülerin Noemi Letizia und der Rosenkrieg mit Noch-Ehefrau Veronica weltweit für Schlagzeilen; in diesem Jahr brachte Berlusconi sein persönlicher Einsatz für das marokkanische Partygirl «Ruby» fast ums Amt. Diplomatische Ausrutscher wie der Kommentar, US-Präsident Barack Obama sei «hübsch braun gebrannt», runden das Bild ab.

Auch wirtschaftlich brachte der Unternehmer-Politiker seinem Land bisher eher wenig Glück. Die Schulden könnten Italien schon bald ins europäische Abseits treiben. Doch für Berlusconi ist die Reise noch lange nicht zu Ende: angeblich will er auch noch Staatspräsident werden.

Regierung / Berlusconi / Italien
14.12.2010 · 20:42 Uhr
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