News
 

Porträt: Auch nach 20 Jahren Arrest standhaft

Aung San Suu KyiGroßansicht

Singapur (dpa) - Aung San Suu Kyi ist seit mehr als 20 Jahren wie ein Dorn im Fleisch der birmanischen Militärjunta. Sie ignorieren, beleidigen, diffamieren die Tochter des Unabhängigkeitshelden, doch die Symbolfigur des Widerstands bleibt ungerührt.

Ungebeugt, kompromisslos, beharrlich: Birmas weltberühmte Dissidentin Aung San Suu Kyi hat sich trotz jahrelanger Isolation von der Militärjunta nicht kleinkriegen lassen. Demokratie für ihr Heimatland, bedingungslose Freiheit für sich selbst, darauf bestand sie 1989, als sie das erste Mal weggesperrt wurde. Und darauf besteht sie heute, fast 21 Jahre später, darunter 15 Jahre unter Hausarrest.

Dafür hat die 65-Jährige ihr Familienleben geopfert. Ihren Mann Michael Aris sah sie zuletzt 1995, vier Jahre vor seinem Tod. Die Generäle verweigerten dem krebskranken Mann die Einreise, boten Suu Kyi aber scheinheilig die Ausreise an. Doch als klar war, dass sie dann nie wieder zurück ins Land gelassen würde, lehnte sie ab. Aris starb 1999. Suu Kyi hat auch zwei Söhne, Alexander und Kim. Die beiden waren noch Teenager, als ihre Mutter 1988 den politischen Kampf aufnahm. Sie haben ihre Mutter seitdem kaum gesehen.

Suu Kyi ist die Tochter des Unabhängigkeitshelden General Aung San. Der wurde, noch bevor die Unabhängigkeit besiegelt war, 1947 bei einem Attentat ermordet. Suu Kyi war gerade zwei Jahre alt. Ihre Mutter ging mit den Kindern später als Diplomatin nach Indien und Nepal. Suu Kyi zog nach Oxford, wo sie Politik, Philosophie und Wirtschaft studierte. 1988 ging sie nach Birma zurück, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Als die Junta kurz darauf das Feuer auf demonstrierende Studenten eröffnete, ging sie aus Empörung in die Politik. Am Grab ihrer Mutter schwor sie Anfang 1989 vor tausenden Anhängern, sich wie ihr Vater in den Dienst des Volkes zu stellen.

Suu Kyi wurde schnell zur Symbolfigur des Widerstands. Bei ihrer ersten öffentlichen Rede im August 1988 hörten ihr an der berühmten Shwedagon-Pagode eine halbe Million Menschen zu. Ruhig und eloquent forderte sie Demokratie und Freiheit für die Menschen. Das Volk jubelte, die Generäle waren alarmiert. Im Juli 1989 sperrten sie sie das erste Mal ein. Ungeachtet dessen gewann ihre Partei bei den Wahlen 1990 mehr als 80 Prozent der Sitze.

Die Generäle ignorierten das Ergebnis. Suu Kyi blieb eingesperrt, auch, als sie ein Jahr später den Friedensnobelpreis bekam. Ihre Söhne nahmen ihn in Oslo entgegen. Es folgten Jahre der Gefangenschaft, mit kurzen Unterbrechungen. Als sie 2002 einmal vorübergehend frei kam, meinte Suu Kyi: «Meine Freilassung sollte nicht als Durchbruch für die Demokratie gefeiert werden. Erst, wenn alle Menschen in Birma die Grundfreiheiten genießen, dann können wir von Durchbruch sprechen.»

Im Mai 2003 sperrten sie Suu Kyi wieder ein. In den Folgejahren beleidigten sie sie, weil sie einen Ausländer geheiratet hat, diffamierten sie mit absurden Vorwürfen in der Staatspresse, stellten sie in eine Ecke mit Terroristen, die das Vaterland zerstören wollten. Suu Kyi blieb ungerührt. «Nicht die Macht macht korrupt, sondern die Angst», sagte sie einmal. «Angst, die Macht zu verlieren, macht die Machthaber korrupt, und Angst vor der Geißel der Macht macht die korrupt, die darunter leiden.» Für Suu Kyi gilt das nicht. Auf ihren schmalen Schultern lasten die Zukunftshoffnungen einer 50-Millionen-Nation.

Menschenrechte / Birma
13.11.2010 · 21:24 Uhr
[3 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.03.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen