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Porträt: Agrarminister für zwei Monate

Hans-Peter FriedrichGroßansicht

Berlin (dpa) - Knapp zwei Monate war er Bundeslandwirtschaftsminister - nun hat Hans-Peter Friedrich ein heikler Moment aus seiner früheren Zeit als Innenminister eingeholt.

Dass er eine geheime Information zu Ermittlungen gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy an SPD-Chef Sigmar Gabriel weitergab kostet ihn wenige Monate später den Ministerjob. Für den 56-jährigen CSU-Mann, der sichtlich Freude am neuen Ressort gefunden hatte, ist es ein abruptes Aus.

Der Wechsel vom klassischen Innenministerium in das gestutzte Ressort für Ernährung und Landwirtschaft war für den Oberfranken formal kein Karrieresprung gewesen. Als Agrarminister des schwarz-roten Kabinetts blühte er aber gleich auf. Entspannt präsentierte sich Friedrich auf der weltgrößten Branchenmesse Grüne Woche in Berlin - probierte Spezialitäten, traf sich mit Amtskollegen aus dem Ausland und kam bei den deutschen Bauern gut an. Mit «sehr viel Herzblut» sei er dabei gewesen, meinte Friedrich noch am Freitag in seinen Rücktrittsworten.

Ärgernisse des alten Amts schienen zuletzt jedenfalls weit weg. Vor allem sein Agieren in der Geheimdienst-Spähaffäre hatte Friedrich reichlich Kritik eingebracht. Früh schlug er sich auf die Seite der USA, warnte vor Anti-Amerikanismus und erklärte Vorwürfe gegen den Geheimdienst NSA für überzogen. Später sagte er in einem Interview, er habe wichtigere Themen als Minister gehabt als die NSA-Affäre.

Im Innenressort war Friedrich im März 2011 nicht ganz freiwillig gelandet, er übernahm es im Zuge einer Kabinettsumbildung. Anfangs fremdelte er mit dem Amt, später fand er sich aber ein. Zuvor war er seit Oktober 2009 erklärtermaßen gern Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag gewesen. Dem Parlament gehört der Jurist seit 1998 an, zuletzt kümmerte er sich als Unions-Fraktionsvize um Verkehrsthemen.

Nach seiner Promotion 1988 hatte der Vater dreier Kinder zunächst im Bundeswirtschaftsministerium gearbeitet. Nach einem Abstecher an die deutsche Botschaft in Washington wechselte er zur CSU-Landesgruppe. Von 1993 bis 1998 war er persönlicher Referent des damaligen Vorsitzenden Michael Glos. CSU-Mitglied ist er schon seit 40 Jahren.

Sein Rücktritt war am Freitag schneller besiegelt, als er es sich vorgestellt hatte. Nach einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte Friedrich einen Rückzug zunächst nur für den Fall in Aussicht, dass Ermittlungen gegen ihn aufgenommen werden sollten. Aus der CSU wurde ihm das Vertrauen ausgesprochen. Doch die Rückendeckung hielt nicht lange, dem Vernehmen nach auf Betreiben des Kanzleramts.

Schließlich ging alles ganz schnell - im Gegensatz zu einer Sympathie für Kühe, von der Friedrich als frischgebackener Agrarminister gern erzählte. «Weil mir ihre Gelassenheit und Beschaulichkeit, wenn sie da auf der Weide stehen, zeigen: In der Ruhe liegt die Kraft.» Ansprüche auf eine Pension als Bundesminister dürfte er nicht haben, dafür hätte er vier Jahre amtieren müssen. In seinen Abschiedsworten gab sich Friedrich dann aber auch schon fast wieder kämpferisch: «Auf Wiedersehen. Ich komme wieder.»

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Vita Friedrich
Kriminalität / Bundestag
14.02.2014 · 18:58 Uhr
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