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Porsche-Chef Wiedeking muss gehen

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Stuttgart/Wolfsburg (dpa) - VW triumphiert über Porsche: Europas größter Autobauer übernimmt die hochverschuldete Sportwagenschmiede und strebt an die Weltspitze. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der ursprünglich VW schlucken wollte, trat nach der Niederlage gegen VW-Patriarch Ferdinand Piëch zurück.

Er bekommt 50 Millionen Euro Abfindung. Der Wolfsburger Konzern baut bis Mitte 2011 Porsche schrittweise als zehnte Marke in das neue Autoimperium ein. VW/Porsche gewinnt das reiche Wüstenemirat Katar als neuen Großaktionär, der fünf Milliarden Euro zuschießt.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn sagte in Stuttgart, der neue Großkonzern solle zu einem «Kraftfeld» in der weltweiten Automobilindustrie werden. VW will Toyota als größten Autobauer überholen und zur weltweiten Nummer eins aufsteigen.

Die Gewerkschaft IG Metall fordert für die Arbeitnehmer eine Kapital-Beteiligung in dem neuen Konzern. Die Anteile sollten in einer separaten Einheit gebündelt werden, damit die Belegschaft ihre Interessen auch auf der Hauptversammlung vertreten könne, sagte IG Metall-Chef Berthold Huber. «Beim Zusammengehen von Volkswagen und Porsche darf es bei den Arbeitnehmern nur Gewinner geben. Alles andere werden wir als IG Metall nicht akzeptieren.»

Neben Wiedeking verlässt auch Finanzvorstand Holger Härter den Stuttgarter Sportwagenbauer mit sofortiger Wirkung. Der Porsche- Aufsichtsrat gab nach einer Marathonsitzung in der Nacht zu Donnerstag das Aus für die beiden Spitzenmanager bekannt. Porsche hatte sich mit der Übernahme von knapp 51 Prozent von VW verhoben und gut zehn Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Wiedeking hatte 1993 das Steuer bei Porsche übernommen und das Unternehmen vom Sanierungsfall zu einem der weltweit profitabelsten Hersteller gemacht. Sichtlich bewegt sagte Wiedeking auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart: «Es tut mir in der Seele weh.» Grund für seine Entscheidung sei, dass Porsche zunehmend unter dem Konflikt mit VW gelitten habe: «Es muss aufhören mit der Beschädigung von Porsche.» Wiedekings Nachfolger ist der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht. Der neue starke Mann im VW/Porsche-Konzern dürfte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn werden.

Die Aufsichtsräte von Porsche und Volkswagen machten mit wichtigen Detailentscheidungen den Weg für den neuen größeren VW-Konzern frei, in dem Porsche wie die anderen Konzernmarken eigenständig bleiben wird. Das Konstrukt soll durch schrittweise Beteiligung von Volkswagen an Porsche und die anschließende Verschmelzung der Porsche Holding SE mit der Volkswagen AG entstehen, wie VW mitteilte. Das Management verspricht sich zusätzliche Wachstumschancen sowie die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Eine Grundlagenvereinbarung soll bis zum 13. August stehen. Die Familien Porsche und Piëch werden mit mehr als 50 Prozent der Aktien Mehrheitseigner des künftigen Konzerns. Danach folgt Niedersachsen mit 20 Prozent. Das Emirat Katar werde zunächst 17 Prozent aus den Optionen von Porsche an VW erwerben.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) sagte, das Ausscheiden Wiedekings sei «nötig» gewesen, um das Konzept schnell und erfolgreich voranzubringen. Die Porsche-Standorte seien sicherer als zuvor.

Der Porsche-Aufsichtsrat beschloss in einem überraschend vorgezogenen Treffen eine Kapitalerhöhung bei Porsche von mindestens fünf Milliarden Euro, um die Milliardenschulden abzubauen. Zugleich strebt Porsche an, bestehende VW-Optionen an das reiche Wüstenemirat Katar zu verkaufen. Nach Angaben aus Bankenkreisen bezahlt Katar dafür fünf Milliarden Euro. Das Geld fließe an Banken. Porsche hatte sich bei den beteiligten Instituten zwar Optionen auf VW-Aktien gesichert, diese aber angesichts der enorm hohen Verschuldung nicht wie geplant in Aktien umwandeln können. Für Porsche verringerten sich aber mit dem Verkauf der Optionen die Verpflichtungen, hieß es.

Katar räumt Porsche nach Angaben aus Bankenkreisen zudem einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro ein, damit der Stuttgarter Sportwagenbauer einen VW-Kredit in gleicher Höhe zurückzahlen kann. Mit Katar verhandelt Porsche auch über eine Beteiligung an der geplanten Kapitalerhöhung. Daneben sollen sich die Eignerfamilien Porsche und Piëch an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, der lange Zeit hinter Wiedeking gestanden hatte, sagte, die Eigenständigkeit der Marke Porsche bleibe auch künftig bestehen. Gemeinsam mit VW könne sich Porsche erfolgreich dem Wettbewerb stellen.

Wiedeking und Härter legten auch ihre Aufsichtsratsmandate bei VW und Audi nieder. Von Wiedekings Abfindung geht die Hälfte in eine soziale Stiftung. Sein Vertrag hatte eine Laufzeit bis 2012. Härter erhält 12,5 Millionen Euro.

Auto / VW / Porsche
23.07.2009 · 23:03 Uhr
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