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Polizei verhindert Anschlag auf «Jyllands-Posten»

Ein Polizeiwagen vor dem Gebäude der Zeitung

Kopenhagen (dpa) - Wohl in letzter Minute haben dänische Sicherheitskräfte einen Terroranschlag auf die Zeitung «Jyllands- Posten» in Kopenhagen vereitelt. Nur 18 Tage nach dem Stockholmer Selbstmordanschlag nahm die Polizei in Dänemark und Schweden fünf Männer fest.

Sie wollten den Ermittlern zufolge ein Blutbad in der Redaktion anrichten, die 2005 die Karikaturen mit dem Propheten Mohammed veröffentlicht hatte.

«Nach unserer Überzeugung wollten sie so viele der dort arbeitenden Menschen wie möglich töten», sagte der dänische Geheimdienstchef Jakob Scharf am Mittwoch.

«Jyllands-Posten»-Zeichner Kurt Westergaard war vor fast genau zwölf Monaten von einem Radikalislamisten aus Somalia überfallen und fast erschlagen worden.

Mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen hatte «Jyllands- Posten» 2005 eine massive Protestwelle in der islamischen Welt ausgelöst. Seitdem gilt die Zeitung als vorrangiges Ziel für Terroranschläge mit radikalislamistischem Hintergrund.

Scharf sagte, die Verdächtigen gehörten radikalislamistischen Kreisen an. In Verbindung mit den Festnahmen in den Kopenhagener Vororten Herlev und Greve fand die Polizei unter anderem eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer, Munition und Kabelbinder, die zum Fesseln von Händen benutzt werden können. «Der Angriff sollte nach unseren Erkenntnissen in den nächsten Tagen durchgeführt werden», sagte Scharf.

«Dänemark ist ein Ziel mit höchster Priorität für Gruppen überall auf der Welt geworden», sagte der Geheimdienstchef. Man könne einen Zusammenhang zwischen den fünf Festgenommenen mit den Aktivitäten des US-Bürgers David Headly vom Oktober 2009 «bestimmt nicht ausschließen». Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Headley war damals wegen Attentats-Plänen gegen die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» in den USA festgenommen worden. Er gab in der Untersuchungshaft zu, dass er an der Vorbereitung der Terroranschläge Ende 2008 im indischen Mumbai beteiligt war. Dort starben 166 Menschen. Nach Medienangaben soll Headley außerdem in Schweden Terrorhelfer für Anschlägen in Großbritannien angeworben haben.

In Kopenhagen nahm die Polizei einen 44-jährigen Tunesier, einen 29 Jahre alten Schweden mit libanesischer Herkunft sowie einen 30- jährigen Schweden zunächst noch unbekannter Herkunft fest. Sie waren erst in der Nacht zuvor mit einem Mietwagen aus Schweden über den Öresund nach Kopenhagen eingereist. Als einziger mit Wohnort in Dänemark gehörte ein 26-jähriger irakischer Asylbewerber zu der in Kopenhagen gefassten Gruppe.

Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau wurde zudem in Stockholm ein 37-jähriger Schwede tunesischer Abstammung festgenommen. Seine Rolle und die Hintergründe für die Festnahme blieben zunächst unklar.

Scharf sagte, die Betroffenen hätten «Verbindungen zu internationalen Terrornetzwerken». Einzelheiten nannte er nicht. Der Geheimdienstchef erklärte weiter: «Dass diese konkreten Terrorpläne vereitelt werden konnten, ist einem umfassenden und äußerst arbeitsintensiven Fahndungseinsatz sowohl in Dänemark wie in Schweden zu verdanken.»

Bei dem Selbstmordanschlag am 11. Dezember in der schwedischen Hauptstadt Stockholm war nur der Attentäter gestorben, ein 28- jähriger Schwede irakischer Abstammung. Er hatte seine Tat unter anderem mit einer Mohammed-Karikatur des schwedischen Zeichners Lars Vilks sowie Schwedens Teilnahme am Afghanistan-Krieg begründet.

Bei den Protesten gegen Dänemarks führende rechtsliberale Zeitung «Jyllands-Posten» Anfang 2006 in islamischen Ländern kamen mehr als 150 Menschen ums Leben.

Die Hauptredaktion von «Jyllands-Posten» in Århus gilt als ebenso extrem gut gesichert wie die Hauptstadt-Reaktion am Kopenhagener Rathausplatz. Dort arbeitet auch die Redaktion von «Politiken». Der Chef des gemeinsamen Verlagshauses, Lars Munch, sagte, er sei «schockiert, dass erneut der Arbeitsplatz unserer Mitarbeiter solchen Gefährdungen ausgesetzt ist».

Terrorismus / Dänemark
29.12.2010 · 19:48 Uhr
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