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Polizei: Rentner-Schütze plant seinen Tod

Schwer bewaffnete Spezialeinheiten gingen am 9. September 2010 in Biel in der Schweiz in Stellung. Der 67-Jährige, der bei einem Schusswechsel einen Polizisten schwer verletzte, ist nun seit Freitag verschwunden.Großansicht

Biel (dpa) - Ein 67 Jahre alter Schütze aus dem Schweizer Biel hatte seine seit Tagen anhaltende Auseinandersetzung mit der Polizei und sogar seinen Tod exakt geplant. Das berichteten Schweizer Medien am Sonntag unter Berufung auf die Justizbehörden.

Seit Mittwoch ist der hochgebildete Mathematiker, der einen Polizisten schwer verletzte, auf der Flucht. Zweimal konnte der Mann Einsatzkräften entkommen. Er habe sich seit Jahren einen Kampf mit den Behörden geliefert, so die Polizei, die hunderte Dokumente gesichtet hat.

Die Kritik am Vorgehen der Einsatzkräfte wird lauter. Die Justiz geht aber davon aus, das der Bevölkerung kaum Gefahr droht, da der Mann seine Wut gegen den Staat und damit gegen die Polizei richte.

Hintergrund des Dramas ist die geplante Versteigerung des Wohnhauses des Rentners nahe der Innenstadt von Biel und eine vorgesehene Einweisung in eine psychiatrische Anstalt. Am Mittwochnachmittag wäre ein Besichtigungstermin gewesen. Nachdem Vertreter verschiedener Behörden vergeblich versucht hatten, mit dem Mann zu reden, griff die Polizei ein.

Dies wurde von Experten scharf kritisiert. Da den Behörden bekanntgewesen sei, in welcher Stresssituation sich der Mann befunden habe, wäre ein behutsameres Vorgehen ratsam gewesen.

Matthias Herter von der Kantonspolizei Bern verwies darauf, dass sich der 67-Jährige nach den neuesten Erkenntnissen nicht in seinem Elternhaus verbarrikadiert habe, um sich dem Polizeieinsatz zu entziehen. «Wir sehen ihn als einen Mann, der alles vorbereitet hat, um am 8. September eine letzte, finale Auseinandersetzung mit dem Staat und der Polizei als Vertreter des Staates zu führen und dabei zu sterben», sagte Herter. Der Mann habe sich akribisch auf den bewaffneten Konflikt mit der Polizei vorbereitet.

Allerdings sei der Rentner physisch erschöpft und lebensmüde. «Er hat alles perfektionistisch dokumentiert. In seinem Tagebuch hat er die Tage bis zu seinem Tod durchgezählt. Solche Verhaltensweisen waren bisher nur aus Filme bekannt», sagte der Polizeiexperte.

Die Polizeiaktion wird in der Schweizer Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. In Biel sind die schwer bewaffneten Einsatzkräfte weitgehend verschwunden. Dafür patrouillieren Beamte in Zivil, wohl auch, um den Schützen durch Uniformen nicht direkt zu provozieren. Die Bevölkerung kann sich in dem Stadtviertel wieder einigermaßen frei bewegen, sogar Kinder spielen wieder. Ob eine nahe gelegene Schule am Montag erneut geschlossen bleibt, war zunächst unklar.

Kriminalität / Schweiz
12.09.2010 · 16:37 Uhr
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