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Polizei hofft auf Hinweise zum Mord an Corinna

Gedenken an die tote Corinna am Rathaus in Eilenburg. Das neunjährige Mädchen ist einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen.,
Eilenburg (dpa) - Bei der Suche nach dem Mörder der kleinen Corinna fehlen der Polizei bisher verwertbare Hinweise aus der Bevölkerung. Eine Sprecherin der Polizei sagte am Freitag, bisher seien nur wenige Tipps eingegangen, die nicht weitergeholfen hätten.

Die Ermittler suchen Zeugen, die das Mädchen aus dem nordsächsischen Eilenburg am Dienstagnachmittag gesehen haben, nachdem sie die Wohnung verlassen hatte. Die Leiche der Neunjährigen war am Mittwoch in einem Nebenarm des Flusses Mulde gefunden worden. Das Mädchen wurde vergewaltigt und ermordet.

Die Familie des Kindes bat am Freitag über eine Anwältin, in Ruhe gelassen zu werden. «Die Situation in den letzten Tagen war für die gesamte Familie außerordentlich belastend. Sie können noch immer nicht begreifen, was passiert ist», hieß es in einer Mitteilung.

Am späten Freitagnachmittag sollten in Eilenburg Suchhunde eingesetzt werden, die darauf trainiert sind, selbst kleinste Spuren von Menschen oder Gegenständen aufzuspüren. Die Fahnder suchten weiter nach der Kleidung und der Puppe des Mädchens. Nach Angaben der Behörden wurden auch wieder Nachbarn befragt.

Der Schock und die Trauer über den grausamen Tod des Kindes waren in Eilenburg auch am Freitag groß. Viele Menschen fuhren zu Corinnas Elternhaus oder vor das Rathaus, um dort Blumen niederzulegen oder Kerzen anzuzünden. «Wir hoffen und beten, dass Corinna bei Gott den Frieden findet, den Menschen ihr nicht geben können», hieß es in einem Trauer-Aushang der evangelischen Rinckart-Gemeinde. Die Gemeinde, dessen Kinder- und Jugendtreff Corinna regelmäßig besuchte, sammelt über ein Spendenkonto auch Geld für die Familie.

Wie und wann Corinna getötet wurde, ist weiter unklar. Die Ermittlungsbehörden wollen sich dazu nicht äußern, um kein Täterwissen preiszugeben. Außerdem seien die rechtsmedizinischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Ricardo Schulz. «Die Frage nach dem genauen Todeszeitpunkt ist noch in der Untersuchung.»

Die Mutter von Corinna wird jetzt von einer Rechtsanwältin unterstützt. Wenn der Täter geschnappt wird, wolle die Frau als Nebenklägerin im Prozess auftreten, teilte Ina Alexandra Tust mit. Die Anwältin hatte auch schon die Eltern der in den vergangenen Jahren in Sachsen ermordeten Kinder Mitja (9) und Michelle (8) betreut. Ein Termin für die Beerdigung Corinnas stehe noch nicht fest, teilte Tust mit. «Meine Mandantin ist sich allerdings sicher, dass die Beerdigung im engsten Familienkreis (...) stattfinden soll.»

Wegen des Mordes an dem Mädchen hat der Sächsische Fußballverband das für Sonntag angesetzte Pokalspiel zwischen dem FC Eilenburg und dem Chemnitzer FC abgesagt. Auch die geplante festliche Saisoneröffnung wurde verschoben.

Unterdessen reagierte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) «mit Abscheu» auf neuerliche Versuche von Neonazis, das Verbrechen - ähnlich wie im Fall Michelle - für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. NPD-Aktivisten und sogenannte Freie Kräfte hatten am Donnerstag in Eilenburg einen Aufmarsch organisiert. «Ich halte es für äußerst bedenklich, dass wir das immer wieder hinnehmen müssen», sagte Buttolo. Bürger aus Eilenburg und Umgebung wollen am Samstag bei einem «stillen Trauerweg» der toten Corinna gedenken.

Kriminalität / Kinder
31.07.2009 · 16:30 Uhr
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