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Politthriller in Pakistan: Streit mit USA eskaliert

Fall Raymond DavisGroßansicht

Islamabad (dpa) - Nach Ansicht der pakistanischen Polizei ist er ein Mörder, nach Angaben der US-Botschaft ein Diplomat, der Immunität genießt: Die Krise um einen Amerikaner, der in Lahore zwei Pakistaner erschossen hat, eskaliert. Demonstranten fordern, den Schützen zu hängen.

Der Fall eines in Pakistan festgenommen angeblichen US-Diplomaten ist zur schweren Belastungsprobe für die Regierungen in Washington und Islamabad geworden: Die Polizei in der ostpakistanischen Metropole Lahore teilte am Freitag mit, der Amerikaner Raymond Davis werde wegen Mordes angeklagt. Ein Gericht verlängerte ebenfalls am Freitag die Untersuchungshaft des Mannes, der nach Angaben der US-Botschaft diplomatische Immunität genießt. Die US-Regierung fordert seine sofortige Freilassung.

Davis hatte am 27. Januar zwei Pakistaner in Lahore erschossen, er wurde anschließend festgenommen. Nach Angaben der US-Botschaft hatte er zur Selbstverteidigung das Feuer eröffnet. Lahores Polizeichef Aslam Tareen wies das am Freitag zurück. «Unsere Untersuchungen sind abgeschlossen und wir haben ihn des Mordes angeklagt.» Davis habe zehn Kugeln auf die beiden Männer abgefeuert und einem von ihnen in den Rücken geschossen, als dieser fliehen wollte.

Der US-Sender ABC berichtete am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf ungenannte pakistanische Beamte, die mit dem Fall betraut seien, von massiven Drohungen der US-Regierung, sollte Davis nicht freigelassen werden. Der Nationale Sicherheitsberater Tom Donilon habe dem pakistanischen Botschafter Husain Haqqani mit der Ausweisung aus den USA, der Schließung von US-Konsulaten in Pakistan und der Absage eines Staatsbesuchs des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari in Washington gedroht.

Eine Sprecherin der US-Botschaft in Islamabad wies den Bericht als «vollständig falsch» zurück. ABC meldete, auch Botschafter Haqqani habe dementiert, dass ihm gegenüber Drohungen ausgesprochen worden seien. Allerdings habe ein hochrangiger US-Beamter, der ungenannt bleiben wollte, «die Umrisse der Drohungen» dem Sender bestätigt.

Nach dem Freitagsgebet kamen in Lahore erneut Hunderte Menschen zusammen, um gegen eine mögliche Freilassung von Davis zu demonstrieren. In Sprechchören riefen sie «Amerikaner sind Mörder» und «Tod für Amerika». Auf Plakaten wurde nach Angaben von Augenzeugen unter anderem «Hängt den Mörder» gefordert.

Das Gericht in Lahore forderte die Regierung in Islamabad am Freitag dazu auf zu klären, ob Davis diplomatische Immunität genieße. Nach Angaben von Staatsanwalt Abdul Samad verlängerte das Gericht in der Zwischenzeit die Untersuchungshaft von Davis um 14 Tage. Mord kann in Pakistan mit der Todesstrafe geahndet werden. Islamisten hatten nach Davis' Festnahme dafür demonstriert, ihn zu hängen.

Nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hat Davis einen Diplomatenpass, war aber nie von der Regierung in Islamabad akkreditiert worden und genießt damit keine Immunität. Ein Offizier des pakistanischen Geheimdienstes ISI, der ungenannt bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Davis habe für einen der umstrittenen privaten Sicherheitsdienste gearbeitet und sei im Gebrauch von Waffen ausgebildet gewesen.

Nach Angaben der US-Botschaft gehörte Davis zu ihrem «Verwaltungs- und technischen Personal» in Islamabad. In einer früheren Mitteilung der Botschaft war Davis als Mitarbeiter des Konsulats in Lahore bezeichnet worden.

Diplomatie / Pakistan / USA
11.02.2011 · 14:55 Uhr
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