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Politiker verlieren weiter an Ansehen

Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gibt am 01. März in Berlin seinen Rücktritt bekannt.Großansicht

Nürnberg (dpa) - Das Vertrauen der Bundesbürger in ihre Politiker schwindet laut einer Umfrage weiter. Derzeit vertrauten nur noch 9 Prozent der Menschen Parlamentariern und Regierungsmitgliedern.

Im vergangenen Jahr habe der Anteil noch bei 14 Prozent gelegen, geht aus einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor. Besonders großes Vertrauen genießen Feuerwehrleute (98 Prozent), Ärzte (89 Prozent), Postangestellte (86 Prozent), Polizisten (85 Prozent) und Lehrer (84 Prozent). Das geht aus dem alljährlich ermittelten GfK-Vertrauensindex hervor. Die Gesellschaft befragte dazu im März und April knapp 20 000 Menschen in 18 Ländern, in Deutschland waren es etwa 2000.

Als Grund für das weiter sinkende Ansehen der Politiker sehen die Nürnberger Marktforscher neben der schwankenden Politik der Berliner Regierungskoalition in Sachen Atomkraft auch den Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Auch die Skandale um abgeschriebene Doktorarbeiten spielten eine Rolle. «Die Politik hat weder von dem kräftigen Wirtschaftsaufschwung noch vom Atomausstieg nach dem Fukushima-Unglück profitiert», stellte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa fest. «Die Bevölkerung empfindet anscheinend die Ausstiegsentscheidung der Politiker als nicht authentisch», fügte er hinzu.

Vertrauen verloren haben der GfK-Umfrage zufolge auch Umweltschutzorganisationen: Diese genießen zwar mit 69 Prozent immer noch großes Ansehen, im Vergleich zum Vorjahr büßten Umweltschützer aber sieben Prozentpunkte ein. Viele Bundesbürger zweifelten anscheinend am Erfolg der Organisationen. Trotz ihrer jahrzehntelangen Proteste gegen die Atomkraft hätten nicht die Umweltorganisationen, sondern das Atomunglück von Fukushima die Politiker zum Umdenken bewogen, sagt GfK-Chef Wübbenhorst.

Das Image von Bankern leidet anscheinend immer noch unter den Auswirkungen der Finanzkrise. Ihnen schenkten genauso wie im Vorjahr 57 Prozent der Deutschen Vertrauen. Leicht verbessert hat sich, wenn auch auf niedrigem Niveau, das Image der Manager. Die Bundesbürger stufen 20 Prozent als vertrauenswürdig ein - nach 17 Prozent im Vorjahr. Vergleichsweise geringes Ansehen genießen auch Werbefachleute (33 Prozent), Marketingfachleute (38 Prozent) und Journalisten (44 Prozent). Die Reputation des Klerus hat sich nach den Missbrauchsfällen im Vergleich zum Vorjahr leicht erholt: Pfarrer und Priester halten 56 Prozent der Deutschen für vertrauenswürdig - nach 55 Prozent im Vorjahr.

Gesellschaft
17.06.2011 · 10:59 Uhr
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