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Polen verharren in Trauer - Spekulationen um Absturz

Trauernde entzünden in Warschau Kerzen für den getöteten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski.Großansicht
Warschau/Moskau (dpa) - Polen verharrt in tiefer Trauer. Nach dem Tod von Präsident Lech Kaczynski beim Flugzeugabsturz von Smolensk kommt das politische Leben des Landes nur schwer wieder in Gang.

Tausende legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an oder gedachten in den Kirchen der 96 Toten der Katastrophe. Vor den überall ausliegenden Kondolenzbüchern bildeten sich lange Schlangen. Unterdessen mehrten sich die Spekulationen über die Ursache des Absturzes vom Samstag.

Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der bis zur Neuwahl im Juni die Aufgaben des Staatsoberhauptes übernommen hat, traf lediglich einige unumgängliche erste Personalentscheidungen. So ernannte er den General Stanislaw Koziej zum neuen Chef des Amtes für Nationale Sicherheit (BBN). Mit der Leitung der Präsidialkanzlei betraute er Jacek Michalowski. An diesem Dienstag sollen beide Kammern des Parlaments, Sejm und Senat, zu einer Trauersitzung zusammentreten.

Staatstrauer auch in Russland: Flaggen an öffentlichen Gebäuden wurden auf Halbmast gesetzt und mit Trauerflor versehen, TV-Sender und Radiostationen verzichteten auf Unterhaltungsmusik und Werbung. Die Titelseiten vieler Zeitungen waren zum Zeichen der Trauer in Schwarz gehalten. An der polnischen Botschaft in Moskau sowie vor den Generalkonsulaten in St. Petersburg und Kaliningrad, dem früheren Königsberg, legten Dutzende Menschen Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Auch an der Absturzstelle rund 400 Kilometer westlich von Moskau erwiesen zahlreiche Anwohner den Opfern die letzte Ehre.

Nach Angaben der Präsidialkanzlei in Warschau wurde mittlerweile die Leiche der Ehefrau des polnischen Präsidenten, Maria, identifiziert. Dagegen stand die Identifikation vieler anderer Toten noch aus, weil wegen der schrecklichen Verstümmelung der Leichname DNA-Analysen erforderlich sind.

Der Termin für die Beisetzung des Präsidentenpaares war weiter offen. Nach Angaben der Präsidialkanzlei sollten Kaczynski und seine Frau erst beerdigt werden, wenn alle Opfer der Flugzeugkatastrophe wieder in ihre Heimat übergeführt worden sind. Offen war auch, wann genau der Leichnam Kaczynskis für die Öffentlichkeit aufgebahrt werden sollte.

Der Staatsakt für alle Opfer der Katastrophe könnte nach Informationen aus Warschau am kommenden Samstag stattfinden. An der Trauerfeier werden auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am Tag der Trauerfeier in Polen sollen auch in Deutschland die Fahnen an den öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt werden.

Die russische Staatsanwaltschaft leitete unterdessen ein Ermittlungsverfahren wegen des Absturzes ein. Die Behörden werfen dem Piloten vor, sich gegen den dringenden Rat der Fluglotsen für eine Landung entschieden zu haben. Zum Zeitpunkt der Katastrophe herrschte Nebel, die Sichtweite lag nach russischen Angaben bei nur 400 Metern. Die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 sei in einwandfreiem Zustand gewesen.

Es gab auch Spekulationen darüber, ob Kaczynski möglicherweise selbst die Landung im Nebel von Smolensk angeordnet hat. Eine Rücksprache zwischen Pilot und Staatschef sei durchaus üblich, bestätigte am Wochenende Ex-Präsident Lech Walesa. In einigen internationalen Pressekommentaren wurde in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass Kaczynski während des Südkaukasuskrieges 2008 auf einem Flug nach Georgien seinen Piloten zum Landen zwingen wollte, obwohl Russland allen Flugzeugen befohlen hatte, die georgische Hauptstadt Tiflis zu meiden.

Walesa kritisierte, dass derart viele wichtige Politiker, Militärs und Staatsbeamte in einem Flugzeug gesessen hätten. «Das war unverantwortlich», sagte er. Es müsse Regeln geben, dass so etwas nicht wieder passieren könne. Unter den Opfern waren neben Kaczynski und seiner Ehefrau unter anderem Vize-Parlamentschef Jerzy Szmajdzinski, Vize-Außenminister Andrzej Kremer sowie viele Parlamentarier.

Polnische Medien lobten am Montag ausdrücklich die «vorbildliche» Zusammenarbeit mit Russland bei den Ermittlungen über die Absturzursache. Der russische Regierungschef Wladimir Putin hatte seinem polnischen Kollegen Donald Tusk bereits unmittelbar nach dem Absturz am Samstag engste Kooperation und Hilfe bei der Aufklärung versprochen.

Präsident / Unfälle / Polen / Russland
12.04.2010 · 16:27 Uhr
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