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Platzeck fordert Versöhnung mit SED-Erben

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) begrüßt die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kerstin Kaiser. (Foto vom 05.10.2009)Großansicht
Hamburg/Potsdam (dpa) - Kurz vor Beginn der Gedenkfeiern zum Fall der Berliner Mauer hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine Versöhnung mit den Erben der SED gefordert.

Auch nach 20 Jahren ziehe sich «noch immer - und sogar wieder zunehmend - quer durch die ostdeutsche Gesellschaft ein ungesunder Riss», schreibt der Regierungschef in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Barrieren wurden wieder aufgerichtet, Spaltungen haben sich verfestigt.»

«Zwei Jahrzehnte nach dem revolutionären Umbruch in der DDR müssen wir in Deutschland endlich anfangen, es mit dem überfälligen Prozess der Versöhnung wirklich ernst zu meinen.» Im Verhältnis zur Linkspartei als Nachfolgeorganisation der SED gehe es «immer auch um die Last der Geschichte», so der Regierungschef. «Diese Macht der Vergangenheit ist gut erklärlich, aber sie tut Ostdeutschland nicht gut, und sie tut der politischen Kultur in unserer seit 1990 vereinigten Republik nicht gut.»

Platzeck hatte nach der Landtagswahl vom 27. September die seit zehn Jahren bestehende Koalition mit der CDU beendet und sich für ein rot-rotes Regierungsbündnis mit der Linken entschieden. «Ob wir die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen, erweist sich weniger in ritualisierter Vergangenheitsbewältigung als in unserer Bereitschaft zu tätigem Neubeginn», heißt es in dem Essay. «Wer sich dazu bereitfindet, muss Demokraten willkommen sein.»

In diesem Zusammenhang lobt Platzeck versöhnliche Gesten des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher gegenüber der Waffen-SS als Beispiel für gelungene Integration. Schumacher, der fast zehn Jahre lang KZ-Häftling gewesen war, habe 1951 einen versöhnlichen Umgang mit den überlebenden Mitgliedern der Waffen-SS als «menschliche und staatsbürgerliche Notwendigkeit» bezeichnet. Der seit 1990 vereinigten Bundesrepublik sei im Vergleich zum Westdeutschland der Nachkriegszeit «zwar eine bemerkenswerte, richtige und bessere Aufarbeitungsleistung gelungen, eine vergleichbare Integrationsleistung jedoch nicht», stellt Platzeck fest.

Geschichte / Mauerfall
31.10.2009 · 12:25 Uhr
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