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Philologenverband: Im Herbst fehlen 40 000 Lehrer

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Berlin (dpa) - Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hat erneut vor einer Verschärfung des Lehrermangels in Deutschland gewarnt. Schon im Herbst werden rund 40 000 Lehrkräfte fehlen, berichtete die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf die Gymnasiallehrerorganisation.

Das seien rund 15 000 oder 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders groß sei der Mangel in Mathematik, Informatik und in den naturwissenschaftlichen Fächern. Die Kultusministerkonferenz (KMK) konnte eine solche Lücke nicht bestätigen - es sei unklar, auf welcher Zahlenbasis der DPhV zu dieser Einschätzung komme.

«Dass wir in Deutschland dringend etwas für den Lehrernachwuchs tun müssen, ist nicht neu», betonte die KMK aber am Montag in Bonn. Bereits im Juni hatte der Bildungsforscher Klaus Klemm darauf hingewiesen, dass bis 2015 aus Altersgründen rund 300 000 Lehrer ausscheiden - pro Jahr beenden aber nur 26 000 Lehramtsstudenten derzeit erfolgreich ihr Studium. Derzeit sind an bundesdeutschen Schulen rund 770 000 Lehrer tätig. Die KMK hatte zuletzt einen Maßnahmenkatalog beschlossen, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Zugleich haben sich die Länder untereinander auf einen «fairen Umgang» beim Anwerben der sehr begehrten Jungpädagogen verständigt.

Um einen Teil der freien Stellen zu besetzen, regte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger den stärkeren Einsatz osteuropäischer Lehrer an. «Die sind gut ausgebildet, müssten pädagogisch aber noch geschult werden.» Er forderte die Bundesländer auf, «spezielle Kurse für Bewerber aus Osteuropa» anzubieten. Die KMK wies diesen Vorstoß zurück: Dies sei nicht die Lösung des Problems, «scheint sich aber als Sommerloch-Thema offenbar zu eignen».

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte in Berlin: «Die Prognosen (...) sind alarmierend, jedoch wenig überraschend: Sie beziehen sich auf die Ausscheide-Zahlen aufgrund von Rente und Ruhestand und fallen damit nicht vom Himmel.» Seit Jahren sei klar, dass das deutsche Bildungssystem nicht in der Lage sei, diese Ausfälle durch eine ausreichende Ausbildung von Nachwuchs auszugleichen. «Das ist ein Armutszeugnis für eine hoch zivilisierte Industrienation wie Deutschland und zeigt die skandalöse bildungspolitische Ignoranz.»

Bildung / Schulen
20.07.2009 · 15:40 Uhr
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