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Pfingstpredigten im Zeichen der Krise

Papst beendet MarienmonatGroßansicht
Hamburg (dpa) - Der Papst beklagte die «moralische Verschmutzung» des Geistes, der Kölner Kardinal Joachim Meisner sprach über den Niedergang der sozialen Marktwirtschaft: Die Wirtschaftskrise und der Glaube an die Kraft des Heiligen Geistes standen im Mittelpunkt vieler Pfingstpredigten.

«Die sogenannte soziale Marktwirtschaft ist am Egoismus und an der Habsucht der Menschen zerbrochen», sagte Erzbischof Meisner am Sonntag im Kölner Dom. «Fachkompetenz ohne Sinnkompetenz ist weltweit den Menschen zum Verhängnis geworden. Nun gilt es, aus der Kraft des Heiligen Geistes gleichsam wieder von vorn anzufangen und aus den Trümmern eine neue Zivilisation zu bauen.»

Im Petersdom in Rom predigte Benedikt XVI. für reine Herzen und gesunden Verstand. Nicht nur Umweltprobleme wie die Luftverschmutzung belasteten die Welt, verdunkelt würden auch die Herzen, und zwar durch Bilder, die das Vergnügen, die Gewalt oder die Verachtung für den Mann und die Frau zu einem «Medienspektakel» machten. Gleichzeitig warnte der Papst vor einem Missbrauch der von Gott den Menschen in die Hand gegebenen Mittel und nannte als Beispiel das atomare «Feuer».

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch rief die Christen auf, die Welt zu verändern. Gerade in der Krise brauche es eine neue Offenheit und den Mut, «umzukehren und uns wieder neu auf die Werte zu besinnen, die dem Gemeinwohl dienen, die auf das Miteinander achten», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bei einem Gottesdienst zum 200. Jubiläum der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg. Eindrücklich warb Zollitsch für mehr Gottvertrauen und Gemeinschaftssinn. «Vielleicht brauchen wir zuweilen die Situation der Schwäche und der Unsicherheit, um wieder neu zu lernen, auf das Wirken Gottes, das Wirken des Heiligen Geistes zu vertrauen.»

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen mahnte, Kirche und Gesellschaft dürften nicht einer «Ideologie des Managements» verfallen. Gleichzeitig appellierte sie, den Sonntag zu schützen. «Eine der schlichtesten Antworten auf die Frage: "Was sollen wir tun, um gut zu leben?" lautet: keine anderen Götter zuzulassen und den Feiertag zu heiligen - als einen Tag, den Gott uns zur Muße geschaffen hat», sagte die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck.

Bei einem Gedenkgottesdienst in Berlin würdigten leitende Geistliche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Barmer Erklärung, mit der sich ein Teil der Protestanten vor 75 Jahren gegen die Nationalsozialisten stellte. Das Besondere am Barmer Bekenntnis sei, dass es die Verantwortung der Kirche für die Welt als einen Kernbestandteil des christlichen Glaubens definiert habe, sagte EKD- Chef Bischof Wolfgang Huber in seiner Predigt in der Kaiser-Wilhelm- Gedächtnis-Kirche in Berlin. Die Verantwortung der Kirche hänge mit dem Glauben und dem Verkündigungsauftrag fest zusammen.

Zwar habe die Barmer Erklärung Protestanten unterschiedlicher Konfessionen vereint, sagte der badische Landesbischof Ulrich Fischer im Berliner Dom. Aber: «Vergessen wir nicht die dunkle Seite von Barmen, nämlich das Schweigen zur Judenfrage», gab er zu bedenken. Kein Wort der Solidarität mit den entrechteten Juden sei damals zu finden gewesen. In Hamburg sagte Bischöfin Jepsen: Als «deutliches Signal des Widerspruchs gegen politische und ideologische Vereinnahmung» sei die Barmer Erklärung auch heute noch aktuell.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann predigte gegen den Trend, sich in Gesellschaft und Kirche in Oberflächlichkeit zu verlieren. Gottes Geist wolle den Menschen in die Tiefe führen, zu der inneren Quelle, die ihm wirklich Kraft geben könne, sagte er. Diese sei aber nicht ohne Durststrecken und Erfahrungen der Dunkelheit zu finden.

Pfingsten gilt als «Geburtstagsfest» der Kirche. In der Apostelgeschichte heißt es, dass 50 Tage nach Ostersonntag auf die versammelten Jünger der Heilige Geist niederging. Sie konnten plötzlich in mehreren Sprachen reden (Pfingstwunder) und erkannten den Missionsauftrag Jesu Christi, das Evangelium zu verbreiten. Pfingsten ist neben Weihnachten und Ostern das dritte bedeutende Fest des christlichen Jahreskalenders.

Kirchen / Pfingsten
31.05.2009 · 13:31 Uhr
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