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Pfarrerin Lieberknecht kennt Hingebung und Härte

Christine LieberknechtGroßansicht
Erfurt (dpa) - Nach 20 Jahren auf der politischen Bühne hat Pfarrerin Christine Lieberknecht fast alle Spielarten des Geschäfts kennengelernt. Bei ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin am Freitag in Erfurt mit Niederlagen in den ersten beiden Abstimmungen ist eine weitere hinzugekommen: Demütigung.

Doch von solchen Machtspielen lässt sich Lieberknecht nicht einschüchtern. Die 51 Jahre alte Pfarrerin hat in ihrer Karriere etliche Funktionen ausgeübt und ihr Können demonstriert: Sie kann mit Härte eine Fraktion zusammenhalten, mit Hingebung als Ministerin ihre Ziele verfolgen und als Landtagspräsidentin mit Fairness den politischen Gegner einbinden. Dass sie in ihrem Beruf auch durchgreifen muss, sieht sie nicht als Widerspruch zu ihrem christlichen Weltbild. «Auch in der Bibel gibt es mal ein Schwert und einen Wutausbruch.»

Zu ihrem Vorgänger Dieter Althaus stand sie immer loyal, bis er den Bogen überspannte. Gemeinsam mit der damaligen Finanzministerin Birgit Diezel kündigte sie nach seinem offiziellen Rücktritt das Ende der Althaus-Ära an und stellte sich selbst - wenn auch widerwillig - zur Führung bereit. Eine Quittung dafür hat sie wohl jetzt bei ihrer Wahl erhalten. Bereits vor einer Woche hatte sie Althaus auch als Parteichef abgelöst.

Dass die CDU nach der Niederlage bei der Landtagswahl an der Macht bleibt, hat sie - neben der SPD - vor allem Lieberknecht zu verdanken. Sie propagierte von Beginn an einen neuen Stil des politischen Umgangs mit der SPD, die früher als Oppositionsfraktion oft von der Union abgekanzelt worden war. Sie stehe für Verlässlichkeit und «faire Partnerschaft auf Augenhöhe». Damit nahm sie die SPD für sich ein und verhinderte die wahrscheinlichere Option eines linken Bündnisses.

Unangepasst war die gebürtige Weimarerin, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und schon Enkel hat, bereits in ihrer Jugend. Als Schülerin flog sie aus dem Internat. Ihre kritische Haltung in der DDR führte sie zum Theologiestudium. In der Umbruchzeit 1989 verfasste sie mit drei Gleichgesinnten den «Brief aus Weimar», der eine Reform der Ost-CDU forderte. Bereits 1990 wurde sie Kultusministerin und war im Kabinett maßgeblich am Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Josef Duchac beteiligt, dessen Nachfolge dann Bernhard Vogel antrat.

Koalition / Thüringen / CDU
30.10.2009 · 22:42 Uhr
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