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Peruaner wählen Nachfolger von Präsident García

Der Linksnationalist Ollanta Humala (l) und die konservative Präsidententochter Keiko Fujimori konkurrieren um das Präsidentenamt.Großansicht

Lima (dpa) - In Peru entscheiden die Wähler am Sonntag in der spannendsten Abstimmung seit Jahrzehnten über die Nachfolge von Präsident Alan García.

Letzte Umfragen vor dem Urnengang deuteten auf eine äußerst knappe Entscheidung zwischen dem Linksnationalisten Ollanta Humala und der rechtskonservativen Keiko Fujimori hin. Fujimori ist die Tochter des wegen mehrfachen Mordes verurteilten früheren Präsidenten Alberto Fujimori. Am Tag vor der Wahl töteten maoistische Rebellen mehrere Polizisten, die ein Wahllokal schützen sollten.

Der Ausgang der Wahl wird vor allem von den Stimmen der politisch gemäßigten Mitte entschieden. Deren Kandidaten waren in der ersten Runde am 10. April ausgeschieden, weil sie sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen konnten. Der 48-jährige Humala kam damals auf 27 Prozent, die 36-jährige Fujimori auf 20 Prozent.

Um die Wähler der Mitte für sich zu gewinnen, bemühte sich der frühere Oberstleutnant Humala, den Vorwurf zu entkräften, er stehe dem linksgerichteten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez nahe. Chávez hatte bei der Präsidentenwahl 2006 Humala noch offen unterstützt und ihn damit nach Einschätzung vieler politischer Beobachter in Lima um einen möglichen Sieg gebracht. Dieses Mal suchte Humala deshalb den Schulterschluss mit dem in Peru wesentlich populäreren Ex-Präsidenten Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva.

Fujimori sah sich indessen zu dem Versprechen gezwungen, bei aller Treue zur liberalen Wirtschaftspolitik ihres Vaters, die auch vom García fortgesetzt wurde, ihren inhaftierten Vater nicht zu begnadigen. Ihre Widersacher aber warnen davor, dass sie dessen autoritär-repressive Politik fortsetzen werde. Die Kandidatin engagierte unterdessen den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, der für seine Null-Toleranz-Strategie bekannt ist, als Berater in Fragen der Sicherheitspolitik.

Ein Feuerüberfall der maoistischen Rebellen vom Leuchtenden Pfad (Sendero Luminoso) in einer abgelegenen Ortschaft in der Cusco-Region brachte am Samstag jedoch die lange zurückliegende Phase des Terrors und illegaler staatlicher Repression wieder in Erinnerung. Eine Militärpatrouille, die sich zum Schutz von Wahllokalen in der Ortschaft Choquetira aufgemacht hatte, wurde nach Militärangaben von einem Rebellentrupp angegriffen. Drei Soldaten starben und weitere sechs wurden verletzt.

«Ich verurteile diesen Angriff, der ein Anschlag auf alle Peruaner und die Demokratie ist», sagte Fujimori am Wahlmorgen. Humala rief die Peruaner hingegen auf, bei der Stimmabgabe die Vergangenheit nicht zu vergessen, womit er auf die von Repression, Korruption und Bespitzelung geprägten zehn Regierungsjahre von Fujimoris Vater anspielte.

Wahlen / Peru
05.06.2011 · 16:30 Uhr
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