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Peinlich oder heldenhaft: Gemischtes Presseecho

Medienecho in PakistanGroßansicht

Berlin (dpa) - Weltweit haben die Medien auf die Enthüllungen von Wikileaks reagiert - und das ganz unterschiedlich. Französische Journalisten warfen am Tag zwei der Enthüllungen die Frage auf, warum die Auswahl der Dokumente so selektiv sei. Wo blieben geheime Details aus Moskau, und Teheran?

Während in Spanien vom «Niedergang der amerikanischen Führung in der Weltpolitik» berichtet wurde, hielten britische Zeitungen dagegen. Amerika habe seine Macht - im Gegensatz zu seinen Datenspeichern - im Griff. Die Dokumente seien ein Beweis dafür, dass viele Länder US-Einschätzungen teilen, etwa mit Blick auf den Iran.

- SCHWEDEN: Die konservative Tageszeitung «Svenska Dagbladet» in Stockholm meint: «Man sollte sich vor dem vereinfachten Bild in Acht nehmen, dass hier eine Hacker-Generation gegen eine Welt voller zynischer Realpolitiker aufsteht. Wikileaks' Heldenglorie kann sehr leicht in eine Schieflage geraten.»

Die Zeitung «Aftonbladet» schreibt: «Auf lange Sicht wird die Welt sicherer, wenn wir wissen, was die Machthaber schwatzen.»

- FRANKREICH: Die konservative Pariser Zeitung «Le Figaro» kommentiert: «Die großen Prinzipien von Wikileaks sind seltsam selektiv. Warum nehmen sie nur die USA und ihre Verbündete aus Korn? Warum versuchen sie nicht, uns über die Entscheidungsprozesse in Teheran oder Peking zu informieren? Würden die Informanten dadurch nicht glaubwürdiger?»

- SPANIEN: Die linksliberale Tageszeitung «El País» in Madrid schreibt: «Die jüngsten Enthüllungen zeigen nicht, dass die USA gegen Gesetze verstoßen haben. Sie beweisen aber, dass die amerikanischen Stellen zu sehr zur Geheimniskrämerei neigen (...) Die Enthüllungen offenbaren auch den Niedergang der amerikanischen Führung in der Weltpolitik.»

- ITALIEN: Die konservative «Corriere della Sera» (Mailand) schreibt: «Wikileaks ist der Beweis, dass die "elektronische Geheimhaltung" ein Widerspruch in sich ist. Heute, da das Daten-Leck zum Wasserfall geworden ist, macht es keinen Sinn mehr, die Enthüllungen zu ignorieren: Wir wären so oder so nass geworden.»

- GROßBRITANNIEN: Die konservative «The Times» kommentiert: «So schädlich die Veröffentlichung dieser vertraulichen Berichte für die US-Interessen auch sein mag, so bestätigt sie zumindest, dass viele andere die Einschätzung der USA über die Ereignisse in der Welt teilen. Auch andere Staaten fürchten das iranische Atomprogramm (...) Doch die wichtigste Erkenntnis dieser vertraulichen Depeschen ist, dass Amerika seine Macht, im Gegensatz zu seinen Datenspeichern, gut und mit Verantwortungsgefühl verwaltet.»

Die linksliberale Zeitung «Independent» weißt darauf hin: «Washingtons wertvollste Geheimnisse sind weiterhin intakt. Das System ist nicht komplett zerstört.»

- POLEN: Die Tageszeitung «Rzeczpospolita» schreibt: «Julian Assange hat die amerikanische Diplomatie blamiert. Nicht deshalb, weil er Geheimnisse verraten hat, die für die Sicherheit des Staates von Schlüsselbedeutung sind, sondern deshalb, weil er ein weiteres Mal etwas verletzt hat, was jede anerkannte Institution für wichtig hält - ihren Ruf.»

- ISRAEL: Die Tageszeitung «Haaretz» berichtet: «Das Phänomen an sich ist positiv: Jeder politische Führer und jeder Beamte muss wissen, dass es seine Pflicht ist, seinen Auftraggebern und seinem Volk die Wahrheit zu sagen, weil geheime Gespräche im Verlauf der Zeit bekannt werden. Letztlich ist das Öffentliche wichtiger als das Geheime.»

- SCHWEIZ: Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) schreibt: «Die Zentrale der amerikanischen Diplomatie ist darauf angewiesen, dass sie von ihren Außenstellen solche ungeschminkten Analysen erhält. Wenn die Absender aber stets das Risiko eines Informationslecks im Auge behalten müssen, so werden sie ihre Berichte verwässern und damit entwerten.»

- DÄNEMARK: Die Zeitung «Politiken» in Kopenhagen meint: «Diese Herausforderung der Macht ist ein Gewinn für die globale kritische Öffentlichkeit.»

Konflikte / Internet / Datenschutz / USA
30.11.2010 · 12:37 Uhr
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