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Pauschale Warnung vor EHEC bedroht Existenzen

Ronnenberg/Hannover (dpa) - Die norddeutschen Gemüsebauern können trotz des EHEC-Funds auf spanischen Salatgurken noch lange nicht durchatmen. Im Gegenteil: Viele Betriebe seien wegen der nach wie vor unklaren Gefahrenlage akut existenzbedroht, meint der Landwirt Hermann Voges aus Ronnenberg.

In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur gibt er auch den Epidemiologen eine Mitverantwortung: «Solange das Robert-Koch-Institut Pauschalmeldungen herausgibt, ist das für uns ein Totalausfall.» Es treffe die Branche hart, wenn tagelang der Verdacht bestehenbleibe, dass auch Tomaten und Salat mit EHEC belastet sein könnten. Das Institut hatte in Norddeutschland vom Verzehr von Salat, Gurken und Tomaten abgeraten.

«Wenn man nicht weiß, wovor man möglicherweise noch warnen muss, sollte man auch nicht mehr warnen als nötig», meinte Voges mit Blick auf die laufenden Tests in vielen Regionen. «Sonst verängstigt man die Verbraucher immer stärker.» Durch die Vernichtung von Salat seien ihm allein am Donnerstag und Freitag 50 000 Euro an Schaden entstanden. Große Lebensmittel-Ketten hätten auch nach dem Analyseergebnis des Robert-Koch-Instituts zu den Gurken ihre Sperrung für Tomaten, Salat und weitere Gemüsearten nicht aufgehoben.

In der kommenden Woche rechne er mit Umsatzeinbußen von bis zu 85 Prozent, sagte der Landwirt. «Wenn das so weitergeht, wird es absolut existenzbedrohend für uns.» Er habe Verständnis dafür, dass man die Verbraucher nach den ersten Todesfällen im Zusammenhang mit dem aggressiven Darmkeim rasch warnen müsse - diese Warnung müsse aber so treffsicher wie möglich sein.

In seinem eigenen Betrieb baut Voges jedes Jahr auf rund 45 Hektar Eisbergsalat an. «Ich habe gestern und heute jeweils 1500 Kisten Salat entsorgen müssen, das entspricht etwa 20 Tonnen», berichtete er. Prüfergebnisse der Behörden bekomme er erst Anfang kommender Woche. Derweil hätten Kollegen in den Niederlanden beim Salat schon Absatzrückgänge von 90 Prozent gemeldet. «Und es gibt keine Möglichkeit, irgendwie an eine Entschädigung heranzukommen.»

Gesundheit / Infektionen / Agrar
27.05.2011 · 22:36 Uhr
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