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Papst nach OP aus Krankenhaus entlassen

Papst Benedikt XVI.Großansicht
Aosta/Rom (dpa) - Nach einem anstrengenden Jahr und einer anstrengenden Woche war Papst Benedikt XVI. am Montag in die Sommerpause gereist, um sich in einem Alpen-Chalet im Aosta-Tal im äußersten Nordwesten Italiens bis zum 29. Juli auszuruhen.

Im Ferienhaus in Les Combes, das schon für seinen Vorgänger Johannes Paul II. eingerichtet wurde, stand schon alles bereit: Neben einem neuen Klavier sowie Grill und riesigem Sonnenschirm im Garten erwarteten den Papst, der als großer Katzenliebhaber gilt, auch zwei kleine Kätzchen, hieß es. Alles schien perfekt. Doch dann geschah das Missgeschick. In der Nacht zum Freitag rutschte Benedikt im Badezimmer aus und brach sich das rechte Handgelenk.

Die Nachricht, dass der Papst sich im Krankenhaus «Umberto Parini» in Aosta befinde, verbreitete sich am Freitagmorgen schnell. «Es ist nichts Ernstes», versicherte Vatikansprecher Federico Lombardi sofort. Es handele sich nur um eine Sicherheitsmaßnahme, und der Sturz sei auch nicht durch eine Ohnmacht ausgelöst worden, wie manch einer sofort spekulierte. War der Papst doch schon einmal gestürzt - noch während seiner Zeit als Kurienkardinal. Ebenfalls während eines Urlaubes - vor etwa 15 Jahren im norditalienischen Brixen - fiel er hin und prallte mit dem Kopf gegen einen Heizkörper. Es gilt als offenes Geheimnis, dass er damals einen Hirnschlag erlitt. Und so war die Aufregung am Freitag groß.   

Erst als der Vatikan bekanntgab, dass der Papst trotz der Schmerzen im Handgelenk am Morgen noch die Messe zelebriert und gefrühstückt hatte, und italienische Medien berichteten, Benedikt habe ohne äußerlich sichtbare Beschwerden zu Fuß das Krankenhaus betreten, beruhigten sich die Geister ein wenig. Der Papst wurde nach einer Gesamtuntersuchung unter Lokalanästhesie an der Hand operiert. Sein Befinden sei «insgesamt gut», beruhigte der Arzt und Sprecher des Krankenhauses, Tiziano Trevisan, am Mittag die wartenden Journalisten und Gläubigen. «Der Papst wird wieder problemlos schreiben und Klavierspielen können», sagte der operierende Chirurg - ein nicht unwichtiges Detail, gilt der Papst doch als leidenschaftlicher Hobby-Klavierspieler. Die Operation war endoskopisch, das heißt ohne «zu schneiden», durchgeführt worden.

Wirklich erleichtert aufatmen konnten dann alle erst am Nachmittag, als Benedikt aus der Klinik kam: Mit einem eingegipsten Handgelenk und einem Lächeln auf den Lippen verließ der Papst das Krankenhaus «Umberto Parini» in Begleitung seines Leibarztes Patrizio Polisca und seines persönlichen Sekretärs Georg Gänswein in Richtung Les Combes, um seinen Urlaub fortzusetzen.

Benedikt hatte sich seine Sommerpause in dem kleinen Ort in den Bergen südwestlich von Aosta redlich verdient. Weit ab von der brüllenden römischen Hitze mit Blick auf den Mont Blanc - Europas höchsten Gipfel - sollte sich das Kirchenoberhaupt einmal richtig von den Strapazen der vergangenen Wochen und Monate erholen. Nach der am Dienstag vergangener Woche präsentierten Sozialenzyklika «Caritas in veritate» (Die Liebe in der Wahrheit) war er am Freitag noch kurz vor den Ferien erstmals im Vatikan mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen.

Seit Jahresbeginn hatte Benedikt wegen der Rücknahme der Exkommunikation von vier Traditionalistenbischöfen - darunter auch der Holocaustleugner Richard Williamson - unablässig im Kreuzfeuer der Kritik gestanden. Zwei anstrengende Reisen waren gefolgt: Im März führte ihn seine erste Afrikareise nach Kamerun und Angola. Anfang Mai fuhr er in den Nahen Osten - seine bisher wichtigste und heikelste Reise. Ein dichtes Programm für den 82-Jährigen, bei seiner Wahl der älteste Papst seit 275 Jahren. Und jetzt auch noch ein Gipsarm.

Eine Unterbrechung der päpstlichen Sommerpause sei jedoch unwahrscheinlich, hieß es vonseiten des Vatikans. Zu eventuellen Änderungen der wenigen geplanten päpstlichen Termine im Urlaub, darunter am kommenden Sonntag ein Angelusgebet im etwa 90 Kilometer entfernt liegenden Romano Canavese und eine Woche später in Les Combes, wurde bisher nichts bekannt.

Kirchen / Papst / Vatikan
17.07.2009 · 20:30 Uhr
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