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Pakistans Ex-Präsident Musharraf beschuldigt Indien und will vermitteln

Islamabad (dts) - Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf hat den indischen Geheimdienst beschuldigt, die Taliban im umkämpften Swat-Tal zu unterstützen. "RAW hat im Swat-Tal die Finger im Spiel, das weiß ich", sagte der ehemalige Armee- und Regierungschef in einem am Montag erscheinenden Interview mit dem "Spiegel". Indien unterstütze außerdem die Aufständischen in der Provinz Belutschistan, die dort für mehr Autonomie kämpfen und pakistanische Sicherheitskräfte attackieren, mit Waffen und Geld. Gleichzeitig empfahl sich der Ex-Präsident als künftiger Botschafter, der zwischen den verfeindeten Ländern vermitteln könne: "Wenn die pakistanische Regierung mich unterstützt und die Inder mir vertrauen, könnte ich ganz nützlich sein." Während seiner Amtszeit habe er mit Indiens Premierminister Manmohan Singh kurz vor einem Friedensabschluss gestanden, erklärte Musharraf. In dem bereits ausgearbeiteten Friedensplan für Kaschmir sollte die sogenannte Line of Control, die das umstrittene Gebiet teilt, durch mehrere Transitstrecken geöffnet und "irrelevant" gemacht werden. Die Inder hätten am Ende jedoch einen Rückzieher gemacht. Darüber hinaus kritisierte Musharraf im "Spiegel" die neue Strategie zur Terrorbekämpfung von US-Präsident Barack Obama, kurz AfPak genannt, die Indiens Rolle gezielt ausklammere: "Wenn die Welt den Terrorismus in dieser Region ernsthaft bekämpfen will, dann darf sie Indien nicht vernachlässigen." Die Amerikaner seien in Pakistan inzwischen "verhasst", sagte Musharraf. Die US-Drohnenangriffe zeigten "verheerende Wirkung" und müssten, um mehr Akzeptanz im Volk zu gewinnen, künftig von den Pakistanern durchgeführt werden. Der von den USA immer wieder der Zusammenarbeit mit den Taliban beschuldigte pakistanische Geheimdienst ISI habe selbstverständlich "Zugang zu gewissen Netzwerken", verriet Musharraf, "so hielten es auch die Amerikaner mit dem KGB". Man nutze den einen Feind, um einen anderen zu schlagen. Heftig wehrte sich Musharraf gegen Vorwürfe, zu wenig gegen die Taliban-Führung getan und militante Strömungen in seinem Land sogar noch gefördert zu haben, wie im Fall der Roten Moschee vor zwei Jahren. Er habe ein "Blutbad" verhindern wollen, was am Ende nicht gelungen sei. Aktuell stünden die pakistanischen Sicherheitskräfte vor einer ganz ähnlichen Krisensituation wie damals. Im Stadtteil Banoori-Town in Karatschi hätten sich erneut militante Extremisten mit Waffen in einer Madrassa verschanzt. Man könne die Koranschule stürmen und alle Insassen töten, sagte Musharraf: "Das kann man machen, aber ist das die Lösung?"
Pakistan / Indien / Geheimdienste
06.06.2009 · 16:26 Uhr
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