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Pakistan in Alarmbereitschaft - Deutsche Demos friedlich

Ausgebrannte Fahrzeuge in Peshawar: Nach den blutigen Ausschreitungen bei Protesten gegen ein antiislamisches Schmähvideo herrscht in Pakistan erhöhte Alarmbereitschaft. Foto: Arshad ArbabGroßansicht

Islamabad/Berlin (dpa) - Nach neuen antiwestlichen Massenprotesten gegen die Beleidigung des Propheten Mohammed mit vielen Toten und Verletzten bleibt die Lage in der islamischen Welt angespannt.

In Pakistan herrschte am Samstag erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem bei Unruhen nach dem Freitagsgebet laut Zeitungsberichten mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen waren. In Bangladesch rief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf. Auch in Deutschland gingen den zweiten Tag in Folge Muslime auf die Straße, in Dortmund 1500 Menschen.

Die Wut der Massen entzündet sich an einem Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern deswegen rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz goss das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» weiter Öl ins Feuer und veröffentlichte seitenweise neue Mohammed-Karikaturen.

In Pakistan, wo die Ausschreitungen mit Abstand am blutigsten waren, blieb es am Samstag nach Polizeiangaben zunächst ruhig. Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten erklärt. Sowohl in der Hauptstadt Islamabad als auch in Lahore, Karachi und Peshawar versuchten aufgebrachte Muslime, mit Gewalt in die besonders gesicherten Bereiche um die ausländischen Botschaften und Konsulate einzudringen. Zeitungen berichteten von mehr als 200 Verletzten.

Auch im muslimisch geprägten Bangladesch war es am Freitag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. In der Hauptstadt Dhaka wurden nach Polizeiangaben mindestens 100 Protestierer verletzt. Mit dem Generalstreik am Sonntag will die Allianz gegen die Polizeigewalt protestieren.

Im libyschen Bengasi, wo vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet hatte, demonstrierten am Freitagabend rund 20 000 Menschen gegen Gewalt und islamistische Milizen. Nach der Großdemo stürmten Hunderte aufgebrachte Bürger das Hauptquartier der Miliz Ansar al-Scharia sowie ein weiteres Lager.

Die Islamisten stehen im Verdacht, an dem Angriff auf das Konsulat beteiligt gewesen zu sein. Nach Augenzeugen- und Medienberichten wurden bei den Zusammenstößen mindestens vier Menschen getötet und 50 weitere verletzt. Die unabhängige Tageszeitung «Libya Al Youm» berichtete, bei dem zweiten Lager seien am Samstag sechs Leichen gefunden worden. Die Toten, die zunächst nicht identifiziert werden konnte, seien mit Handschellen gefesselt gewesen und hätten Kopfschüsse aufgewiesen.

Das Außenministerium des Sudans verurteilte inzwischen erstmals den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum vor einer Woche. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), das der «Welt am Sonntag» vorlag. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen.

In Deutschland zogen am Samstag in Dortmund rund 1500 Muslime aus Protest gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film friedlich durch die Innenstadt. In Karlsruhe startete ein Protestzug mit zunächst 200 Teilnehmern. Auf Plakaten in Dortmund hieß es: «Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz.» Einige Demonstranten hielten Deutschlandfahnen hoch und zeigten Bilder, auf denen Muslime und Christen gemeinsam religiöse Schriften lesen. Männer und Frauen liefen in jeweils eigenen Demonstrationszügen. Am Freitag hatten bereits in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1600 Menschen friedlich gegen das Video protestiert.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, die größte Beleidigung für eine Religion sei, wenn in ihrem Namen Gewalt ausgeübt werde. «Deswegen müssen wir uns gemeinsam gegen die islamistische Terrorideologie wehren: selbstbewusst und mit einem klaren Bekenntnis zu unseren freiheitlichen Werten», sagte er der «Bild»-Zeitung (Samstag). Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sprach sich gegen eine öffentliche Vorführung des islamfeindlichen Videos in Deutschland aus: «So einen Film darf man nicht zeigen.»

In Frankreich waren am Samstag jegliche Protestaktionen verboten. Die Polizei nahm einen Mann fest, der im Internet zur Enthauptung des für die aktuelle «Charlie Hebdo»-Ausgabe verantwortlichen Redakteurs aufgerufen hatte. In der Bevölkerung stoßen die bitterbösen Mohammed-Karikaturen auf ein geteiltes Echo. Nach einer Umfrage der Tageszeitung «Sud-Ouest» sind 51 Prozent der Franzosen dafür. 47 Prozent der Befragten glauben, die Veröffentlichung könnte in der aktuellen Situation zu neuen Spannungen führen.

Konflikte / Islam / USA / Pakistan
22.09.2012 · 17:44 Uhr
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