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«Organisiertes Chaos» nach Lotsenstreik in Spanien

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Madrid (dpa) - Einen Tag nach dem wilden Streik spanischer Lotsen haben am Sonntag noch Zehntausende von Reisenden auf Flughäfen in Spanien und anderen europäischen Ländern festgesessen.

Auf den großen spanischen Airports in Madrid, Barcelona sowie auf Mallorca und Kanaren starteten wieder Flugzeuge, aber es gab beträchtliche Verspätungen. Einige Flugverbindungen wurden gestrichen. «Die Flugpläne sind noch durcheinander», sagte ein Sprecher des Tourismuskonzerns TUI. Es herrsche ein «organisiertes Chaos».

Ein nicht angekündigter Lotsenstreik hatte den Flugverkehr in Spanien am Freitag und Samstag 24 Stunden lang zum Erliegen gebracht. Etwa 4400 Flüge mussten gestrichen werden, der spanische Luftraum musste fast komplett geschlossen werden. 650 000 Reisende saßen fest.

Viele davon ließen sich auf andere Flüge umbuchen, mussten aber Wartezeiten von zum Teil mehreren Tagen in Kauf nehmen. Spaniens Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba sagte, eine vollständige Normalisierung des Flugverkehrs werde wohl erst am Montag erreicht. Die Regierung werde dafür sorgen, dass ein solches Chaos sich nicht wiederholen werde.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero mobilisierte das Militär, um dem wilden Streik ein Ende zu setzten. Er verhängte erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) den Alarmzustand und unterstellte die Regulierung des zivilen Flugverkehrs dem Kommando des Militärs. Bei einer Fortsetzung des Streiks wären die Lotsen vor Militärgerichte gestellt worden, wo ihnen langjährige Haftstrafen gedroht hätten. Der Alarmzustand soll noch zwei Wochen in Kraft bleiben. Für eine Verlängerung ist die Zustimmung des Parlaments erforderlich.

Am Sonntag erschienen die Lotsen in den Kontrolltürmen wieder zur Arbeit. Dennoch wird Spanien die Streikenden zur Verantwortung ziehen. «Der Ausstand wird Konsequenzen haben», sagte der Innenminister. Die Staatsanwaltschaft führte Ermittlungen gegen die Teilnehmer des Streiks. Die Flughafengesellschaft AENA leitete Disziplinarverfahren ein.

Tausende von Fluggästen verklagten die Lotsen auf Schadenersatz. Viele dieser Reisenden hatten die Nacht zum Samstag in den Wartehallen der Flughäfen in Madrid, Barcelona oder auf Mallorca verbracht. Die Tourismus-Branche beklagte, dass ihr durch das Chaos Verluste in Millionenhöhe entstanden seien. Außerdem habe der Streik dem Ruf Spaniens als Reiseland enormen Schaden zugefügt.

Auch rund 14 000 Gäste deutscher Reiseveranstalter saßen in Spanien fest. Dazu gehörte auf der Kanaren-Insel La Palma auch eine Hamburger Reisegruppe, der erst für Mittwoch ein Rückflug angeboten wurde. Unter den Urlaubern waren auch Ärzte, die am Montag eigentlich operieren sollten.

Die Lotsen hatten mit dem Streik auf einen Beschluss der Regierung reagiert, die eine neue Regelung für die Dienstzeiten eingeführt hatte. Madrid hatte zuvor bereits die Gehälter der spanischen Lotsen gesenkt, die nach Angaben der Regierung die bestbezahlten in Europa sind. Zapatero will nun auch die Großflughäfen in Madrid und Barcelona einem privaten Management unterstellen.

Das Chaos wurde dadurch vergrößert, dass Tausende von Spaniern in ein langes Wochenende aufbrechen wollten. Am kommenden Montag ist ein Nationalfeiertag in Spanien. Auch der Mittwoch ist für die meisten Spanier arbeitsfrei.

Die Reise- und Fluggesellschaften waren bemüht, in Spanien festsitzende Urlauber zurückzuholen. Die Fluglinie Air Berlin setzte dazu Sondermaschinen ein. Auf Mallorca waren 1500 und auf den Kanaren 4500 Fluggäste der Linie betroffen. Die TUI holte nach eigenen Angaben bis heute 7000 ihrer insgesamt 8200 Urlauber zurück, die am Samstag in Spanien auf ihre Rückflüge gewartet hatten. Bei der Lufthansa normalisierte sich der Flugverkehr auf den Spanien-Routen wieder. Es habe heute nur noch einzelne Verspätungen gegeben, sagte ein Sprecher.

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Flughafenbehörde AENA
Luftverkehr / Spanien
05.12.2010 · 13:48 Uhr
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