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Opposition verdächtigt Assad der Terror-Inszenierung

Tausende Syrer haben sich zu einem Trauermarsch für die Opfer des Anschlag in Damaskus versammelt. Foto: Youssef BadawiGroßansicht

Kairo/Beirut (dpa) - Nach den Selbstmordanschlägen in Damaskus heizt ein falsches Bekennerschreiben die Spekulationen über die Drahtzieher des Blutbades mit 44 Toten an. Die syrische Muslimbruderschaft wies am Samstag in Damaskus Berichte zurück, wonach sie sich angeblich zu der Tat bekannt hatte.

Die Muslimbrüder warfen im Gegenzug dem Regime von Präsident Baschar al-Assad vor, es habe ihre Webseite manipuliert und ein falsches Schuldeingeständnis platziert.

«Es gehört nicht zu den Grundwerten der syrischen Muslimbruderschaft, die eigenen Leute zu töten», zitierte Sheikh Anas Airut vom Nationalrat der syrischen Opposition in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dpa den Chef der unter Assad verbotenen Muslimbrüder, Suheir Salem.

Selbstmordattentäter hatten nach offiziellen syrischen Angaben am Freitag zwei Autobomben fast zeitgleich vor Gebäuden der Sicherheitskräfte und des Geheimdienstes in die Luft gesprengt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete 44 Tote und weitere 166 Verletzte. Ärzte in Krankenhäusern sprechen indessen von 50 Toten.

Es waren die ersten Selbstmordanschläge seit Beginn der Massenproteste gegen das Assad-Regime im März. Sicherheitskräfte begannen mit einer groß angelegten Suche nach Mittätern und Drahtziehern. Aus Damaskus berichteten Bewohner von zahlreichen Straßenkontrollen und Festnahmen.

Die syrische Regierung machte das Terrornetzwerk Al-Kaida für das Blutbad verantwortlich. Die Art und Weise, mit Anschlägen eine möglichst hohe Zahl von Menschen zu töten, sei ein Markenzeichen von Al-Kaida, hieß es in einer Erklärung des syrischen Innenministeriums. Die Machthaber hatten auch den Aufstand der Demokratiebewegung als Terrorismus eingestuft. Die Behörden werteten die jüngsten Attacken in einer Erklärung als Eskalation eines seit neun Monaten anhaltenden Terrors.

Oppositionsaktivisten äußerten hingegen Zweifel an der Darstellung der Regierung, es handle sich um Terroranschläge. Im Internet diskutierten sie darüber, ob das Regime die Anschläge selbst inszeniert habe, um damit von der weiter andauernden Gewalt gegen die Demokratiebewegung abzulenken.

Auch am Samstag gingen Regierungstruppen erneut gegen Assad-Gegner in den Protesthochburgen Idlib und Homs vor. Dabei sollen mindestens 15 Menschen getötet worden sein. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März sind nach UN-Schätzungen mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen.

Bei der offiziellen Trauerfeiern in der Damaszener Omajaden-Moschee nahmen Tausende Menschen Abschied von den Terroropfern. Hinterbliebene trugen dutzende Särge, die in syrische Fahnen gehüllt waren, an der Menschenmenge vorbei.

Die Vereinten Nationen verurteilten die Terroranschläge derweil aufs Schärfste. Die 15 Mitglieder des Weltsicherheitsrates hätten den Opfern dieser «schrecklichen Taten», deren Angehörigen und dem syrischen Volk ihr tiefes Mitgefühl zum Ausdruck gebracht, hieß es in einer am Freitagabend (Ortszeit) in New York verbreiteten Erklärung. Zuvor hatte bereits UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Gewalttaten als «inakzeptabel» verurteilt und zu einem umfassenden politischen Wandel in Syrien aufgerufen.

Der deutsche Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, Peter Wittig, bezeichnete die Lage in Syrien als «dramatisch». Er forderte Russland auf, einer gemeinsamen Resolution zuzustimmen, die ein deutliches Signal aussende, dass jene, die Menschenrechtsverletzungen verübt hätten, auch verfolgt würden. Moskau verhält sich bislang noch zögerlich. Der Sicherheitsrat müsse in den kommenden Tagen handeln, betonte Wittig.

UN / Konflikte / Syrien
24.12.2011 · 16:48 Uhr
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