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Operationen gegen Taliban auch in Nordafghanistan

Britische Soldaten bei der Offensive in der Provinz Helmand. (Foto: SSGT MARK JONES EDITORIAL)Großansicht
Kundus/Berlin (dpa) - Neben der Großoffensive in Südafghanistan sind auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes Militärschläge gegen die Taliban geplant.

Der Gouverneur der nördlichen Provinz Kundus, Mohammad Omar, kündigte am Mittwoch für die «nahe Zukunft» Operationen gegen die Aufständischen in Kundus und der Nachbarprovinz Baghlan an. Das Bundesverteidigungsministerium wies allerdings die Darstellung Omars zurück, die Offensive werde ähnlich groß angelegt sein wie die Operation «Muschtarak» («Gemeinsam») in der südafghanischen Provinz Helmand.

Dort gehen seit vergangenem Samstag 15 000 ausländische und afghanische Soldaten gegen die Aufständischen vor. Die Offensive ist die größte seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, dass es auch in Nordafghanistan weiterhin Operationen gegen die Taliban geben werde, fügte aber hinzu: «Vom Umfang her werden sie nicht an die momentan laufende Operation "Muschtarak" in der Provinz Helmand heranreichen.»

Omar schlug weitaus schärfere Töne an und rief die Taliban in der Region dazu auf, die Waffen niederzulegen. «Das ist ihre letzte Chance zu atmen, bevor sie aus ihren Gegenden vertrieben werden», sagte der Gouverneur in der Stadt Kundus. «Die Regierung ist dazu entschlossen, im Norden und Nordosten keinen Platz für die Feinde zu lassen.» Die Offensive werde so lange dauern, bis die Taliban vollständig besiegt seien.

Die USA haben angekündigt, gut 4500 Soldaten nach Nordafghanistan zu entsenden. Derzeit operieren bereits US-Spezialkräfte in der Region. Das Kontingent der Bundeswehr, die das Kommando im Norden führt, soll von derzeit 4500 auf bis zu 5350 Soldaten verstärkt werden.

Gouverneur Omar hatte den Einsatz der Bundeswehr in Kundus im vergangenen Monat als «wirkungslos» kritisiert und angesichts der schlechten Sicherheitslage mehr US-Engagement gefordert. Omar sagte am Mittwoch, der Kampf der Deutschen gegen die Aufständischen sei «verhältnismäßig schwächer, deswegen brauchen wir diejenigen (die Amerikaner), die solide dabei vorgehen, Sicherheit zu schaffen». Die bevorstehende Operation werde alle Gegenden umfassen, in die die Aufständischen sich zurückziehen könnten.

Der Gouverneur begrüßte die Festnahme von Taliban-Vize Mullah Abdul Ghani Baradar in Pakistan als «große Errungenschaft im Kampf gegen die Feinde». Mullah Baradar habe das Kommando über die Taliban auch im Norden geführt. Die pakistanische Armee hatte die Festnahme am Mittwoch offiziell bestätigt.

Bei Feuergefechten mit Aufständischen in Nordafghanistan wurden unterdessen drei Bundeswehrsoldaten leicht verletzt und mehrere Angreifer getötet. Die zwei Attacken auf deutsche Soldaten ereigneten sich am Mittwochnachmittag fast zeitgleich in der Nähe des Feldlagers in Kundus.

Bei der Großoffensive im Süden leisteten die Taliban weiterhin Widerstand gegen die vorrückenden Streitkräfte. «Die Aufständischen sind taktisch versiert, haben Widerstandsfähigkeit und sind hinterlistig», teilte die Internationale Schutztruppe ISAF am Mittwoch in ihrem Lagebericht über den Vortag mit. Die Operation «Muschtarak» bleibe «auf dem richtigen Wege». Die ISAF meldete, zwei weitere ihrer Soldaten seien am Dienstag bei der Offensive getötet worden. Im Osten Afghanistans starben nach ISAF-Angaben «mehr als ein Dutzend Aufständische» bei einem Luftschlag.

Seit Beginn der Offensive wurden mindestens vier ISAF-Soldaten getötet, darunter ein Brite und ein Amerikaner. Zur Nationalität der jüngsten Opfer machte die Schutztruppe keine Angaben. Nach Berichten von Korrespondenten amerikanischer und britischer Medien, die die Soldaten begleiten, kamen zahlreiche Taliban bei der Operation «Muschtarak» ums Leben. Eine Zahl nannten Behörden und Militärs nicht. ISAF-Soldaten töteten seit Beginn der Operation versehentlich mindestens 15 Zivilisten in Helmand. Fünf weitere Zivilisten starben bei einem Luftschlag in der an Helmand angrenzenden Provinz Kandahar.

Der Chef des Stabes der ISAF, der deutsche General Bruno Kasdorf, nannte den Tod der Zivilisten bei der Offensive «einen herben Rückschlag für uns». Kasdorf sagte dem Sender NDR Info: «Unser übergeordnetes Ziel ist der Schutz der Bevölkerung.»

Der Rückhalt in der Bevölkerung für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan schrumpft. Nach einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr ist nur noch jeder zweite Bundesbürger für eine deutsche Beteiligung an der internationalen Mission. Ein Jahr zuvor lag die Unterstützung noch bei 64 Prozent.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
17.02.2010 · 17:10 Uhr
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