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Opel wird an Magna verkauft - Standorte bleiben

GM entscheidet über Zukunft von OpelGroßansicht
Berlin/Rüsselsheim (dpa) - Opel gehört künftig dem Autozulieferer Magna und russischen Investoren. Der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) beschloss die Trennung nach mehr als 80 Jahren.

Magna will nach früheren Informationen rund 3000 der mehr als 25 000 Opel-Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Standorte erhalten. Die Bundesregierung hatte in dem zehn Monate langen Poker zuletzt Unterstützung von 4,5 Milliarden Euro von einer Entscheidung für Magna abhängig gemacht.

GM verkauft an den österreichisch-kanadischen Zulieferer und dessen russischen Partner Sberbank 55 Prozent an Opel und behält 35 Prozent. Zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Magna und die Sberbank teilen sich die 55 Prozent je zur Hälfte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft nun auf einen Neuanfang bei Opel. GM akzeptiere die Finanzierungsbedingungen. Sie glaube, dass alle Punkte in den Verhandlungen «beherrschbar» seien.

Die Opel-Treuhand, bei der der Mehrheitsanteil liegt, billigte umgehend das Geschäft. Das bedeute nicht, dass Opel gerettet sei, betonte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. «Alle wissen, dass viel Arbeit vor uns liegt.» Ausgerechnet zwei Vertreter Deutschlands trugen im Beirat der Opel-Treuhand einen Verkauf an Magna nicht mit: Der bei Conti als Sanierer bekanntgewordene Manager Manfred Wennemer stimmte dagegen, der Insolvenzexperte Dirk Pfeil als Vertreter der Länder mit Opel-Standorten enthielt sich.

In seiner Begründung ließ es Wennemer an Deutlichkeit und scharfer Kritik nicht fehlen. Er bezweifelte, dass sich Opel am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde. Mit 1,5 Millionen Autos produziere das neue Opel-Unternehmen im Jahr 2012/13 «viel zu wenig, um effizient zu sein». Opel verkaufe 90 Prozent seiner Produkte am europäischen Markt.«Ich habe nach den letzten Entwicklungen in Russland meine großen Zweifel, ob die Blütenträume (...) wirklich aufgehen werden», sagte Wennemer.

Magna will europaweit rund 10 500 Stellen bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall streichen - das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz. «Das Konsortium freut sich, dass sein Plan für Opel General Motors zufriedengestellt hat», sagte Magna-Vizechef Siegfried Wolf. Magna und die Sberbank bedankten sich bei sich bei der deutschen Regierung für ihre Unterstützung.

Der Opel-Betriebsrat unterstrich die Bereitschaft zu Millionen- Einsparungen. Die Mitarbeiter böten einen Verzicht von jährlich 265 Millionen Euro an, von 2009 bis 2014 kämen so 1,6 Milliarden Euro zusammen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Das Geld soll etwa durch den Verzicht auf Lohnerhöhungen sowie auf Weihnachts- und Urlaubsgeld zusammenkommen.

Die Bundesregierung hat für den Opel-Verkauf an ihren Wunschkandidaten Magna keine neuen Zugeständnisse an GM gemacht. Es gebe keine weitergehenden Verpflichtungen für den Steuerzahler, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Regierungskreisen.

Neben dem Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro, der Opel seit Monaten über Wasser hält, wollen Bund und Länder dem Opel-Käufer Magna weitere 3 Milliarden Euro Bürgschaften gewähren.

Die öffentlichen Mittel für die neue Opel-Gesellschaft sollen nicht nach Russland oder in die USA fließen, sagte der Treuhand- Vorsitzende Irwin.

GM fordert jedoch, dass Opel weiterhin im globalen Produktentwicklungs- und Einkaufsverbund von GM integriert bleibt. «Dies ermöglicht es allen Seiten, vom Austausch von Technologie- und Entwicklungskapazitäten zu profitieren», betonte GM-Chef Fritz Henderson. Beispielsweise könnten Fahrzeuge wie das Elektroauto Ampera nur mit vereinten Kräften auf den Markt gebracht werden.

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster, der auch Europachef von GM ist und als neuer Spitzenmann von «NewOpel» gehandelt wird, betonte: «Eine Zukunft mit Magna bedeutet in keiner Weise einen Bruch mit GM.» Die Entwicklungsressourcen von Opel alleine reichten nicht aus, um auf dem hart umkämpften globalen Markt bestehen zu können.

Laut Hessens Finanz-Staatssekretärs Thomas Schäfer (CDU), der die Bundesländer in der Opel-Task-Force der Bundesregierung vertritt, wurde in den Verhandlungen erreicht, dass das neue Unternehmen Opel künftig auch Teile wie Getriebe oder Motoren von anderen Herstellern beziehen könne. Es müsse damit nicht komplett auf gemeinsam mit GM entwickelte Technik zurückgreifen.

Nach Angaben von GM-Verhandlungsführer John Smith soll die verbindliche Vereinbarung mit Magna in zwei bis drei Wochen unterschriftsreif sein. Im Großen und Ganzen seien die Arbeiten bereits getan. Es seien noch vier kleinere Vereinbarungen auszuhandeln. Dabei gehe es um die Zusammenarbeit beim Einkauf und die technologische Nutzung.

Nach Angaben aus Regierungskreisen entschied sich GM letztlich aus finanziellen Gründen für die Trennung von Opel. Eine Sanierung des deutschen Herstellers habe GM nicht stemmen können. Die US-Regierung habe nicht erlaubt, dass Geld aus den 50 Milliarden Dollar Staatshilfen in Europa verwendet würde.

Während die Opel-Beschäftigten in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern nun eher aufatmen können, zittern die Briten um ihre zwei Werke. Magna habe der Regierung zwar zugesichert, die englischen Fabriken in Luton und Ellesmere Port weiterzubetreiben, sagte Wirtschaftsstaatsminister Pat McFadden der BBC. Es gebe aber keine zeitlichen Zusagen.

Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zeigte sich zufrieden mit dem geplanten Verkauf von Opel an Magna. «Das ist ein guter Tag für Opel und für die Menschen bei Opel.» Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nannte die Entscheidung einen «entscheidenden Durchbruch». EU-Industriekommissar Günter Verheugen sprach im «Weser Kurier» (Freitag) von einem großen Erfolg der Opel-Belegschaft.

Auto / Opel
10.09.2009 · 22:48 Uhr
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