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Opel-Mitarbeiter im Wechselbad der Gefühle

Protest gegen GMGroßansicht
Rüsselsheim (dpa) - Die Mitarbeiter im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim erleiden derzeit ein Wechselbad der Gefühle.

Als sich am Mittwoch in den Werkshallen die Nachricht verbreitete, dass die Konzernmutter General Motors (GM) die Rechte an ihren europäischen Werken und an den Patenten der Adam Opel GmbH übertragen werde, war nach Monaten der Ungewissheit ein gewisses Durchatmen zu spüren. Doch schon am Donnerstag ist das zarte Pflänzchen der Hoffnung wieder verwelkt. In Anbetracht der in Berlin aufgeschobenen Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens macht sich Enttäuschung breit.

Einen Schuldigen für die fortdauernde Hängepartie haben die Opelaner längst ausgemacht. Vor dem Hauptportal des Unternehmens nahe des Bahnhofs klagt ein erboster Mitarbeiter über die seit Jahren unbeliebte Mutter GM, die am Mittwochabend von der Bundesregierung zusätzlich 300 Millionen Euro Hilfe für Opel gefordert hatte: «Das sind doch eh alles Gangster, die Amerikaner.» Von einem «dramatischen Mist» wird gesprochen, urplötzlich sehen einige die schon sicher geglaubte Rettung ihres Traditionsunternehmens wieder in Gefahr. Das Auftreten der Kollegen aus Detroit sei «peinlich», wird geschimpft: «Das ist der absolute Hammer.»

Nicht nur die Männer vom Band, auch der europäische Opel-Betriebsrat kritisiert die unerwartete Millionenforderung der Konzernmutter scharf: «General Motors muss wissen, dass Europa kein Casino für Glücksspieler ist. Nach den positiven Nachrichten von gestern ist diese Entwicklung ein herber Rückschlag für uns alle und löst große Betroffenheit aus», lässt Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Donnerstag wissen. Die Schuld an dem «Desaster» trage einzig und allein General Motors, «die uns zum Spielball im Poker um ihre eigene Insolvenz machen wollen».

Bei den meisten der rund 15 500 Opel-Mitarbeitern in Rüsselsheim liegen die Nerven blank. Viele wollen längst nicht mehr mit den Medien reden. Zu oft wurden sie in den zurückliegenden Monaten von Reportern bedrängt, ihre Seelenlage in Bezug auf die Opelkrise zu offenbaren. Selbst die über 50 Kollegen der Frühschicht, die ihre Mittagspause am Donnerstag in ihrem Stammlokal gegenüber Tor 20 verbringen, reagieren fast durch die Bank mit düsterem Schweigen auf die Fragen der Reporter.

«Wir wissen ja nix. Und es ist ja eh noch nichts entschieden», sagt schließlich doch ein Arbeiter im Blaumann vorne am Tresen. «Und die Renten sind sicher», kommentiert sein Kollege sarkastisch die Versprechungen über die vermeintlichen Chancen auf den Fortbestand des Unternehmens, das seit 110 Jahren in Rüsselsheim Autos baut.

Auch Rüsselsheims Bürgermeister Jo Dreiseitel (Grüne), zur Zeit oberster Regent der Stadt, will nichts zur aktuellen Lage bei Opel sagen. Tatsächlich dürfte der Kommunalpolitiker aber gespannt nach Berlin, Washington und Detroit blicken. Denn die Zukunft des Autobauers und seiner 15 600 Beschäftigten ist nicht für die Stadt im Rhein-Main-Gebiet mit ihren knapp 60 000 Einwohnern ungemein wichtig, sondern auch für die gesamte Region verzwickt. Obwohl die Zeit drängt, liegen die Interessen diesseits und jenseits des Atlantiks noch immer weit auseinander.

Auto / Opel
28.05.2009 · 22:56 Uhr
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