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Omar Suleiman: Vizepräsident mit ungewisser Zukunft

Kairo (dpa) - Jahrzehntelang wirkte Omar Suleiman eher im Verborgenen. Seine Ernennung zum Vizepräsidenten inmitten der schweren Unruhen in Kairo rückte den bisherigen ägyptischen Geheimdienstchef ins Licht der Öffentlichkeit.

Einen Tag vor seinem Rücktritt übertrug der bisherige Präsident Husni Mubarak dem engen Vertrauten noch Teile der Amtsgeschäfte. Doch nun liegt die Führung des Landes erst einmal in den Händen der Streitkräfte. Und damit bleibt völlig offen, welche Rolle Suleiman künftig tatsächlich in Ägypten spielen wird.

Noch unter Mubarak verhandelte er als frisch gebackener Vizepräsident erstmals mit der oppositionellen Muslimbruderschaft, die er als oberster Spion des Landes lange verfolgt hatte. Das Amt, das er am 29. Januar antrat, hatte Mubarak fast 30 Jahre unbesetzt gelassen, obwohl es in der Verfassung vorgesehen ist.

Doch Suleimans ganzes Agieren in seiner neuen Funktion machte der Opposition klar: Er ist nur ein Treuhänder des Präsidenten, von dem keine neuen Impulse zu erwarten sind. Die Vertrauensbasis, so je eine bestand, verflüchtigte sich.

Die USA betrachteten den subtilen Vermittler in den komplizierten Nahost-Friedensgesprächen bis vor kurzem als «Wunschpartner», Israel tut es bis heute. Sie halten ihm zugute, dass er nicht nur den islamistischen Terror in seiner eigenen Heimat bekämpfte, sondern auch die pro-westliche Palästinenserfraktion um deren Präsidenten Mahmud Abbas gegen die radikal-islamische Hamas unterstützt.

Suleiman stammt aus der ländlichen Provinz Kena in Oberägypten, wo er nach unterschiedlichen Quellenangaben 1935 oder 1936 geboren wurde. Trotz dieser Herkunft gelang ihm in der Hauptstadt auch der gesellschaftliche Aufstieg. Neben seiner militärischen Ausbildung in Kairo studierte er Politikwissenschaften.

Nach einer Laufbahn in der Militärabwehr wurde er 1993 Chef des Allgemeinen Sicherheitsdienstes. Während seine Vorgänger stets nur im Verborgenen wirken durften, stand Suleiman seit 2000 in der Öffentlichkeit, meist an der Seite Mubaraks oder am Rande wichtiger Friedensverhandlungen.

Mehr als sein typisches Lächeln hatte er aber für die auf ihn gerichteten Fernsehkameras nicht übrig. Als er nun den Rücktritt des Präsidenten bekanntgab, zeigte seine Mimik indes keine Regung.

Der General, der in den beiden Nahostkriegen 1967 und 1973 gegen Israel gekämpft hatte, war lange Mubaraks Mann für heikle Aufträge. Das unbedingte Vertrauen seines Chefs errang er 1995, als dieser zu einem Afrika-Gipfel in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba flog. Elf ägyptische Extremisten waren ihm dorthin gefolgt und hatten auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Feuer auf die Präsidenten-Limousine eröffnet. Mubarak blieb unversehrt - denn Suleiman hatte am Tag zuvor dafür gesorgt, dass der ursprünglich eingeflogene «softe» Wagen gegen ein Fahrzeug mit Panzerung ausgetauscht wurde.

Es heißt, der General sei nicht in die weit verbreitete Korruption im Lande verwickelt. Als Oberaufseher der Geheimdienste trug er aber Verantwortung für die schmutzigen Praktiken der inländischen Geheimdienste. Unter Präsident George W. Bush erwies er sich als zuverlässiger Partner der USA. Damals kam es öfter vor, dass Washington islamistische Terrorverdächtige zeitweise in befreundete arabische Länder, darunter Ägypten, überstellte. Ein «Auslagern der Folter» wurde diese Praxis hinter vorgehaltener Hand genannt.

Unruhen / Regierung / Ägypten
11.02.2011 · 22:36 Uhr
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