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Olympia-Start mit schweren Herzen und Hindernissen

Unter den olympischen Ringen in Whistler erinnern Blumen an den tragischen Tod des Rodlers Nodar Kumaritaschwili aus Georgien.Großansicht
Vancouver (dpa) - Für Vancouvers Olympia-Macher begann das Winterspektakel mit schweren Herzen und vielen Ärgernissen.

Der tödliche Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili warf einen tiefen Schatten, bei der Eröffnungsfeier gab es eine Panne und gleich am ersten Wettkampf-Tag gewalttätige Randale von militanten Olympia-Gegnern. Auch das Wetter spielt noch immer nicht mit: Nach der Absage der Superkombination der Damen musste die Olympia-Abfahrt der Herren am Samstag abgeblasen werden. Der olympische Goldfluch auf heimischem Boden setzte sich zunächst ebenfalls fort. Für Olympia-Favoritin Jennifer Heil, immerhin Siegerin 2006 in Turin, reichte es auf der Buckelpiste nur zu Silber.

«Vancouver war nicht die Stadt der Glückseligkeit, wie zuvor über Jahre geplant», titelte die Londoner «Times». Die Veranstalter verheißen unterdessen bessere Zeiten und sprechen sich damit wohl selbst etwas Mut zu. «Es werden jetzt erfolgreiche Spiele werden», sagt Renee Smith-Valade vom lokalen Organisationskomitee VANOC, aber zumindest die Wetter-Aussichten sind weiter eher düster. Eine Mischung aus Schneefall, Regen und milden Temperaturen an den verschiedenen Wettkampfstätten macht den Organisatoren Sorgen.

Vor allem dämpfte jedoch der tragische Tod in der Eisrinne die Olympia-Begeisterung. «Mit schweren Herzen musste die Show weitergehen», beschrieb die «Vancouver Sun» die Stimmung und den Zwiespalt der Gefühle, den viele Kanadier empfinden. So hielt sich auch der olympische Überschwang der einheimischen Medien in Grenzen, bei allem Stolz auf eine stimmungsvolle Eröffnungsfeier - trotz eines Patzers beim Entzünden des olympischen Feuers.

Schon während der Auftakt-Show war es bei Demonstrationen von Anti-Olympia-Aktivisten zu vereinzelten Ausbrüchen gekommen. Am Samstag gab es dann eine erste Eskalation. Mehr als 200 Demonstranten zogen durch die Innenstadt, rissen Zeitungskästen aus ihren Verankerungen und schlugen damit die Schaufensterscheiben eines Souvenirgeschäfts ein. Die schwarzgekleideten und maskierten jungen Leute bewarfen auch Polizisten mit Gegenständen, demolierten Autos und Busse und besprühten sie mit Farbe. Es gab sieben Festnahmen. Das «Olympics Resistance Network», das zu dem Protestmarsch aufgerufen hatte, will auch den kommenden Tagen weiter demonstrieren, vornehmlich gegen den «Kapitalismus».

Eine Herausforderung bleibt auch der Transport in die Skigebiete. Wegen der weiten Wege von Vancouver in die Berge und zwischen den einzelnen Austragungsstätten sind Fans, Athleten und Medienvertreter fast völlig auf den Bus angewiesen. Aber davon gibt es nicht nur zu wenig, sondern viele sind auch altersschwach. Knapp 100 mussten bereits ausgewechselt werden, weil sie den steilen Weg zum Cypress Mountain nicht schafften. Fahrer sind frustriert wegen langer Schichten, teils lausiger Unterbringung und haben bereits im Dutzend gekündigt.

Wenigstens die Straßen in Vancouver und Whistler haben sich inzwischen mit Besuchern gefüllt. In den Partyzentren drängen sich die Menschen. An vielen Zelten mit kulinarischen Genüssen in der jeweiligen Landestradition bilden sich lange Schlangen. Und überall sieht man Weiß und Rot, die Farben des kanadischen Teams, Kopien ihrer Outfits fliegen geradezu von den Regalen. «Go Canada go» heißt es auf Plakaten in den Schaufenstern und auf den Anzeigetafeln in den Bahnstationen des «Skytrains» im Raum Vancouver. Es macht sich, trotz Wermutstropfen zum Auftakt, in der Bevölkerung deutlich Nationalstolz breit. «Kanada begrüßt die Welt» schrieben am Wochenende gleich mehrere Zeitungen im Gastgeberland.

Olympia / Vancouver / Deutsches Team
14.02.2010 · 09:16 Uhr
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