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Oestrich-Winkel kommt bei Gas-Unfall glimpflich davon

Beim Austritt von blausäurehaltigem Gas sind neun Feuerwehrleute leicht verletzt worden. Foto: Fredrik von ErichsenGroßansicht

Oestrich-Winkel (dpa) - Bei einem Chemieunfall mit giftigem Gas ist der Weinort Oestrich-Winkel im Rheingau glimpflich davongekommen. In der Nacht zum Dienstag trat unerwartet noch zweimal Gas aus dem havarierten Chemikalientank einer Schaumstofffabrik aus.

Die Substanz wurde von der Feuerwehr mit Wasser gebunden. Doch dann beruhigte sich bis zum Nachmittag die Lage so weit, dass der Großeinsatz von Katastrophenschützern, Polizei und Sanitätern beendet werden konnte. Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden verletzt.

«Es gibt keine Gefahr mehr für Leib und Leben der Bevölkerung», sagte Bürgermeister Paul Weimann (CDU) der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagabend. Er übernahm die Leitung der restlichen Arbeiten. Nach dem ersten Gasaustritt am Montag hatten zeitweise mehr als 500 Rettungskräfte in Oestrich-Winkel gearbeitet - einschließlich ABC-Abwehr-Trupps mit Schutzanzügen, schwerem Atemgerät und Dekontaminierungsstelle.

Nach Zählung der Wiesbadener Polizei seien 26 Menschen verletzt worden, sagte Polizeisprecher Markus Hoffmann. 13 von ihnen wurden zeitweise im Krankenhaus behandelt. Sie hätten über Atem- und Schluckbeschwerden sowie Augenbrennen geklagt. Zu den Verletzten zählten 15 Feuerwehrleute und zwei Polizisten. «Es sind auch viele Leute einfach so zum Arzt gegangen.»

Der Polizeisprecher wies vorsorglich darauf hin, dass die chemische Reaktion im Tank noch bis Donnerstag andauern könnte. «Der Austritt von weiteren Gefahrenstoffen ist nicht auszuschließen. Deshalb nach wie vor der deutliche Hinweis an die Bevölkerung, wachsam zu sein.» Experten bemühten sich weiterhin, den Tank zu kühlen und zu überwachen.

Darin sei aber keine chemische Reaktion mehr erkennbar, sagte Weimann am Abend. «Wir denken schon über die Entsorgung des Inhalts und des Behältnisses nach.» Giftige Werte für Obst, Gemüse und Wäsche könnten auch ausgeschlossen werden. Das hätten Analysen von Chemikern ergeben. Die Stadt werde dies auf einem Merkblatt für die Bürger festhalten und den gut 1000 Haushalten in direkter Nachbarschaft der Fabrik und der Umgebung zukommen lassen.

Nach Behördenangaben war die mit der hochgiftigen Blausäure verwandte Chemikalie Isocyanat bei einem Ladevorgang durch ein Sicherheitsventil ausgetreten. Am späten Montagabend hatten die Behörden aber zunächst Entwarnung gegeben. Auch die geplante Evakuierung der Häuser um den Industriebetrieb wurde abgeblasen. 30 Menschen waren nach Angaben Weimanns bereits in eine Turnhalle umgezogen, kehrten aber noch nachts in ihre Häuser zurück.

Die Bevölkerung sollte noch am Dienstagabend mit einem Flugblatt über das Geschehen informiert werden, sagte Weimann. Das mehrmalige Ändern der Alarmstufe hatte zu Unmut geführt - den Menschen war nicht immer klar, ob sie Fenster und Türen noch geschlossen halten sollen und ob es sicher sei, nach draußen zu gehen.

Sachverständige suchten auch am Dienstag nach der Unglücksursache. «Ist das eine Fehlbedienung gewesen oder hat da irgendeine Maschine nicht funktioniert - das muss jetzt herausgefunden werden», sagte der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD), dem Sender hr-Info.

Isocyanat verursacht Husten, Atemnot, Schnupfen und Augenreizungen und kann in hoher Konzentration tödlich sein. In der Fabrik werden Schaumstoffe hergestellt, zum Beispiel für Verpackungsmaterial. Der Betrieb wurde nach Angaben des Bürgermeisters schon vor dem Ersten Weltkrieg an seinem heutigen Sitz gegründet. Die Firma mit 80 Mitarbeitern habe baulich Bestandsschutz, die umweltschutzrechtliche Genehmigung der Produktion stehe zur Überprüfung an.

Unfälle
14.08.2012 · 21:24 Uhr
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