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Ölpest breitet sich unter Wasser aus

Im Golf von Mexiko ist eine weitere riesige Unterwasserwolke aus Öl gesichtet worden.
Washington (dpa) - Die Ölpest im Golf von Mexiko breitet sich immer weiter aus. Erneut entdeckten Wissenschaftler unter der Meeresoberfläche einen gewaltigen Schwaden aus Öl, diesmal 120 Kilometer nordwestlich von der Stelle, an der die Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor mehr als fünf Wochen sank.

Es ist bereits der dritte Fund dieser Art, aber der erste soweit weg vom Unglücksort, berichtete die «Washington Post» am Samstag. Man habe eine dicke, braune und kilometerlange Unterwasserwolke gesehen, sagte James Cowan von der Louisiana State University der Zeitung. Die Öltröpfchen darin seien «so groß wie dicke, nasse Schneeflocken». Erst am Donnerstag berichteten Forscher der University of South Florida, östlich des Öl-Lecks einen kilometerlangen Schwaden tief unter Wasser entdeckt zu haben.

Der Kampf gegen die größte Ölpest der US-Geschichten läuft derweil weiter mit Hochdruck. Der Ölkonzern BP sei mit seinem Versuch, sprudelnde Quelle im Golf von Mexiko mit Schlamm zu verschließen, «grundsätzlich» im Plan», es werde aber wahrscheinlich erst am Sonntag Klarheit herrschen, sagte BP-Manager Doug Suttles. Der Konzern arbeite mit «Technologien, die vorher nie eingesetzt wurden», sagte BP-Chef Tony Hayward dem Fernsehsender CNN.

Zugleich warnte US-Präsident Barack Obama, dass man es angesichts der Umweltschäden mit einem «Langzeit-Projekt» zu tun haben werde, auch wenn der Ölfluss einmal gestoppt sei. Obama ordnete deshalb eine Verdreifachung der Einsatzkräfte entlang der betroffenen Küsten an. Zuvor hatte er mit einem Hubschrauber das Mississippi-Delta überflogen. «Am Ende trage ich die Verantwortung für die Lösung dieser Krise», sagte er.

Bislang sind insgesamt 20 000 Helfer im Kampf gegen die Ölpest im Einsatz. Nach langer Verzögerung begannen einige von ihnen am Samstag mit den Reinigungsarbeiten im ökologisch sensiblen Marschland von Louisiana, wo vor eineinhalb Wochen Öl angeschwemmt wurde.

Obama sprach auf Grand Isle, einer besonders schwer betroffenen Insel vor Louisiana. Die dortige Tourismuswirtschaft beklagt wegen geschlossener Strände massive Einnahmeausfälle, die gerade an diesem langen Wochenende zum Tragen kämen. Am Montag ist in den USA der Feiertag «Memorial Day», für die Amerikaner der Auftakt des Sommers. Mehr als 35 Millionen Menschen planen einen Kurzurlaub. Für die Strände auch an der Golfküste ein wichtige Einnahmequelle.

Die US-Ozeanbehörde NOAA teilte mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60 683 Quadratmeilen an, was in etwa 157 000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Bayern.

Der neuerlich entdeckte Ölschwaden befindet sich nach Angaben der Experten in dieser Verbotszone. Sie befürchten, dass die Öltröpfchen von kleinen Meerestieren verschluckt werden und so als Gift in die Nahrungskette gelangen. Auch für die Küsten sind sie eine Gefahr, weil sie unter die schwimmenden Barrieren durchtreiben könnten. «Plötzlich finden wir dann Öl, wo wir es niemals erwartet hätten», sagt Robert Barham von Louisianas Naturschutzbehörde. Das größte Schreckgespenst ist jedoch, dass die Schwaden von einer Strömung erfasst werden und bis in den Atlantik geraten.

Bislang sind mehr als 240 Kilometer der Küste Louisianas verseucht, berichtete CNN. Hunderte Vögel und Meeresschildkröten starben bereits, auch Dutzende Delfine und Wale.

Die Politik hat am Freitag erste Schritte unternommen, die Ölfirmen bei Unfällen wie im Golf von Mexiko künftig stärker finanziell in die Pflicht zu nehmen. Das US-Repräsentantenhaus stimmte am Freitag für eine Vervierfachung der Ölsteuer von 8 auf 34 Cent pro Barrel. Das Geld fließt in einen Fonds, der für Kosten nach einem Ölunfall aufkommt. Der Senat muss der Steuererhöhung noch zustimmen.

Website NOAA: http://sero.nmfs.noaa.gov

NOAA-Karte vom Golf zum Fischerei-Verbot: http://dpaq.de/a3K5Q

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen: www.deepwaterhorizonresponse.com

BP-Beschreibung des «Top-Kill»-Verfahrens: http://dpaq.de/8dTeb

Umwelt / USA
29.05.2010 · 16:44 Uhr
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