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Ölleck noch schlimmer - BP unter Druck

Janet NapolitanoGroßansicht
Washington (dpa) - Das Ölleck im Golf vom Mexiko ist schlimmer als bisher von BP geschätzt - und jetzt reißt der US-Regierung der Geduldsfaden.

Selbst in die Schusslinie geraten verlangte sie in einem Brief an Konzernchef Tony Hayward die sofortige Veröffentlichung aller wichtigen Informationen und Daten zum Ölunfall.

Zuvor hatte sich anhand eines Videos herausgestellt, dass es weiter heftig aus der undichten Stelle in 1500 Metern Tiefe sprudelt - obwohl BP nach eigenen Angaben täglich eine große Menge Öl direkt aus dem Leck aufsaugt. Ein Unternehmenssprecher räumte das mittlerweile auch selbst ein. Der Washingtoner Regierung lasten Kritiker an, dass sie sich viel zu sehr auf Angaben von BP verlassen hat.

Möglicherweise am Sonntag oder am Montag will BP einen Versuch starten, das Bohrloch zu versiegeln. Eine schwere Schlamm-Masse, die etwa sonst bei Bohrungen zum Schmieren verwendet wird, soll mit Hochdruck durch Ventile in das Loch geschossen werden. Gelingt dies nicht im ersten Anlauf, will BP das Manöver mehrere Male wiederholen. Ist das Loch verstopft, soll es mit Zement versiegelt werden.

Den harschen Brief an Hayward schrieben Heimatschutzministerin Janet Napolitano und die Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson. Darin erklärten sie, es sei ein «Muss» für BP, alle Daten und Informationen, auch etwaige zur Unfallursache, publik zu machen. «Die Öffentlichkeit und die US-Regierung haben einen Anspruch auf völlige Transparenz in dieser Angelegenheit.»

Hintergrund ist wachsendes Misstrauen darüber, wie genau die BP- Angaben über den Ölaustritt sind. So geht aus einem seit Donnerstag im Internet zu sehenden Live-Video vom Meeresgrund hervor, dass mehr Öl aus dem abgerissenen Steigrohr ins Wasser sprudelt als bisher von BP geschätzt. Nach Angaben des Konzerns ist es mittlerweile gelungen, täglich etwa 700 Tonnen Rohöl direkt aus dem Leck abzusaugen und auf ein Bohrschiff zu leiten. 700 Tonnen - das entspricht genau den bisherigen BP-Schätzungen der Gesamtmenge, die vor dem Aufsaugen täglich aus zwei Lecks ins Meer gelangt sind. So räumte denn auch BP- Sprecher Mark Proegler ein, dass der Ölaustritt schlimmer sei als bisher angenommen.

Eine Reihe von Wissenschaftlern hatte bereits seit Tagen massive Zweifel daran geäußert, dass die BP-Schätzungen akkurat sind. Mehrere Experten nannten in den vergangenen Tagen Werte, die zwischen 2800 bis 14 000 Tonnen täglich liegen.

Der Kongressabgeordnete Ed Markley, der die Veröffentlichung des BP-Videos am Donnerstag veranlasste, sagte: «Ich glaube, jetzt beginnen wir zu begreifen, dass wir BP nicht vertrauen können.» Nun müssten andere herauszufinden versuchen, wie groß das Ausmaß der Katastrophe wirklich sei. Die Küstenwache hat dazu eine besondere Expertengruppe eingerichtet, die nach Angaben vom Donnerstag bereits ihre Arbeit aufgenommen hat.

BP musste derweil auf Anordnung der EPA bis Freitagmittag (Ortszeit) aus einer von der Behörde zusammengestellten Liste eine neue Chemikalie für den Unterwasser-Einsatz auswählen - ein Mittel, das nach Experteneinschätzung weniger Langzeitschäden für die Umwelt anrichtet als das bisher verwendete Corexit 9500. Dieses darf spätestens ab Sonntag nicht mehr benutzt werden. BP hat bereits über 200 000 Liter davon mit Hilfe von Unterwasser-Robotern in unmittelbarer Nähe des Lecks verteilt, um das austretende Öl zu zersetzen.

Live-Video vom Hauptleck: http://dpaq.de/0lJYq

Anordnung der EPA zu Corexit: http://dpaq.de/JYnmm

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen: http://www.deepwaterhorizonresponse.com

Umwelt / USA
21.05.2010 · 16:01 Uhr
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