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Odenwaldschule - auch Gewalt unter Schülern?

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Heppenheim/Darmstadt (dpa) - Im Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim kommen immer neue Vorwürfe ans Licht. Nach Berichten ehemaliger Schüler sollen sich nicht nur Lehrer an ihren Schützlingen vergriffen haben.

Auch Schüler sollen sich untereinander mit massiver Gewalt misshandelt haben. Die Rede ist von verbrühten Genitalien und schwerstem sexuellen Missbrauch. Die Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann, bestätigte am Mittwoch, dass sich zwei frühere Schüler mit den Vorwürfen gemeldet haben.

Schulleiterin: Dimension war mir nicht bewusst

«Diese Dimension war mir bislang gar nicht so sehr bewusst gewesen, obwohl wir auch in der Vergangenheit von ehemaligen Schülern solche Hinweise bekommen hatten», sagte Kaufmann dem Rundfunksender hr-info. «Aber weil wir sicherlich so fixiert gewesen sind auf den Missbrauch durch Lehrkräfte, haben wir darauf gar nicht so sehr geachtet.» Seit Anfang März waren zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch an der Reformschule bekanntgeworden. Ex-Schüler berichteten von Übergriffen ihrer Lehrer. Mittlerweile soll es sich um rund 40 Missbrauchsopfer handeln. Die Schule wollte diese Zahl aber nicht bestätigen und sprach unverändert von 33 Betroffenen.

Staatsanwaltschaft: Zehn Ermittlungsverfahren

Wegen des Missbrauchsskandals hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt bislang zehn Ermittlungsverfahren eingeleitet. In neun Fällen gehe es um sexuellen Missbrauch von Lehrern an Schülern, sagte der Sprecher der Behörde, Ger Neuber. Gegen den früheren Schulrektor Wolfgang Harder werde wegen der Verdachts der Strafvereitelung ermittelt, weil er womöglich Informationen über Missbrauchsfälle nicht weitergegeben habe. Zwei der Beschuldigten seien schon gestorben. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien alle Taten verjährt, sagte Neuber. Neue Sachverhalte würden aber geprüft. Die Berichte ehemaliger Schüler mit neuen Vorwürfen liegen der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor.

Die neuen Vorwürfe, über die die «Frankfurter Rundschau» zuerst berichtete, sind massiv. So soll in einem Fall ein Lehrer nicht eingegriffen haben, als ein gefesselter Schüler von Mitschülern schwer sexuell missbraucht wurde. Allerdings gilt: Die Vorwürfe sind noch nicht überprüft. Persönliche Gespräche mit den Betroffenen stünden noch aus, sagte eine Sprecherin der Schule.

Auch zeitlich ließen sich die Berichte noch nicht genau einordnen, teilte die Schule mit. Die Angaben der Ex-Schüler, die nach eigener Aussage Zeugen von Misshandlungen geworden waren, müssten erst präzisiert und dann anhand von Familienlisten im Schularchiv überprüft werden.

Ein früherer Schüler der Odenwaldschule sagte der Nachrichtenagentur dpa, auch er sei Zeuge von Misshandlungen unter Schülern geworden. Es habe damals eine «latente Drohung» gegeben. Er habe miterlebt, wie einem damaligen Freund von einem Mitschüler die Genitalien gequetscht worden seien. Die Schreie seien nicht zu überhören gewesen, erzählte der Mann, der von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre an der Odenwaldschule war. Er könne sich nicht vorstellen, dass Lehrer damals nichts von den Misshandlungen mitbekommen hätten.

Ex-Schüler nahmen sich das Leben

Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt bestätigte, dass Fälle bekannt sind, in denen sich ehemalige Schüler der Odenwaldschule das Leben genommen haben. Ob ein Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen bestehe, lasse sich derzeit nicht sagen. «Wir können schlichtweg nicht sagen, worauf diese Suizide zurückgehen», sagte Neuber. «Wir werden das prüfen.»

Bekannte Missbrauchsvorwürfe beziehen sich auf die Jahre 1966 bis 1991. Die Odenwaldschule hat bisher keine Hinweise auf Missbrauchsvorwürfe gegen Lehrer, die bis weit in die 90er Jahre hineinreichen. «Die derzeit vorliegende jüngste Zahl bezieht sich auf das Jahr 1991», erklärte die Schule.

Kriminalität / Schulen
07.04.2010 · 17:30 Uhr
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