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Odenwald-Lehrer soll Kinderpornos gedreht haben

Odenwaldschule in HeppenheimGroßansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Am Internat Odenwaldschule kommen immer neue Grausamkeiten ans Licht. Ein pädophiler Musiklehrer soll einem Zeitungsbericht zufolge jüngste Schüler missbraucht und in pornografischen Szenen gefilmt haben.

Das berichtete die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS). Das jüngste Kind sei neun Jahre alt gewesen. Auch der Liebhaber des mittlerweile verstorbenen Lehrers - ebenfalls ein früherer Schüler von ihm - habe die Kinder missbraucht und bei den Pornoaufnahmen für die richtige Beleuchtung gesorgt.

Die Opfer - mittlerweile Männer im mittleren Alter - befürchteten, dass die Aufnahmen immer noch existierten. Einer von ihnen habe Strafantrag gestellt. Der Fall sei aber laut Polizei verjährt, sagte der Mann der FAS. Der ehemalige Lehrer starb laut der Zeitung vor vier Jahren. Er soll von 1966 bis 1989 an der Odenwaldschule unterrichtet und als «Familienhaupt» mit seinen Schülern zusammengelebt haben. Einer von ihnen sagte über seine Gefühle nach dem ersten Mal: «Das ist, als ob jemand ihr Gehirn umprogrammieren würde.» Er sei damals neun Jahre alt gewesen. Insgesamt sei er von dem Lehrer bis zu 200 Mal missbraucht worden.

Laut FAS hat sich der Lehrer an mindestens 30 Schüler immer wieder vergangen. Er soll bis zu seinem Tod mit mehreren seiner früheren Schützlinge in einer Wohngemeinschaft gelebt haben und von ihnen gepflegt worden sein.

Bereits 1968 hätten mehrere Kinder den damaligen Schulleiter unter anderem von den Übergriffen des Musiklehrers informiert. Daraufhin habe der 13-jährige Schüler, der die Aussprache initiiert hatte, die Odenwaldschule verlassen müssen. Außerdem sei ein anderer Lehrer, dem ebenfalls Missbrauch vorgeworfen worden sei, auf Druck gegangen. Der Schulleiter habe ihm aber zu einem neuen Job verholfen. Der beschuldigte Lehrer sagte der FAS, dass er nur mit einigen Jungs auf deren Wunsch im Schlafanzug getobt habe.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat 6 der 13 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an der Schule eingestellt. Die noch laufenden Verfahren betreffen sechs ehemalige Lehrer und einen beurlaubten Pädagogen. Zwei beschuldigte Ex-Lehrer seien schon tot, in zwei weiteren Fällen seien die Taten verjährt, sagte ein Sprecher am Freitag. In zwei anderen Verfahren seien keine konkreten Straftatbestände zu erkennen. Dazu zähle auch das Verfahren gegen den früheren Schulleiter Gerold Becker, der als Hauptbeschuldigter gilt. Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern verjährt 20 Jahre, nachdem das Opfer volljährig geworden ist.

An dem für seine Reformpädagogik bekannten Elite-Internat waren Anfang März mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs bekanntgeworden. Die Schule geht von etwa 40 Opfern in den Jahren zwischen 1966 und 1991 aus. Die Schule feierte vor kurzem ihr 100-jähriges Bestehen.

Der nächste wichtige Termin für die Odenwaldschule ist der letzte Samstag im Mai - dann sollen ein neuer Vorstand und ein neuer Sprecher des Trägervereins gewählt werden. Bei einer Krisensitzung Ende März waren fünf Vorstände zurückgetreten. Ihnen wurde mangelnde Bereitschaft zur Aufklärung vorgeworfen. Der bei diesem Treffen zum Sprecher des Trägervereins gewählte Sprecher Philipp Sturz will seinen Posten schon wieder aufgeben, weil mehrere frühere Mitglieder den Verein nicht verlassen möchten.

Kriminalität / Schulen
02.05.2010 · 13:31 Uhr
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