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Obama verspricht Muslimen einen Neuanfang

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Kairo/Dresden (dpa) - Die bei vielen Muslimen verhassten Vereinigten Staaten wollen einen Neuanfang in der islamischen Welt: US-Präsident Barack Obama beschwor am Donnerstag in einer historischen, fast einstündigen Ansprache im Kuppelsaal der Universität von Kairo den Willen zur Versöhnung.

Das Ansehen der USA, dem engsten Verbündeten Israels, hatte wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan sowie schwerer Menschenrechtsverletzungen in US- Gefängnissen und -Lagern unter Obamas Vorgänger George W. Bush massiv gelitten. Obama reiste am Abend nach Deutschland weiter.

Fast acht Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 machte der US-Präsident in Kairo unmissverständlich klar, dass «der engstirnige Hass einer kleinen Gruppe» nichts mit dem tiefen Glauben einer Milliarde Menschen gemein habe. Während der Rede brandete immer wieder Beifall auf. Rund um den Globus verfolgten Millionen Menschen die Grundsatzrede des ersten schwarzen US-Präsidenten vor 2500 geladenen Gästen. Die Ansprache wurde auch über soziale Netzwerke und die Internetplattform Twitter verbreitet. Damit sollten viele jugendliche Muslime eingebunden werden.

Nach einem Abstecher zu den Pyramiden von Giseh nahe Kairo, dem einzigen noch weitgehend erhaltenen antiken Weltwunder, flog Obama zu einem Kurzbesuch nach Deutschland. Er traf am Abend mit der Präsidentenmaschine Air Force One in Dresden ein. In Dresden will Kanzlerin Angela Merkel mit dem US-Präsidenten an diesem Freitag unter anderem über den Nahost-Friedensprozess sprechen.

Der US-Präsident reichte in Kairo den Muslimen die Hand und rief zur Überwindung von Missverständnisse und Klischees auf. Zur Lösung des Nahost-Konflikts sprach er sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus und forderte vom Iran im Atomstreit den Dialog mit dem Westen.

Der US-Präsident setzte sich für ein Ende der «Spirale aus Misstrauen und Zwietracht» zwischen dem Westen und der islamischen Welt ein. Gewalttätige Extremisten hätten die Spannungen zwischen beiden Welten ausgenutzt. Die Anschläge vom 11. September 2001 hätten bei vielen Amerikanern den falschen Eindruck erweckt, dass die islamische Welt dem Westen und den Menschenrechten feindselig gegenüberstehe.

«Solange wir unser Verhältnis über unsere Differenzen definieren, werden wir die stärken, die Hass säen.» Obama sprach von einem «kalten Krieg», in dem islamische Länder lediglich benutzt worden seien, ungeachtet ihrer eigenen Wünsche. Der US-Präsident ließ Zitate aus dem Koran, der Bibel und dem Talmud in seine Rede einfließen. Die Muslime rief er auf, sich mit den USA gegen die Extremisten des Terrornetzwerks El Kaida zu verbünden.

Die Spannungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt seien auch in jüngerer Zeit durch einen «Kolonialismus» genährt worden, der die Rechte und Möglichkeiten vieler Muslime untergraben habe. Obama verwies auf den Irakkrieg, der demonstriert habe, dass die USA verstärkt auf Diplomatie und internationale Gemeinsamkeiten setzen müssten. «Im Gegensatz zu Afghanistan war der Irak-(Krieg) eine Entscheidungssache, und er hat in meinem Land und in der Welt große Meinungsverschiedenheiten ausgelöst», bekannte Obama.

Der US-Präsident betonte die Rechte der Palästinenser und forderte erneut einen Stopp des israelischen Siedlungsbaus. Er sprach vom Elend in den palästinensischen Flüchtlingslagern und «täglichen Erniedrigungen», unter denen die Palästinenser in den besetzten Gebieten litten. «Es gibt keinen Zweifel: Die Lage der Palästinenser ist nicht hinnehmbar.» An die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen appellierte er, die Gewalt zu beenden, frühere Vereinbarungen zu respektieren und das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Hamas-Sprecher Fausi Barhum sprach von «weicher Diplomatie». Es fehlten Hinweise auf praktische Schritte zur Beendigung der israelischen Blockade und des Siedlungsausbaus.

Obama warnte vor «groben Stereotypen» über die USA. Die USA seien keineswegs eine «eigennützige Imperialmacht». Amerika sei eine der «großartigsten Quellen des Fortschritts in der Welt», die es je gegeben habe. Die USA seien dem Ideal der Gleichheit der Menschen verpflichtet, für das Amerika in den Jahrhunderten viel gekämpft und Kriege geführt habe. Dies zeige sich auch in der Tatsache, dass ein Afroamerikaner mit dem Namen Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt werden konnte.

In der arabischen Welt stieß die Rede auf ein weitgehend positives Echo. «Wir danken Obama für diese historische Friedensbotschaft», sagte der Mufti von Syrien, Scheich Ahmed Badreddin Hassun. Der syrische Politologe Sami Mobeid erklärte: «Diese Rede stellt einen Paradigmenwechsel in der amerikanischen Politik dar.» Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sprach von einer neuen Vision Obamas für die Beziehungen zu den islamischen Ländern und für die Palästinenserfrage.

Die Regierung in Israel gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die «dramatische Rede» Obamas tatsächlich zu einer neuen Ära der Versöhnung zwischen Israel und der arabisch-muslimischen Welt führe. Auf Obamas Kritik am Ausbau jüdischer Siedlungen ging sie zunächst nicht ein.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, Obama habe allen Menschen, die diese Hoffnung auf Frieden und Sicherheit teilten, eine klare Herausforderung aufgezeigt. «Jetzt müssen wir uns an die Arbeit machen, damit wir (seine Worte) in konkrete Handlungen umsetzen.»

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem «sehr substanziellen Angebot» an die islamische Welt und einem «wichtigen Signal für dringend notwendige Fortschritte im Nahost- Friedensprozess».

Nach einem Besuch der Dresdner Frauenkirche wird Obama in Begleitung der Kanzlerin am Freitagnachmittag in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar erwartet. Als erster US-Präsident besucht er ein ehemaliges Konzentrationslager auf deutschem Boden. Zum Abschluss seines knapp eintägigen Deutschland-Aufenthalts wird Obama am frühen Abend in Landstuhl in der Pfalz erwartet, wo er ein amerikanisches Militärhospital besuchen will. Am Samstag nimmt der US-Präsident in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten teil.

International / USA / Nahost / Saudi-Arabien
04.06.2009 · 22:39 Uhr
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