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Obama und Merkel - politische Vernunftbeziehung

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Dresden (dpa) - Barack Obama gibt sich Mühe mit der deutschen Kanzlerin. Auch bei der Aussprache des Vornamens von Angela Merkel. Sein Vorgänger George W. Bush redete seine politische Freundin aus Berlin ja über Jahre immer in bestem Texanisch-Englisch mit «Ängschelah» an.

Obama habe sich bei seinen diversen Begegnungen mit der Kanzlerin im April dagegen stets einer deutschen Aussprache von «Angela» befleißigt, wussten Zuhörer zu berichten.

Vor dem zweiten Deutschlandbesuch Obamas hatten einige Beobachter allerdings den Eindruck, dass die Zuneigung des US-Präsidenten zur Kanzlerin trotz dieser Bemühungen gewisse Grenzen hat. Das Pochen von Obamas Beratern auf ein straffes Programm schien von einer gewissen Distanz zu zeugen.

Die Vorzeichen der Visite haben sich nun aber praktisch über Nacht wieder geändert. Neben dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald und den politischen Gesprächen in Dresden gibt es überraschend doch noch ein kleines Beiprogramm. Die Amerikaner willigten am späten Mittwochabend nach einigem Hin und Her in den Besuch der Frauenkirche ein. Und schon ist der Eindruck ein wenig verwischt, als sei der Deutschland-Besuch lediglich eine Art Pflicht- Zwischenstopp auf Obamas vierter Auslandsreise.

Dennoch dürften einige Außenexperten auch nach dem Besuch noch die These vertreten, dass die Beziehungen zwischen Merkel und Obama deshalb nicht so gut seien, weil die Kanzlerin ihm als Wahlkämpfer vor einem Jahr eine Rede vor dem Brandenburger Tor vermasselt hat. Die Mär hält sich schon lange. Allerdings: Bei den Begegnungen von Obama und Merkel im April auf dem G20-Gipfel in London und beim anschließenden NATO-Jubiläumstreffen in Baden-Baden und Straßburg war trotz der Brandenburger-Tor-Geschichte keine Disharmonie zwischen Obama und Merkel zu erkennen.

Im Gegenteil: In London trug Obama, nachdem es zuvor ganz andere Signale aus Washington gegeben hatte, die von den Europäern gewünschte stärkere Regulierung der internationalen Finanzmärkte mit. In Straßburg überzeugte er letztlich die Türken, den Dänen Anders Fogh Rasmussen als neuen NATO-Generalsekretär zu akzeptieren. Das war alles im Sinne der Kanzlerin. Im kleinen Kreis hatte sich Merkel dann auch zufrieden mit dem Wirken des neuen US-Präsidenten gezeigt. Auch in Sachen Opel führte sie kürzlich ein wohl ziemlich konstruktives Telefonat mit dem Mann im Weißen Haus.

George W. Bush hatte an Merkel freilich einen Narren gefressen. Der Texaner konnte nicht genug hören von ihrem Leben in der DDR und ihrem politischen Aufstieg nach der Wende. Merkel wiederum schmeichelte das Interesse des damals mächtigsten Manns der Welt. So entstand eine enge persönliche Beziehung.

So weit sind Merkel und Obama noch nicht. Zu viel ist wegen der Wirtschaftskrise auf den Präsidenten und die Kanzlerin zugekommen, dass sie sich bislang der persönlichen Chemie widmen konnten. Auch in Dresden und Buchenwald ist dafür kein Platz. Dennoch ist der zweite Aufenthalt Obamas in Deutschland innerhalb von drei Monaten wohl ein Zeichen, dass der US-Präsident eine enge Vernunftbeziehung zu Merkel und Deutschland aufbauen will.

Die Idee zum Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald kam dabei von Obamas Seite. Den Amerikanern ist der Aufenthalt wohl schon wegen der Ausgewogenheit der Reise wichtig. In Kairo versprach Obama den Muslimen am Donnerstag einen «neuen Anfang» in den Beziehungen zur westlichen Welt. Der Besuch in Buchenwald soll symbolisieren, dass die USA aber immer auch ein starker Fürsprecher der Juden in aller Welt und insbesondere Israels bleiben werden. Für Merkel ist der Besuch der Frauenkirche in Dresden von besonderer Bedeutung, weil das Gotteshaus ein Zeichen für den Wiederaufbau und die Überwindung der deutschen Teilung ist. Es spiegelt einen glücklichen Teil deutscher Geschichte wider.

International / Deutschland / USA
05.06.2009 · 22:35 Uhr
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