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Obama macht sich für Homoehe stark

Zwei Manner bei der Gay Pride in New York: Obama setzt sich für die Schwulen-Ehe ein. Es ist ein riskanter Schritt sechs Monate vor der Wahl. Foto: Justin Lane

JWashington (dpa) - Paukenschlag im US-Wahlkampf: Ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl hat sich der demokratische Amtsinhaber Barack Obama erstmals öffentlich für die Homoehe stark gemacht.

In einem Fernsehinterview erklärte Obama als erster amtierender Präsident der US-Geschichte, Schwule und Lesben sollten genauso wie heterosexuelle Paare heiraten können - mit den gleichen Rechten und Pflichten. Obama stellte sich damit gegen seinen designierten republikanischen Herausforderer Mitt Romney, der eine Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe ablehnt.

Obamas Entscheidung dürfte zu einer noch stärkeren Polarisierung im Wahlkampf führen. Sozialkonservative Kritiker kündigten bereits an, dass sie den Schritt des Präsidenten im Rennen ums Weiße Haus zu einem großen Thema machen wollen.

US-Kommentatoren sprachen von einem historischen, ja monumentalen Schritt des Präsidenten. Manche zogen sogar Parallelen zu Lyndon B. Johnsons Unterstützung gleicher Rechte für die Schwarzen im Jahr 1964. Allerdings lauerten auch Risiken für Obama. Er werde zwar wahrscheinlich bei der Wahl am 6. November junge Leute für sich gewinnen. Aber auf der anderen Seite könnte seine Haltung konservativen Gegnern neuen Antrieb und neue Energie geben.

Bisher hatte sich der Präsident lediglich für eingetragene Partnerschaften von Homosexuellen stark gemacht - zwar mit gleichen Rechten, wie sie traditionelle Ehen mit sich bringen, aber nicht als «Ehe» definiert. Kritiker auch in den eigenen Reihen warfen ihm eine «Wischiwaschi»-Haltung vor. Seine Meinung habe sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, sagte Obama nun am Mittwoch in dem Interview des Senders ABC.

Er habe in den vergangenen Jahren viele Gespräche geführt. «Zu einem bestimmten Zeitpunkt bin ich schlicht zu dem Schluss gekommen, dass es für mich persönlich wichtig ist (...) zu bestätigen, dass ich glaube, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Lage sein sollten zu heiraten.» Alle Amerikaner müssten gleich behandelt werden.

Romney wies den Vorstoß zurück. An seiner Haltung habe sich nicht geändert: «Ich glaube, eine Ehe ist eine Beziehung zwischen Mann und Frau.» Romney bekräftigte zugleich, dass er für sogenannte «häusliche Partnerschaften» ist - mit begrenzten Rechten für homosexuelle Paare.

Obamas Vorstoß mache eine ohnehin knappe Wahl noch knapper, kommentierte ein CNN-Experte für Politik und Religion. Ein anderer Analyst meinte, der Präsident mobilisiere damit Demokraten und Republikaner gleichermaßen. Die «New York Times» schrieb, Obama habe in den Wahlkampf nun ein soziales Thema einbracht - und zwar eines der am heftigsten diskutierten. Die «Washington Post» begrüßte in einem Kommentar Obamas Position als «willkommene Entwicklung.» Der Präsident der Katholischen Liga, Bill Donohue, fasste die Ablehnung vieler konservativer Kreise in Worte: «Ein Kind braucht eine Mutter und einen Vater.»

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden in den USA seit Jahren zunehmend akzeptiert. So setzte Obama 2011 durch, dass sich Schwule und Lesben in den US-Streitkräften outen können, ohne eine Entlassung fürchten zu müssen. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage unterstützen 50 Prozent der US-Bürger eine rechtliche Verankerung gleichgeschlechtlicher Ehen, 48 Prozent lehnen sie ab.

30 Bundesstaaten haben der «Washington Post» zufolge in ihrer Verfassung ein Verbot von Schwulen-Ehen verankert, in sechs Staaten und dem Stadtbezirk Washington sind sie erlaubt. In 12 Staaten werden «eingetragene Partnerschaften» mit vollen oder «häusliche Partnerschaften» mit begrenzten Rechten anerkannt.

Obamas Position, das stellte der Präsident selbst heraus, beschneidet die Rechte der Staaten im Umgang mit Homoehen nicht: Das bleibe ihnen weiter selbst überlassen, sagte der Präsident.

Am vergangenen Wochenende war der Druck auf Obama gewachsen, seine Position in dieser Frage klarzustellen. Sein eigener Vizepräsident Joe Biden setzte ihn unter Zugzwang, indem er in einer TV-Talkshow sagte, dass er selbst überhaupt keine Probleme mit Homo-Ehen habe.

Obama betonte in dem Interview, dass es sich um seine persönliche Auffassung handele, die auch seine Frau Michelle teile. Zugleich zeigte er sich überzeugt davon, dass im Laufe der Zeit immer weniger Amerikaner Probleme mit Homo-Ehen hätten. Als Beispiel nannte er seine eigenen Töchter: «Malia und Sasha haben Freunde mit Eltern, die gleichgeschlechtliche Paare sind. Es hat Zeiten gegeben, da haben Michelle und ich beim Essen gesessen, und wir haben über ihre Freunde und deren Eltern gesprochen, und Sasha und Malia hätte es nicht im Entferntesten gedämmert, dass die Eltern ihrer Freunde irgendwie anders behandelt würden. Es hat keinen Sinn für sie.»

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ABC-Interview
Gesellschaft / USA
10.05.2012 · 16:55 Uhr
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