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Obama leitet Truppenabzug aus Afghanistan ein

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Washington/Kabul (dpa) - Nun ist es offiziell: US-Präsident Barack Obama fängt an, die US-Truppen aus Afghanistan zurück zu holen. Andere Länder wollen nachziehen, Berlin zögert noch. Aus Kabul kommt Lob, in der Heimat erntet der US-Präsident aber auch viel Enttäuschung.

Obama holt bis zum nächsten Sommer ein Drittel seiner Soldaten aus Afghanistan nach Hause. In Kabul begrüßte Präsident Hamid Karsai die Ankündigung des US-Präsidenten. Auch andere Staaten wollen ihre Truppenstärke verringern. Die Bundeswehr soll dagegen zunächst noch in voller Stärke am Hindukusch bleiben. Den radikalislamischen Taliban in Afghanistan geht der US-Abzug nicht schnell genug. Sie drohen mit einer Eskalation der Gewalt.

Obama hatte in einer Rede an die Nation am Mittwochabend (Ortszeit) angekündigt, bis zum Sommer nächsten Jahres 33 000 von derzeit rund 100 000 US-Soldaten aus Afghanistan heimzuholen. Bereits in diesem Jahr soll der Truppenumfang am Hindukusch um 10 000 schrumpfen. «Die Kriegsflut ebbt ab», versprach Obama seinen Landsleuten. Seine Entscheidung stützte er insbesondere auf deutliche Fortschritte im Kampf gegen die Al-Kaida-Terroristen, die Afghanistan lange Jahre als Operationsbasis benutzt hatten.

Obama, der sich im November 2012 zur Wiederwahl stellt, war in den vergangenen Monaten im eigenen Land zunehmend unter Druck sowohl von rechts und links geraten, seinen Truppenabzug zu beschleunigen. Angesichts der hohen Kosten von rund 1,3 Billionen Dollar für die Kriege im Irak und Afghanistan, der hohen Staatsverschuldung und weiterhin schwachen Wirtschaft war die Unterstützung für den Afghanistan-Krieg stetig gesunken.

Allerdings hatten viele Militärexperten und Generäle davor gewarnt, die Fortschritte in Afghanistan durch eine zu frühe Schwächung der Kampftruppenstärke aufs Spiel zu setzen. Entsprechend äußerten sich auch beide Seiten in den USA enttäuscht über Obamas Abzugsplan.

Dagegen sagte Karsai in Kabul: «Das ist ein bedeutender Schritt zum Nutzen sowohl der Vereinigten Staaten als auch des afghanischen Volkes.» Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen reagierte positiv: «Die Entscheidung des Präsidenten ist ein natürliches Ergebnis der Fortschritte, die wir gemacht haben», erklärte er in Brüssel. «Wir sehen, dass sich das Blatt wendet.»

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte Obamas Plan. Er bekräftigte zugleich die bisherige Planung der Bundesregierung, nach der die Reduzierung der Bundeswehr-Truppe am Hindukusch Ende des Jahres beginnen soll, falls es die Lage erlaubt. Wieviele Soldaten dann nach Hause zurückkehren sollen, ließ Westerwelle offen. «Wir haben Vorstellungen, aber wir wollen erst dann konkrete Zahlen nennen, wenn sie verkündungsreif sind», sagte der Minister in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Frankreich will dagegen «angesichts der erzielten Fortschritte» den schrittweisen Truppenabzug nach dem Vorbild der USA einleiten, wie Staatspräsident Nicolas Sarkozy mitteilen ließ. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Paris sollen die ersten der derzeit rund 4000 Soldaten nach dem Sommer heimkehren. Dann sei geplant, die Verantwortung für die Sicherheit im Distrikt Sarobi an die Afghanen zu übergeben.

Spanien will mit dem Rückzug seines gut 1500-köpfigen Kontingents im kommenden Jahr beginnen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Efe unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtete, schließt Madrid einen Abzug von Soldaten noch dieses Jahr aus. Der britische Premierminister David Cameron bekräftigte seine Pläne, die 9000 Soldaten seines Landes bis 2015 aus Afghanistan zu holen. Australien will seine 1500 Mann starke Truppe wie geplant bis 2014 vor Ort lassen, um afghanische Soldaten auszubilden.

«Wir beginnen diesen Truppenabbau von einer Basis der Stärke aus», sagte Obama in seiner Rede mit Bezug auf die Erfolge im Kampf gegen das Terrornetz Al-Kaida. Anfang Mai hatte eine US-Spezialeinheit Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in seinem Unterschlupf im pakistanischen Abbottabad getötet.

Der Präsident verwies auch auf Fortschritte beim Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte, denen die USA und die Nato bis Ende 2014 die Verantwortung für die Sicherheitslage im Land übertragen wollen. Bis dahin solle der US-Truppenabbau «stetig» fortgesetzt werden, sagte Obama, ohne Einzelheiten zu nennen.

Mit Blick auf die finanziellen Belastungen durch den Krieg versprach Obama der Nation, dass sich Amerika nunmehr verstärkt wiede rum sich selbst kümmern werde. «Amerika, es ist Zeit, wir uns auf den Bau unserer Nation hier daheim zu konzentrieren.»

Der Teilabzug von US-Truppen aus Afghanistan wird den Kampf gegen die Taliban nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums in Kabul nicht schwächen. «Es gibt keinen Grund zur Sorge, weil der Abzug dieser Soldaten keinen Einfluss auf Sicherheit oder geplante Operationen haben wird», sagte Ministeriumssprecher Sahir Asimi. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien «vollständig darauf vorbereitet, das Vakuum zu füllen».

Die Taliban drohten hingegen mit einer Eskalation der Gewalt. «Die Lösung der Krise in Afghanistan liegt in dem sofortigen vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen», teilten die radikal-islamischen Aufständischen mit. «Solange dies nicht geschieht, wird unser bewaffneter Kampf Tag für Tag stärker werden.»

Konflikte / USA / Afghanistan
23.06.2011 · 18:24 Uhr
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