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Nüchtern und elegant: Die Trikots der Deutschen

Lahm, Schweinsteiger und Mertesacker (v.l.) im neuen DFB-Trikot.Großansicht
Köln (dpa) - Manche finden es elegant, manche finden es ein bisschen langweilig: Schwarz und weiß ist seit jeher die typische «Arbeitskleidung» der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Zwar gab es im Laufe der WM-Geschichte so manche modische Änderung, doch gegen die teils knalligen Trikots anderer Länder wirken die Trikots der deutschen Elf eher schlicht. «Schwarz und weiß gelten als Nicht Farben und damit als neutral. Im übertragenen Sinn steht das für Understatement, Nüchternheit und Kühle», sagt der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln, Gerd Müller-Thomkins.

Ob beim WM-Sieg 1954 oder 1974: Lange kamen die Leibchen ganz ohne farbliche Akzente aus, beschränkten sich auf weiß mit schwarzen Bündchen. Mal hatten sie ein Kordelbändchen (1954), mal einen schwarzen Hemdkragen und die drei adidas-Streifen auf dem Ärmel (1982).

Eine echte Revolution gab es dann 1990: Ein breiter schwarz-rot- goldener Zickzack-Streifen zog sich über die Brust. «Das war was ganz besonderes, weil es das erste Trikot seit Jahrzehnten war, das wirklich aus der Rolle fiel», erinnert sich Sascha Theisen, der zum Thema Trikots den Internet-Blog «captain-trikot» betreibt.

Doch Begeisterung löste die «neue Farbigkeit», die sich in abgewandelter Form auch im WM-Trikot von 1994 wiederfand, nicht überall aus. Jüngst schrieb das Stadtmagazin «Prinz», das 1990er-Hemd bleibe «als das vielleicht hässlichste Trikot aller Zeiten im Gedächtnis». Dennoch: Es begleitete Deutschland auf dem Weg zum Weltmeistertitel - und ist darum eng mit den Erinnerungen an dieses Ereignis verbunden. «Andy Brehmes Elfmeter von Rom ohne Zickzack- Deutschland-Fahne? Undenkbar!», findet Theisen.

«Trikots haben im Bewusstsein generell eine große Bedeutung», meint der 39-Jährige aus Pulheim bei Köln. «Man hat eine Spielszene vor Augen - und das heißt, man sieht die Spieler in ihren Trikots», Wohl darum ist einigen Fans ein altes Hemdchen als Erinnerungsstück viel wert: Erst vor kurzem sei bei Ebay ein grünes Auswärtstrikot aus den 80ern für rund 400 Euro verkauft worden.

Überhaupt die Auswärtstrikots: Der Wechsel von Grün zu Rot unter dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann erhitzte die Gemüter vieler Fans. Was für ein Traditionsbruch! Schließlich waren schon Idole wie Günter Netzer und Franz Beckenbauer in den 70ern in Grün aufgelaufen. Anstatt der «Farbe der Hoffnung» wurde nun auf einmal ein flammendes Rot präsentiert, um Aggressivität und Kampfgeist auszudrücken. Wenn es nach «Klinsi» gegangen wäre, hätte das Rot sogar das weiße Heimspiel-Trikot ersetzen sollen.

Zur WM 2010 in Südafrika wurde die Farbe erneut gewechselt. Jetzt ist das Auswärtstrikot schwarz und soll nach Angaben von adidas an den ersten Auftritt einer deutschen Nationalmannschaft 1898 in Paris erinnern.

Neu eingeführte Trikots werden optisch häufig in Verbindung zu früheren Erfolgen gebracht. So war das deutsche Heimtrikot 2002 wieder ganz auf schwarz-weiß reduziert und sollte an die beiden WM-Titel von 1954 und 1974 erinnern. Beim heutigen Trikot liegt das DFB-Wappen mit dem Adler auf schwarzem Grund - laut adidas in Anspielung auf das Trikot von 1996, als Deutschland Europameister wurde.

Solche Erinnerungs-Merkmale entsprächen dem allgemeinen Zeitgeist, sagt Modeexperte Müller-Thomkins: «Die Menschen wollen wissen, wo etwas herkommt - das gilt auch für das Thema Mode.» Die Frage der Herkunft vermittle «ein Gefühl von Authentizität und Wahrhaftigkeit, über das man seine Identität definiert».

Die Identität und der Zusammenhalt der deutschen Mannschaft werden beim aktuellen Trikot auch durch die elf schmalen Längsstreifen symbolisiert. Zumindest in modischer Hinsicht hat das Team nach Expertenmeinung schon gewonnen: Eine Jury des Studiengangs Modedesign an der Mediadesign Hochschule Berlin/München/Düsseldorf wählte Deutschland zum Trikot-Weltmeister 2010.

Fußball / WM / Mode
13.06.2010 · 22:51 Uhr
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