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NS-Prozess gegen Demjanjuk beginnt

München (dts) - Der mutmaßliche KZ-Aufseher John Demjanjuk muss sich ab heute vor dem Landgericht München verantworten. Der 89-Jährige soll während des Zweiten Weltkriegs im Vernichtungslager Sobibór am Mord an mindestens 27900 Juden beteiligt gewesen sein. Die Klage gegen Demjanjuk war von der Staatsanwaltschaft München erhoben worden, etwa 20 Angehörige von in Sobibór ermordeten Juden treten als Nebenkläger auf. Der Prozess wird um 10 Uhr eröffnet. Demjanjuk, ein gebürtiger Ukrainer, war als Rotarmist in deutscher Kriegsgefangenschaft zum KZ-Wachmann ausgebildet worden. Von März bis Oktober 1943 habe er geholfen, die in Sobibór ankommenden Juden vom Zug in die angeblichen Duschräume zu treiben, wo diese anschließend getötet wurden. Zudem habe er die rassenideologische Weltanschauung des Nationalsozialismus angenommen, so die Anklageschrift. Der 89-Jährige selbst hatte bislang beteuert, sich bis zum Herbst 1944 in einem ukrainischen Kriegsgefangenenlager befunden zu haben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Angeklagte in die USA ausgewandert. Die Staatsanwaltschaft beruft sich auf Demjanjuks Dienstausweis, der von der SS ausgestellt wurde, sowie dessen Erwähnung auf Verlegungslisten und im Waffenbuch der Lager Trawniki, Sobibór und Flossenbürg. Ein ehemaliger SS-Wachmann wird zudem zu seiner Zusammenarbeit mit Demjanjuk aussagen. Das Ende des Prozesses wird für Mai 2010 erwartet, im Schuldfall droht dem Angeklagten eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Demjanjuk leidet allerdings an Altersleukämie, seine Lebenserwartung beträgt nach Ansicht seiner Ärzte weniger als ein Jahr. Das vielfach beobachtete Verfahren wird als letzter großer NS-Prozess gehandelt.
DEU / Nationalsozialismus / Justiz
30.11.2009 · 09:16 Uhr
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