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Norwegens Regierung zieht um - aber wohin?

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Kopenhagen/Oslo (dpa) - In Oslo sind 2000 Regierungsbüros durch die Autobombe des Attentäters zerstört oder beschädigt worden. Der Wiederaufbau des Regierungsviertels wird Jahre dauern. Wohin in der Zwischenzeit?

Fünf Tage nach der Explosion im Osloer Regierungsviertel geht zumindest im ersten der zeitweise verwaisten Ministerbüros die Arbeit wieder los. Kirchen- und Verwaltungsministerin Rigmor Aasrud konnte mit zunächst 20 Mitarbeitern wieder in die gewohnten Räume ziehen.

«Ich freue mich, dass wir wieder normale Dinge erledigen können», sagte die Sozialdemokratin der Nachrichtenagentur NTB. Aber die Aussicht aus ihrem Bürofenster auf das Regierungshochhaus an der Akergata mit den total zerstörten Fensterfronten zeigt ihr, dass es ein weiter Weg ist, bis die knapp fünf Millionen Norweger wieder normal regiert werden.

«Das zeigt, welche Kräfte da am Werk gewesen sind», sagte die Ministerin, in deren Verantwortung auch die Aufsicht über die Regierungsgebäude fallen. Sie steht vor schweren Entscheidungen. 13 von 18 Ministerien bekommen eine provisorische Adresse. 2000 Büroplätze fehlen, seit der Rechtsradikale Anders Behring Breivik am Freitag um kurz vor halb vier eine 500-Kilo-Bombe in einem Lieferwagen detonieren ließ. Unter den acht Toten sind auch Regierungsbeamte.

Am schlimmsten zerstört wurde das Öl- und Energieministerium. Für das durch Öl und Gas aus der Nordsee reich gewordene Norwegen ein wichtiges Ressort. Ministerpräsident Stoltenberg hatte Gästen wie US-Präsident Barack Obama von der Chefetage aus immer gern die herrliche Aussicht auf den Oslofjord gezeigt.

Darauf muss er auf möglicherweise für immer verzichten. Als offen gilt, ob das Gebäude abgerissen werden muss. «Die Fachleute werden entscheiden», sagte Aasrud. «Man sieht das gewaltige Ausmaß der Schäden erst, wenn man ganz dicht drangewesen ist», ergänzte Stoltenberg im TV-Sender NRK nach einem gemeinsamen Ortstermin mit König Harald.

Selbst zieht der 52-jährige Sozialdemokrat erstmal auf die Akershus-Festung am Hafen um, wo das Verteidigungsministerium mit der sozialdemokratischen Parteikollegin Grete Faremo an der Spitze zusammenrücken muss. Auf dem Immobilienmarkt werden für andere Ressort geeignete Übergangsunterkünfte gesucht.

Ob es schon Berechnungen der Kosten des Wiederaufbaus gebe, wurde Stoltenberg am Mittwoch gefragt. Nein, sagte der Ministerpräsident, die Zeit für solche Überlegungen sei noch nicht gekommen.

Ausland / Terrorismus / Extremismus / Regierung / Norwegen
27.07.2011 · 22:46 Uhr
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