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Nordkorea feuert weitere Raketen ab

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Seoul (dpa) - Nordkorea bietet der Weltgemeinschaft weiter die Stirn. Unbeeindruckt von der Verurteilung seines Atomtests durch den Weltsicherheitsrat feuerte das nordkoreanische Militär erneut Kurzstreckenraketen ab.

Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsbeamten. Das Nachbarland setze sein «Säbelrasseln» fort, wurde der Beamte zitiert. Zwei Raketen seien an der Ostküste gestartet worden.

Wenige Stunden zuvor hatte der Weltsicherheitsrat Nordkoreas Atomtest überraschend schnell und einstimmig verurteilt. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen berät nun darüber, wie bestehende Sanktionen gegen das stalinistische Regime des Diktators Kim Jong Il verschärft werden sollen. Am Montag hatte Nordkorea mit einem Atomtest und dem Abschuss dreier Raketen international Besorgnis und Empörung ausgelöst. Es gebe Hinweise auf die Vorbereitung weiterer Raketentests an der Westküste des Landes, sagte der Regierungsbeamte.

Pjöngjang droht im nächsten Schritt eine neue «scharfe Resolution». Russland signalisierte bereits, dass es einen solchen Schritt im Sicherheitsrat mittragen werde. China protestierte nach Angaben eines Sprechers des Außenministeriums inzwischen direkt gegen die Politik Nordkoreas.

Die Bundesregierung bestellte den Botschafter Nordkoreas, Hong Chang Il, ein. Der Asien-Beauftragte des Auswärtigen Amtes, Hans-Heinrich Blomeyer-Bartenstein, erneuerte in dem Gespräch die deutsche Kritik an den Atom- und Raketentests. Nach Angaben des Ministeriums sprach er von einem klaren Bruch der entsprechenden UN-Resolutionen. Nordkorea habe sich mit seinem Vorgehen weiter isoliert.

US-Präsident Barack Obama versicherte Südkorea und Japan, dass sein Land weiter dem militärischen Schutz für die beiden Bündnispartner verpflichtet sei. Obama begrüßte die Ankündigung Südkoreas vom Dienstag, sich als Reaktion auf den Atomtest an der von den USA angeführten globalen Initiative zum Schutz gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu beteiligen. Nordkorea hatte Südkorea zuvor gewarnt, es werde dessen Aufnahme in der seit sechs Jahren bestehenden «Proliferations-Sicherheitsinitiative» (PSI) als «Kriegserklärung» auffassen.

Bei den Raketen am Dienstag habe es sich vermutlich um eine Boden-Luft- und eine Anti-Schiffsrakete mit Reichweiten von 130 Kilometern gehandelt, berichtete Yonhap. Der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte bestätigte die Angaben nicht. Nordkorea hatte laut Yonhap bereits am Montag dem unterirdischen Nukleartest drei Raketentests folgen lassen. Das Raketenprogramm Nordkoreas gilt neben dessen Atomwaffenprogramm als massive Bedrohung in der Region.

In einer Erklärung des UN-Sicherheitsrats, auf die sich die 15 Ratsmitglieder verständigten, äußerte das höchste UN-Gremium einmütig seine «entschiedene Opposition» zu Pjöngjangs Vorgehen. Die von Nordkorea ausgelöste nukleare Explosion sei ein «klarer Verstoß gegen Resolution 1718». Diese völkerrechtlich bindende Verlautbarung hatte der Rat im Jahr 2006 als Reaktion auf Nordkoreas ersten Atombombentest verabschiedet.

Die Sprengkraft der nordkoreanischen Atombombe vom Montag war nach ersten Erkenntnissen um ein Vielfaches größer als die bei einem ersten Test im Oktober 2006. US-Präsident Obama verurteilte den Test scharf als «Gefährdung der ganzen Welt» und vor allem Ostasiens. Der Atomtest bedeutet eine weitere Eskalation im Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm. Im April war Nordkorea aus Protest gegen die Kritik des Weltsicherheitsrats wegen eines Raketentests aus den internationalen Verhandlungen über sein Atomprogramm ausgestiegen.

Mit dem jüngsten Nuklearversuch habe Diktator Kim seinen Generalen einen Gefallen tun wollen, sagte der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk (CSU), dem «Nordbayerischen Kurier» (Mittwoch). Kim brauche das Militär, um die kommunistische Dynastie zu sichern und einen seiner Söhne als Nachfolger zu installieren. «Ich vermute, dass die gegenwärtige Eskalation mit der innerkoreanischen Situation zu tun hat», sagte Koschyk.

Konflikte / Atom / Nordkorea
26.05.2009 · 22:54 Uhr
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