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Nordkorea feuert Granaten Richtung Südkorea

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Seoul (dpa) - Bedrohliche Konfrontation im Gelben Meer: Die Situation auf der koreanischen Halbinsel ist am Dienstag gefährlich eskaliert.

Bei einem der schwersten Zwischenfälle seit dem Koreakrieg vor mehr als fünf Jahrzehnten wurden zwei südkoreanische Marinesoldaten durch Granatenbeschuss aus Nordkorea getötet; zahlreiche Menschen wurden verletzt, darunter auch Zivilisten. Die südkoreanischen Streitkräfte wurden daraufhin in die höchste Alarmbereitschaft seit dem Bruderkrieg versetzt. Weltweit löste die dramatische Lage Besorgnis aus.

Nach südkoreanischen Angaben feuerte Nordkorea mehr als 100 Granaten über dem Gelben Meer in Richtung Südkorea ab, rund 50 davon seien auf der Insel Yonpyong vor der Westküste eingeschlagen. Das südkoreanische Militär habe das Feuer sofort erwidert und nordkoreanische Artilleriestellungen unter Beschuss genommen. Kampfjets nahmen Kurs auf die Insel nahe der umstrittenen Seegrenze zwischen beiden koreanischen Staaten.

Den südkoreanischen Angaben zufolge wurden fünf Soldaten schwer und zehn weitere leicht verwundet. Auch drei Inselbewohner seien verletzt worden. Dutzende von Häusern seien in Brand geraten, hieß es aus Militärkreisen. Im Fernsehen war von 50 bis 60 brennenden Gebäuden die Rede. Aus ihnen stiegen dunkle Rauchwolken auf. Die etwa 1600 Inselbewohner seien in Sicherheit gebracht worden. Zahlreiche Bewohner flohen mit Booten von der Insel. Die Behörden sprachen von chaotischen Zuständen. «Häuser und Berge brennen», sagte ein Augenzeuge: «Die Menschen fürchten sich zu Tode.»

Südkorea warf dem kommunistischen Nachbarland eine «klare militärische Provokation» vor und warnte vor schweren militärischen Gegenschlägen für den Fall weiterer Angriffe. «Nordkorea muss die volle Verantwortung für den Angriff übernehmen», hieß es in der Erklärung des Präsidialamts in Seoul. Nordkorea drohte seinerseits mit weiteren Militärschlägen gegen das Nachbarland. Die oberste Kommandostelle der Volksarmee beschuldigte Südkorea, das Feuergefecht verschuldet zu haben.

«Sollte die südkoreanische Marionettengruppe es wagen, auch nur 0,0001 Millimeter in Nordkoreas Hoheitsgewässer vorzudringen, wird die revolutionäre Streitmacht nicht zögern, weiter gnadenlose militärische Gegenmaßnahmen zu ergreifen», hieß es in der von den staatlichen nordkoreanischen Medien veröffentlichten Erklärung des Truppenkommandos. Mit «Marionettengruppe» beschimpft Nordkorea üblicherweise die Regierung in Seoul.

Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak drohte militärische Angriffe auf nordkoreanische Raketenstellungen an, sollte es Anzeichen für neue Provokationen durch das Nachbarland geben. In einer Videokonferenz mit dem Vorsitzenden des Generalstabs, Han Min Koo, habe Lee angeordnet, zu «mehrfacher Vergeltung» gegen Nordkorea bereit zu sein, sagte eine Sprecherin des Präsidenten. «Der rücksichtslose Beschuss von Zivilisten kann niemals toleriert werden», sagte ein Sprecher Lees. Der Staatschef hielt mit seinem Stab eine Dringlichkeitssitzung in einem unterirdischen Bunker ab.

In der Vergangenheit ist es an der umstrittenen Seegrenze wiederholt zu militärischen Zwischenfällen gekommen. Zivile Einrichtungen seien aber seines Wissens seit dem Krieg (1950-1953) noch nicht beschossen worden, sagte ein Militär aus dem südkoreanischen Generalstab der Nachrichtenagentur dpa. Beide koreanische Staaten befinden sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da bisher kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Südkoreanische Militärs wiesen die Anschuldigungen Nordkoreas zurück. Bei der Seeübung der südkoreanische Marine zum Zeitpunkt der Zwischenfalls habe es sich um ein jährliches Manöver gehandelt, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. Die Übung habe 20 bis 30 Kilometer südwestlich von Yonpyong stattgefunden. Nordkorea hatte zuvor heftig gegen die Übung protestiert.

Die US-Regierung verurteilte den Angriff Nordkoreas «aufs Schärfste» und forderte einen Stopp der «aggressiven Aktion». Nordkorea müsse die Bestimmungen der Waffenstillstandsvereinbarung mit Südkorea voll einhalten, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Washington stehe in engem und ständigem Kontakt mit seinen koreanischen Verbündeten, betonte Sprecher Robert Gibbs. Die USA seien der Verteidigung Südkoreas und der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in der Region «tief verpflichtet».

Das Nachbarland China äußerte sich «besorgt» über den Granatenbeschuss, Japan verurteilte das Vorgehen. Russland rief beide Seiten zur Besonnenheit auf. Ähnlich alarmiert reagierten auch die EU- Außenbeauftragte Catherine Ashton und Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel war bereits vor dem neuerlichen Zwischenfall äußerst angespannt. Südkorea macht Nordkorea für die Versenkung eines seiner Kriegsschiffe im Gelben Meer verantwortlich. Bei dem Vorfall im März wurden 46 Soldaten getötet. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung.

Konflikte / Südkorea / Nordkorea
23.11.2010 · 16:03 Uhr
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