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Nordkorea droht mit weiteren Militärschlägen

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Seoul/Peking (dpa) - Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen weiter zu. Nordkorea drohte mit weiteren Militärschlägen. Als Folge des jüngsten Angriffs kündigte Südkorea an, die Streitkräfte auf seinen Inseln entlang der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer zu verstärken.

Die Einsatzregeln des Militärs sollen außerdem verschärft werden. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Young trat am Donnerstag nach zunehmender Kritik an der militärischen Reaktion auf den Artillerieangriff Nordkoreas auf eine Insel zurück. Bei dem Angriff am Dienstag - einem der schwersten Zwischenfälle seit dem Koreakrieg (1950-1953) - waren vier Menschen getötet worden, darunter zwei Zivilisten.

Chinas Regierungschef Wen Jiabao rief beide Länder zu «äußerster Zurückhaltung» auf. Peking fürchtet eine Eskalation auf der Halbinsel durch die angekündigten neuen Seemanöver Südkoreas mit den USA. Nach Gesprächen mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew sagte Jiabao in Moskau, er lehne «jede Form von militärischer Provokation» ab. Das berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Nach dem Angriff Nordkoreas wollen sich die Außenminister der USA, Japans und Südkoreas im Dezember zu Beratungen in Washington treffen, wie japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Kritisch äußerte sich ein Sprecher des Außenministeriums in Peking über die Entsendung eines US-Flugzeugträgers ins Gelbe Meer. «Wir haben die betreffenden Berichte gesehen und drücken unsere Sorge aus.» Die koreanischen Staaten sollten möglichst bald Gespräche beginnen, «um zu verhindern, dass ähnliche Zwischenfälle wieder passieren».

Aus Nordkorea kamen neue Drohgebärden. Ohne zu zögern werde die Volksarmee «eine zweite und dritte Runde von Vergeltungsschlägen ausführen, sollten Kriegstreiber in Südkorea erneut rücksichtslos militärisch provozieren», erklärte das Regime am Donnerstag. Es unterstellte Südkorea erneut, den Schusswechsel ausgelöst zu haben. Die Mitteilung der Volksarmee sei an die US-Streitkräfte in Südkorea übermittelt worden, berichteten die staatlichen Medien. Nordkorea hatte bereits nach dem Gefecht mit weiteren Militärschlägen gedroht.

Nach südkoreanischen Angaben feuerte Nordkorea 170 Granaten ab, von denen rund 80 auf der Insel Yonpyong vor der Westküste eingeschlagen seien. Ehe das erste Granatfeuer aus Nordkorea erwidert worden sei, seien 13 Minuten vergangen. Südkorea habe 80 Schüsse auf Artilleriestellungen im Norden abgegeben.

Präsident Lee Myung Bak habe das Rücktrittsgesuch des Verteidigungsministers angenommen, teilte das Präsidialamt in Seoul mit. «Die Entscheidung wurde heute getroffen, um die Disziplin des Militärs nach den jüngsten Entwicklungen wiederherzustellen», hieß es. Abgeordnete und Medien hatten unter anderem kritisiert, dass die Militärführung zu spät und zu lasch auf den Granatenbeschuss der Insel Yonpyong am Dienstag vor der Westküste reagiert habe.

Ein Nachfolger von Verteidigungsminister Kim soll an diesem Freitag ernannt werden. Kim hatte bereits im Mai nach der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes seinen Rücktritt angeboten. Für den Vorfall macht Südkorea ebenfalls das kommunistische Nachbarland verantwortlich.

Seitdem haben sich die Spannungen bereits deutlich verschärft. Nach dem Angriff auf die Insel fürchten die Menschen in der Region jetzt, dass eine weitere Eskalation einen größeren bewaffneten Konflikt bis hin zum Krieg auslösen könnte.

Die neuen Drohungen Nordkoreas kamen einen Tag, nachdem die USA und Südkoreas ein weiteres Seemanöver im Gelben Meer angekündigt hatten, um militärische Stärke zu demonstrieren. Zu der von Sonntag bis Mittwoch geplanten Übung schicken die USA ihren atombetriebenen Flugzeugträger «USS George Washington».

Nordkorea ging jedoch nicht auf das Manöver ein. Das Land hatte Südkorea nach dem Gefecht beschuldigt, während einer Seeübung zuerst geschossen zu haben. Südkorea weist dies zurück.

Die südkoreanische Regierung will die Militärpräsenz im Gelben Meer ausbauen. Die Einheiten auf den Inseln nahe der Grenzlinie sollen mit modernsten Waffen ausgerüstet werden. Pläne, die dort stationierten Marineeinheiten zu reduzieren, würden gestrichen, ließ Präsident Lee Myung Bak mitteilen. «Eine Provokation wie die jüngste kann jederzeit kommen.»

Die USA forderten China auf, klar gegen Nordkorea Stellung zu beziehen. Peking müsse ein deutliches Signal an Pjöngjang senden, dass es die provokativen Akte gegen Südkorea beenden müsse, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, in Washington.

Konflikte / Südkorea / Nordkorea
25.11.2010 · 23:01 Uhr
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