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Nobelpreise in Oslo und Stockholm überreicht

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten (l-r) Tawakul Karman (Jemen) sowie Leymah Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf (beide Liberia) bei der Zeremonie in Oslo. Foto: Cornelius PoppeGroßansicht

Oslo/Stockholm (dpa) - Der Friedensnobelpreis als Ermutigung für den Kampf von Frauen in aller Welt um Gleichberechtigung: Zum ersten Mal ist die Auszeichnung am Samstag in Oslo an drei Preisträgerinnen überreicht worden.

Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (73) und Leymah Gbowee (39) aus dem westafrikanischen Liberia sowie die Journalistin Tawakkul Karman (32) aus dem arabischen Jemen nutzten die Feier im Rathaus der norwegischen Hauptstadt zu kraftvollen Appellen für Frieden, Demokratie und vor allem Gleichberechtigung.

Die Verleihung der Nobelpreise in Stockholm stand im Zeichen eines behinderten Preisträgers und eines Toten: Der Lyriker Tomas Tranströmer ist nach einem Schlaganfall schwerbehindert, der Medizin-Preisträger Ralph Steinman starb wenige Stunden vor der Zuerkennung im Oktober.

Johnson-Sirleaf und Gbowee wurden für ihr Engagement zur Beendigung des Bürgerkrieges in Liberia geehrt. In dem Konflikt wurden auch Vergewaltigungen als systematische «Waffe» gegen Frauen eingesetzt. Karman ist eine der treibenden Kräfte bei dem vor allem von jungen Leuten getragenen Volksaufstand im Jemen gegen die brutale Diktatur unter dem scheidenden Präsidenten Ali Abdullah Salih.

Karman, die jüngste aller Friedensnobelpreisträger seit der ersten Vergabe 1901, sagte in Oslo: «Während ich hier spreche, verlangen junge Araber, Frauen wie Männer, bei friedlichen Demonstrationen Freiheit und Würde von den Regierenden.» Der Friedensnobelpreis an sie sei die «Anerkennung der ganzen Welt für den Triumph der friedlichen Revolution im Jemen».

Johnson-Sirleaf sagte zur Vergabe des Friedensnobelpreises an zwei Afrikanerinnen und eine Araberin, dies zeige die «Universalität unseres Kampfes». Sie meinte weiter: «Wenn ich hier zu Frauen und Mädchen überall sprechen darf, dann möchte ich eine simple Einladung aussprechen: Meine Schwestern, meine Töchter, meine Freundinnen, findet eure Stimme!»

Gbowee hatte als Streetworkerin Frauen gegen den Bürgerkrieg in Liberia mobilisiert und ist jetzt beim Aufbau einer friedlichen Zivilgesellschaft aktiv. Nobelkomitee-Chef Thorbjörn Jagland sagte zu den drei Preisträgerinnen in seiner Laudatio: «Sie repräsentieren eine der wichtigsten Triebkräfte für Veränderung in der heutigen Welt, wenn es um den Kampf für Menschenrechte im Allgemeinen und für die Gleichberechtigung von Frauen sowie für Frieden im Besonderen geht.»

Die drei Frauen teilen sich die Dotierung von umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen schwedische Kronen). Im vergangenen Jahr ging der Friedensnobelpreis an den damals wie heute inhaftierten chinesischen Oppositionellen Liu Xiaobo.

Bei der Verleihung der diesjährigen Nobelpreise in Stockholm ehrte Schwedens König Carl XVI. Gustaf auch einen Toten. An der traditionsreichen Zeremonie am Samstag im Konzerthaus konnte der Medizin-Preisträger Ralph M. Steinman nicht mehr teilnehmen. Der Kanadier war Anfang Oktober, wenige Stunden vor der Zuerkennung des Preises für seine Leistungen als Immunologe, im Alter von 68 Jahren gestorben.

Seine gleichzeitig ausgezeichneten Kollegen Bruce A. Beutler (USA) und Jules A. Hoffmann (Frankreich) teilten sich die Dotierung von zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) mit Steinmans Familie. Die Nobelstiftung hatte zunächst die Rücknahme der Komitee-Entscheidung erwogen, weil eine Vergabe an Tote nach dem Testament des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) eigentlich nicht möglich ist.

Trotz seiner starken Behinderung nahm der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer den Literaturnobelpreis aus der Hand des Königs entgegen. Der 80-Jährige kann seit einem Schlaganfall 1990 nur noch wenige, einzelne Wörter sagen und ist halbseitig gelähmt. Er galt seit vielen Jahren als Favorit auf den berühmtesten Literaturpreis der Welt.

Die wissenschaftlichen Preise blieben wieder reine Männersache mit starker US-Dominanz. Den Preis für Physik teilten sich Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA und Australien) und Adam G. Riess (USA) für ihre astrophysische Arbeit. Den Chemie-Preis erhielt der Israeli Dan Shechtman für die Entdeckung einer bisher unbekannten Kristallstruktur.

Den «Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften» teilen sich die US-Ökonomen Thomas J. Sargent und Christopher A. Sims. Die Nobelpreise werden seit 1901 traditionell am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobels (1833-1896).

Nobelpreise / International / Norwegen
10.12.2011 · 21:10 Uhr
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