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Nobelpreis: Arzneien nach dem Vorbild der Natur

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Stockholm (dpa) - Der Chemie-Nobelpreis geht an drei Forscher für Werkzeuge zum Bau natürlicher Arzneien und anderer Stoffe. Mit der chemischen Reaktion von US-Wissenschaftler Richard Heck und den Japanern Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki lassen sich komplexe Substanzen aus Kohlenstoff herstellen.

Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. «Ich habe bewusst keine Patente auf meine Entdeckungen angemeldet. Es sollen sich möglichst viele Menschen frei fühlen, nach sinnvollen Anwendungen dieser Forschungsergebnisse zu suchen», betonte Negishi (75) in einem Telefonat mit dem Nobelkomitee nach der Bekanntgabe. Der 79 Jahre alte Heck, der inzwischen auf den Philippinen lebt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Ich ahnte schon, dass es ein wichtiges Ergebnis ist. Aber was andere daraus machen würden, konnte ich natürlich nicht voraussehen.»    

«Das ist eine typische Entwicklung der Forschung, wo zunächst der Praxisbezug nicht so groß gewesen war. Aber heute sind die Entwicklungen der Industrie im großen Maßstab erreicht», erläuterte Prof. Alois Fürstner vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Die Heck-Reaktion werde bei der Herstellung von Sonnencremes benötigt. Die sogenannte Suzuki-Kupplung führe zu Flüssigkristallen für Displays oder Leuchtdioden.

Grundlage für natürliche Substanzen sind Kohlenstoffatome, die sich aber im Labor nicht einfach zu großen komplizierten Wirkstoffen zusammensetzen lassen. Die drei Chemiker nutzten vor allem Palladium-Atome, um ein Kohlenstoffatom mit dem anderen zu verbinden. Dabei entstehen Stoffe, wie sie bislang nur die Natur hervorbringen konnte.

Ein Beispiel: In der Karibik entdeckten Taucher Ende der 1980er Jahre einen sehr giftigen Schwamm namens Discodermia dissoluta. Mediziner fanden heraus, dass seine Gifte auch therapeutisch wirken: als Antibiotikum, Entzündungshemmer oder sogar gegen Viren. Sie können sogar Krebszellen hemmen. Doch es gab viel zu wenig von diesem Stoff namens Discodermolid. Mit Hilfe der von den Preisträgern entwickelten chemischen Reaktionen können solche Arzneien im größerem Maßstab produziert und nun auch an Menschen getestet werden.

Bei Blutdrucksenkern seien die Mediziner mit Hilfe der Suzuki-Kupplung schon weiter gekommen, sagte Herbert Plenio von der Technischen Universität Darmstadt. Der Wirkstoff Valsartan wird unter anderem in Deutschland breit eingesetzt. Auch Boscalid, ein Pflanzenschutzmittel gegen Pilzbefall, beruhe auf dieser Reaktion.

Palladium kann nicht nur Kohlenstoffatome verbinden, sondern auch Sauerstoff und Stickstoff an die entstehenden Moleküle heften. Erst diese Eigenschaft ermöglicht eine sehr vielfältige Palette an Substanzen. Das Metall Palladium wurde bislang auf anderem Gebiet bekannt: als Hauptsubstanz im Autokatalysator. Daher hat auch die Autoindustrie großen Bedarf daran.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan gratulierte dem 80-jährigen Suzuki. «Das wird junge Menschen ermutigen, hart zu arbeiten, um den Nobelpreis zu erhalten», sagte Kan.

Negishi und Suzuki erhalten als sechster und siebter Japaner den Chemie-Nobelpreis. «In einem ressourcenarmen Land wie Japan ist es sehr wichtig, die wissenschaftliche Entwicklung voranzutreiben», sagte Suzuki im japanischen Fernsehen.

Das Nobelkomitee hatte in diesem Jahr die Grundsubstanz des Lebens, den Kohlenstoff, im Visier. Die Physik-Preisträger, der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov, untersuchten das Wundermaterial Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom. Die Atome sind aber anders als bei den Substanzen der Chemie- Nobelpreisträger sehr symmetrisch angeordnet.

Am Montag war der Medizin-Nobelpreis dem Briten Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung zugesprochen worden. Die werden traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, überreicht.

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Wissenschaft / Nobelpreise / Chemie
06.10.2010 · 16:14 Uhr
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