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Nobeljuror: Edwards hat vor allem Ausdauer gehabt

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Stockholm (dpa) - 32 Jahre nach der ersten Geburt eines Retortenbabys bekommt der Brite Robert G. Edwards den Medizin- Nobelpreis für die Entwicklung der Reagenzglasbefruchtung.

Im Gespräch mit der Nachrichten-Agentur dpa erklärt der Stockholmer Professor für Kindermedizin und Nobelpreis-Juror Hugo Lagercrantz, was dabei die entscheidende Leistung war.

Was war die wichtigste Forschereigenschaft von Edwards? Dass er eine geniale Idee hatte, viel Geld zum Experimentieren oder vielleicht ein großes Heer tüchtiger Mitarbeiter?

Lagercrantz: «Er hat ungeheure Ausdauer gehabt. Niemand hat am Anfang an Edwards geglaubt. Er bekam auch kein Geld für seine Forschung bewilligt. Die etablierte Wissenschaft glaubte ja, dass bei der künstlichen Befruchtung missgebildete Kinder herauskommen. Und dann gab es enormen religiösen Widerstand von Bischöfen und so, die meinten, nur Gott dürfe neues Leben schaffen. Besonders groß war der Widerstand in Deutschland. Da hat man sich am meisten vor all dem gefürchtet, was nach Manipulation am Menschen aussehen konnte. Als dann das erste Kind 1978 geboren wurde, wendete sich das plötzlich. Alle fanden Edwards Arbeit fantastisch.

Steht die von Edwards entwickelte Technik heute überall auf der Welt zur Verfügung, oder gibt es noch Hindernisse?

Lagecrantz: «Natürlich ist die Behandlung immer noch ziemlich teuer. Es ist ja so, dass Kinderlosigkeit für Frauen heute vor allem in armen Ländern in Afrika und Asien besonders stark mit einem Makel behaftet ist. Ich habe das selbst in einer Kinderklinik in Addis Abeba selbst erlebt. Natürlich kann man sich fragen, ob künstliche Befruchtung dort nötig ist. Aber es ist eben einfach so, dass Familien dort ihre Tiere vom Bauernhof verkaufen, damit die Frau zur Behandlung für künstliche Befruchtung nach Südafrika reisen kann.»

Der Nobelpreis ist immer von größter Geheimhaltung umgeben. Wie kann es passieren, dass eine große schwedische Zeitung schon viele Stunden vorab den Namen des Preisträgers auf der Titelseite hatte?

Lagercrantz: «Ich bin davon total geschockt, ich verstehe absolut nicht, wie das passieren konnte. Als ich morgens um sechs in die Zeitung guckte, wollte ich es einfach nicht glauben. Vielleicht hat da jemand die Pressemitteilung geklaut?»

Wissenschaft / Nobelpreise / Medizin
04.10.2010 · 22:08 Uhr
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