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Newt Gingrich: Vordenker oder Mann von Gestern?

Newt Gingrich hat die Vorwahl in South Carolina gewonnen. Foto: Erik S. LesserGroßansicht

Washington (dpa) - Newt Gingrich ist das Stehaufmännchen dieses US-Präsidentenwahlkampfes. Bereits zwei Mal schien seine Kampagne gescheitert, doch plötzlich ist der 68-Jährige neben Mitt Romney zum Mitfavoriten bei der Kandidatenkür der Republikaner aufgestiegen.

Es ist nicht das erste Mal in seiner mehr als drei Jahrzehnte währenden politischen Karriere, dass Gingrich für eine Überraschung sorgt. Der promovierte Historiker löste immer wieder Staunen in Washington aus - Erfolg und Misserfolg lagen für ihn dabei meist ganz nah beieinander.

Newton Leroy Gingrich kam am 17. Juni 1943 in Harrisburg (Pennsylvania) zur Welt. Als Stiefsohn eines Soldaten besuchte er Armeeschulen in den USA und Europa. Nach dem Studium wurde er Dozent für europäische Geschichte. Gingrich ging als Liberaler in die Politik, wechselte aber wegen Erfolglosigkeit ins rechte Lager. So zog er 1978 in den US-Kongress ein. Im Herbst 1994 führte er die dort «konservative Revolution» der Republikaner an, die ihn nach dem Machtwechsel zum ersten konservativen Parlamentschef seit 40 Jahren kürten. Das Magazin «Time» machte ihn 1995 zum «Mann des Jahres».

Auf diesem Höhepunkt seiner Karriere wurde er zum härtesten Gegenspieler des damaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton. Mit ihm lieferte er sich heftige Schlachten um den US-Haushalt, die zeitweise sogar in den finanziellen Stillstand der Regierung mündeten und seine Beliebtheitswerte sinken ließen. Auch Gingrichs harter Kurs gegen den Präsidenten in der Sex-Affäre um die Praktikantin Monica Lewinsky kostete ihn Zuspruch. In den Kongresswahlen 1998 verloren die Republikaner massiv, was seinen Abstieg in der Partei beförderte.

Seitdem baute er sich vor allem mit Lehraufträgen, Büchern und Beraterverträgen ein kleines Imperium auf, das ihm Millionen, aber auch Ärger einbrachte. Seine Partei rügt ihn etwa dafür, rund 1,6 Millionen Dollar vom nunmehr staatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac erhalten zu haben, den die Republikaner wegen seiner Einmischung in den freien Markt verachten und abschaffen möchten.

Auch sein Liebesleben mit Affären und der mittlerweile dritten Ehe sowie eine gewisse Selbstverliebtheit sorgen im eigenen Lager für Kopfschütteln. Wie sein Konkurrent Romney kürzlich darstellte, hat sich Gingrich schon mit vielen Großen der Geschichte verglichen, darunter Charles de Gaulle, Abraham Lincoln und gar Moses. «Ich denke große Dinge. Dies ist ein großartiges Land, in dem große Leute große Dinge machen», sagt Gingrich über sich selbst.

Diese Einschätzung zieht sich durch seinen Wahlkampf, der den einstigen Chefideologen im Kongress an die Spitze seiner Partei zurückkatapultiert hat. «Ich glaube, dass wir Amerika wieder Hoffnung und Möglichkeiten, Vollbeschäftigung und echte Sicherheit geben können», meinte er, als er im Sommer seine Präsidentschaftskandidatur ankündigte. Doch Kritiker meinen, dass ihm trotz Zielstrebigkeit, taktischen Geschicks und eines scharfen Intellekts das Zeug zum Weißen Haus fehlt. Für viele ist er schlicht ein Mann von Gestern.

Wahlen / USA
22.01.2012 · 21:47 Uhr
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