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Neue Unruhen in Ägypten - Ausgangssperre in Suez

Protest in KairoGroßansicht

Kairo (dpa) - Die Lage in Ägypten bleibt weiter explosiv. Nach blutigen Zusammenstößen mit vier Toten kam es am Mittwoch zu neuen Ausschreitungen. Nach Angaben von Krankenhausärzten starb ein Demonstrant, der am Mittwoch bei Protesten in der Kairoer Innenstadt verletzt worden war.

Bei Ausschreitungen vor einem Gebäude von Präsident Husni Mubaraks Nationaldemokratischer Partei kam ein Polizist ums Leben, wie ein Arzt berichtete. Damit stieg die Zahl der Toten binnen zwei Tagen auf sechs. Ägyptens Führung versucht mit aller Härte, die vom Volksaufstand in Tunesien inspirierten Proteste gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit zu beenden. Online-Aktivisten riefen jedoch zu neuen Aktionen nach dem Freitagsgebet auf.

Besonders heikel war die Lage am Mittwoch in der Hafenstadt Suez, wo Demonstranten Feuer am Rathaus und einem Polizeigebäude legten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden 52 Demonstranten und Polizisten verletzt. Das Innenministerium verhängte in der Stadt eine nächtliche Ausgangssperre. Der Konflikt war eskaliert, nachdem die Polizei eine große Trauerfeier für die vier Männer verboten hatte, die in der Nacht zuvor getötet worden waren. Wütende Demonstranten stürmten einen Polizeiposten. Die Polizei trieb sie mit Gewalt auseinander.

Auch in Kairo versammelten sich an verschiedenen Orten Menschen, um gegen die Regierung und Präsident Mubarak zu protestieren. Die Polizei konnte die einzelnen Gruppen jedoch diesmal leichter vertreiben als am Vorabend, als sich rund 10 000 Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz befanden.

Die ägyptische Führung hat bislang nicht auf die verschiedenen Forderungen der Demonstranten reagiert. Einige fordern höhere Löhne für Staatsdiener, andere protestieren gegen eine neue Kandidatur von Mubarak bei der geplanten Präsidentschaftswahl im Herbst.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief am Abend zu Reformen in dem arabischen Land auf. Zugleich appellierte sie an die Behörden, friedliche Demonstrationen und den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zuzulassen. Ägypten ist ein enger Verbündeter der USA in der arabischen Welt. Allerdings drängt Washington Mubarak seit Jahren zu Reformen. «Wir unterstützen die universellen Rechte des ägyptischen Volkes, was das Recht auf Meinungsfreiheit und Versammlung einschließt», sagte Clinton nach einem Treffen mit dem jordanischen Außenminister Nasser Judeh.

Die ägyptischen Behörden blockierten den Zugang zum Kurzmitteilungsdienst Twitter. Auch ägyptische Facebook-Nutzer berichteten über Ausfälle. Google und Gmail waren ebenfalls zeitweise blockiert. Beobachter sagten, die Sicherheitskräfte wollten durch diese Störmanöver verhindern, dass sich kleinere Gruppen zu größeren Protestaktionen zusammenfinden. Eine Gruppe von Hackern drohte mit Angriffen auf Regierungs-Websites, die Webseite des Informationsministeriums war vorübergehend nicht erreichbar. Die Proteste sind nicht zentral gesteuert, sondern werden von vielen politischen Bündnissen und Menschenrechtsgruppen organisiert.

In Kairo wurden mehrere Journalisten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Massen aufgewiegelt und Chaos in den Straßen erzeugt zu haben. Demonstranten berichteten, sie seien von Polizisten in Zivil angegriffen worden.

Seit Dienstag wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen landesweit rund 500 Demonstranten festgenommen. Die Regierungen in Washington und Berlin sowie die Europäische Union mahnten Mubarak zur Besonnenheit. An der Börse in Kairo gaben die Kurse am Mittwoch stark nach.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch waren bei Zusammenstößen in Kairo und Suez drei Demonstranten und ein Soldat ums Leben gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und feuerte mit Tränengas und Gummigeschossen. Unbeeindruckt von dem brutalen Durchgreifen der Sicherheitskräfte versammelten sich am zweiten Tag in Folge in Kairo sowie in den Provinzen Manufija, Nord-Sinai, in Suez und in Assiut wieder Hunderte von Oppositionellen. Wieder schlug die Polizei zu.

In den auch bei deutschen Touristen beliebten ägyptischen Urlaubsorten am Roten Meer war von den Unruhen nichts zu spüren. Allerdings sagten die Reiseveranstalter Ausflüge nach Kairo ab. Diese Vorsichtsmaßnahme sei für zunächst einen Tag getroffen worden, hieß es bei den Anbietern Thomas Cook/Neckermann und FTI. Die Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) erklärte, sie bringe schon seit Dienstag keine Urlauber mehr in die Hauptstadt. Das Ägyptische Museum, das zu den wichtigsten Besuchermagneten der Stadt gehört, liegt direkt am Tahrir-Platz, auf dem sich in der Nacht die Demonstranten mit der Polizei geprügelt hatten.

Proteste / Regierung / Ägypten
27.01.2011 · 07:29 Uhr
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