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Neue Runde im Prozess gegen Charles Taylor

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Den Haag (dpa) - Im Kriegsverbrecherprozess gegen den Ex-Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, will die Verteidigung von heute an die Unschuld des als «Herr der Blutdiamanten» berüchtigten Angeklagten nachweisen.

Taylor ist der erste afrikanische Ex-Diktator, der sich wegen Gräueltaten vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Der heute 61-Jährige hatte bereits zu Beginn des Verfahrens im April 2006 alle Vorwürfe zurückgewiesen - darunter die Verstümmelung von Menschen durch das Abhacken von Gliedmaßen und das Abschneiden von Lippen und Ohren, Mord, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung sowie die Zwangsrekrutierung von Kindern.

Der ehemalige Milizenchef steht nicht wegen seiner Schreckensherrschaft in Liberia von 1997 bis 2003 vor Gericht, sondern wegen grauenvoller Bluttaten von Rebellen während des Bürgerkrieges im westafrikanischen Nachbarland Sierra Leone zwischen 1996 und 2001. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn vor dem Sondergericht für Sierra Leone, die dort einst jahrelang wütende «Revolutionäre Vereinigte Front» (RUF) seines Kumpanen Foday Sankoh bewaffnet, ausgebildet und kontrolliert zu haben. Taylor sei für deren Verbrechen an der Zivilbevölkerung direkt verantwortlich. Dem Bürgerkrieg fielen nach UN-Schätzungen mehr als 250 000 Menschen zum Opfer.

Die wegen ihrer Brutalität und Skrupellosigkeit gefürchtete RUF soll an Taylor massenweise in Sierra Leone geraubte Diamanten geliefert haben. Bis seine ausländischen Konten gesperrt wurden, soll der Ex-Präsident allein in der Schweiz 1,5 Milliarden Dollar aus dem illegalen Handel mit solchen «Blutdiamanten» gehortet haben. Demgegenüber besteht der Angeklagte darauf, dass er in Sierra Leone lediglich die Rolle eines «Friedensvermittlers» gespielt habe.

Taylors Anwalt Courtenay Griffiths gibt am Montag zunächst eine Erklärung zu den insgesamt elf Anklagepunkten ab. Danach beginnt - voraussichtlich am Dienstag - mit Taylor selbst die Befragung von Zeugen durch die Verteidigung. Dafür sind mehrere Wochen veranschlagt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch betonte die große Bedeutung eines rechtsstaatlichen Verfahrens gegen Taylor. Es biete Opfern der Verbrechen in Sierra Leone die Möglichkeit, Gerechtigkeit zu erfahren.

Das Sondergericht für Sierra Leone wurde von der Regierung des Landes und den Vereinten Nationen (UN) geschaffen. Es soll die Hauptverantwortlichen für die schwersten Verbrechen während des Bürgerkrieges zur Verantwortung ziehen. Normalerweise tagt es in Sierra Leones Hauptstadt Freetown. Aus Furcht vor Anschlägen oder Befreiungsversuchen durch frühere Komplizen Taylors findet das Verfahren gegen ihn jedoch weit entfernt in den Niederlanden statt, wo Taylor im Haager Stadtteil Scheveningen in Untersuchungshaft sitzt. Er war 2003 nach Nigeria geflohen, nachdem er in Liberia die Kontrolle verloren hatte. 2006 lieferte ihn Nigeria an das Sondergericht aus.

International / Prozesse / Taylor
13.07.2009 · 07:42 Uhr
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