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NDR: Millionenfacher Handel mit Bankdaten

Der zuständige Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar spricht angesichts des Datenabgleichs von einer neuen Dimension. Er kündigte eine sofortige und umfassende Untersuchung an. (Symbolbild)Großansicht

Hamburg (dpa) - Die Bankdaten von bis zu 14 Millionen Verbrauchern in Deutschland werden nach Recherchen von NDR Info systematisch für Kundenanalysen verwendet und Handelsunternehmen angeboten.

Nach Informationen des Senders bietet Deutschlands größter EC-Netzbetreiber Easycash den Abgleich von Kontonummern, die beim Einsatz von EC-Karten in Supermärkten oder Tankstellen gespeichert wurden, mit den Daten von Kunden- und Rabattkarten an. Damit können die Daten umfangreich und direkt auf die einzelnen Kunden bezogen ausgewertet werden, ohne dass diese davon wissen oder diesem Vorgehen zugestimmt haben.

Verantwortlich für den Abgleich soll den Informationen zufolge die Easycash-Tochterfirma Easycash Loyalty Solutions in Hamburg sein. Der zuständige Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar sprach von einer «neuen Dimension»: «Die Kunden werden so zu gläsernen Verbrauchern, deren Daten ausgewertet werden, ohne dass sie es erfahren.» Caspar kündigte eine sofortige und umfassende Untersuchung an.

Gegenüber NDR-Info wollten sich Easycash Loyalty Solutions und Easycash nicht zu den Informationen äußern. Für eine Stellungnahme am Mittwochabend waren die Unternehmen für die Nachrichtenagentur dpa nicht erreichbar.

Easycash Loyalty Solutions betreut nach eigener Aussage etwa 14 Millionen Kundenkarten von Handelsfirmen. In einer NDR Info vorliegenden Präsentation wirbt das Unternehmen mit mindestens zehn verschiedenen Auswertungsformen. Es sei möglich, genau zu ermitteln, welcher Kunde was wann und wo einkauft. Die Firma spricht dabei unter anderem von der «Beobachtung eindeutiger Kontoverbindungen pro Straße». Außerdem erstellt Easycash Loyalty Solutions Bewegungsprofile und ermittelt die «Kundenqualität» und den «Ausschöpfungsgrad» der Kunden. Für Datensätze mit je tausend EC- Kartenkunden sollen Handelsunternehmen bis zu 5000 Euro zahlen, recherchierte der Sender.

Während Easycash als EC-Netzbetreiber Kontodaten aus EC-Zahlungen dauerhaft speichert, verfügt Easycash Loyalty Solutions durch die Kundenkartenanträge neben der Bankverbindung auch über zahlreiche weitere Angaben wie Name, Anschrift, Beruf und Geburtsdatum. Easycash Loyalty Solutions sucht bei dem Abgleich der EC-Karten-Daten und der Kundenkartendaten identische Kontonummern. Findet es sie, kann das Unternehmen das Einkaufsverhalten der betreffenden Kunden anhand ihrer EC-Karten in weiten Bereichen des Handels genau verfolgen und entsprechende Datensätze erstellen.

Bereits vor wenigen Wochen war Easycash ebenfalls durch einen Bericht von NDR Info in die Schlagzeilen geraten: Der größte deutsche Zahlungsabwickler soll ohne rechtliche Grundlage die Daten von Millionen Kunden gespeichert haben. Das Unternehmen wies den Vorwurf damals zurück.

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Datenschutz / Verbraucher / Handel
14.10.2010 · 01:12 Uhr
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